9. Juli 2018 Doris Schöni

Die NZZ am Sonntag vom 8. Juli 2018 berichtet, dass Bibliotheken obsolet werden (oder bereits geworden sind). Sie werden von den elektronischen Medien ersetzt. Bedenkt man, dass es Bibliotheken seit fast 2000 Jahre v. Chr. gibt, so ist man entsetzt, dass sie innerhalb von wenigen Jahren ein so brutales Ende finden. Wikipedia skiziert die Geschichte der Bibliotheken: Bereits die alten Ägypter besassen grosse Büchersammlungen, aus denen die Papyrusrollen bekannt sind, welche auf bis zu 1866 v. Chr. datiert werden. Sogenannte „Lebenshäuser“ waren auf die Vervielfältigung und Aufbewahrung wissenschaftlicher und religiöser Werke spezialisiert. Auch die in den Ruinenstädten von Assyrien und…

8. Juli 2018 Doris Schöni

In England stammt der Ausdruck aus der Zeit der adeligen Damen, die sich ihr Gesicht schminkten. Diese Schminke, die durch das Sitzen am Kaminfeuer aufgeweicht wurde, musste mehrmals täglich erneuert werden, weil die Damen „ihr Gesicht verloren“. Das Gesicht zu verlieren bedeutet, den Respekt, die Geltung, das Ansehen zu verlieren, sich blosszustellen. Anfangs des 20. Jahrhunderts hatte der Begriff noch eine andere Bewandtnis, nämlich sein Gesicht zu verlieren bedeutete, nicht mehr sehen können, blind werden. Man konnte auch etwas aus dem Gesicht verlieren (aus den Augen verlieren, also nicht mehr sehen). Diese alten Wendungen haben mit der heutigen Redensart nichts…

29. Juni 2018 Doris Schöni

Kurios, manche Eigenschaften vieler Schweizer. Da läuft eine Frau mit einem blutdurchdrängten Verband im Gesicht in der Gegend umher, grüsst diese, plaudert mit jenen, lächelt anderen zu. Keine und keiner fragte sie nach der Ursache des blutdurchdrängten Verbands. Ist das „polical correctness“ oder einfach Desinteresse? Ist das Diskretion oder Mangel an Empathie? Haben diese Menschen etwa Angst vor einer theoretisch möglichen Ansteckung? Jemand könnte doch ironisch fragen: „Haben Sie die Pest, Lepra oder Ebola?“ Oder: „Haben Sie Prügel bezogen?“ Und/oder noch schlimmer: „Hat Ihr Hund Sie gebissen?“ Nein, nichts. Fragen sind hierzulande bei gewissen Personen verpönt, unschicklich, so wie Diskussionen…

20. Juni 2018 Doris Schöni

Viele werktätige Menschen freuen sich auf die Pensionierung. Anderen kann man fast kein grösseres Leid zufügen. Was geschieht nun mit ihnen, die unfreiwillig zum Nichtstun verurteilt worden sind? Plötzlich werden sie sich ihres Körpers bewusst. In der heutigen Sprache gehört das Bewusstwerden des eigenen Körpers zu einem Aspekt der „Achtsamkeit“. Der eigene Körper meldet sich also zum Wort. Ein kleiner Schmerz da, ein grösserer dort, das Knie schmerzt, es ist ein Kreuz mit dem Kreuz, das Zipperlein klopft an, o, ein Fleck am Arm, am Bein, im Gesicht und diese tiefen Falten, die mürrisch aussehen lassen, abgesehen vom Gewicht, das…

19. Juni 2018 Doris Schöni

Im Seniorenweb, Ausg. 370/1.6.2028, schreibt Joseph Auchter im Artikel „Das Dilemma um König Fussball“ (über die Fussball-WM): „24 Mannschaften, darunter die Schweiz, träumen vom Heldenthron – oder zumindest davon, ehrenhaft abzuschneiden.  „Fussball ist Krieg mit anderen Mitteln“ ist ein geflügelten Wort, das auch auf die Fussball-Terminologie verweist: Das Vokabular ist eindeutig militärischer Herkunft. Laut Wikipedia wird da „geschossen, gebombt, der Gegner taktisch ausgetrickst, die Verteidigung überrannt, werden Angriffsstrategien entwickelt. Vokabeln wie „stürmen“, „schiessen“, „ballern“, „bomben“, „eine Granate abfeuern“, „Angriff“, „Verteidigung“, „Frontbildung“, „Verteidigungsring“ nähern sich in der Tat der Kriegsrhetorik an und erwecken vor allem bei pazifistisch denkenden oder von den…

29. Mai 2018 Doris Schöni

Ojeoje: YB verlor den Cupfinal. Trotzdem habe es keine Ausschreitungen gegeben, meldete die Polizei. Lediglich öffentliches Urinieren und etwas Sprayereien. Getrennt geführte Fanmärsche haben Konfrontationen zwischen den beiden Parteien verhindert. Toll. Der bedauernwerte Liverpool-Goalie Loris Karius erhält nach seiner mässigen Leistung im Champions-League-Final Morddrohungen. Dabei hat er dermassen geweint und sich geschämt. Was für eine Art  Mensch will ihn töten? Was geht in einem menschlichen Gehirn vor, das einen Goalie, der einen schlechten Tag erwischt hatte, aber nicht allein schuldig ist am verlorenen Champions-Leage-Titel, umbringen will? Sollte Sport nicht eigentlich Spiel sein? Ist die Fussballwelt so krank, dass eine Niederlage…

21. Mai 2018 Doris Schöni

In der heutigen NZZ am Sonntag befasst sich Francesco Benini mit den Fussball-Hooligans. Ob der Text ironisch ist oder sein könnte, müsste, bleibt unklar. Ist er es nicht, was ist er dann? Man müsse den Hooliganismus konstruktiv begreifen, behauptet Francesco Benini. Der Schweizerische Fussballverband wolle der Fangewalt jedenfalls konstruktiv begegnen. Eine Arbeitsgruppe werde eingesetzt, „die bis in zehn Jahren Vorschläge präsentiert, wie die Gewalt der Hooligans zwar nicht eingedämmt, aber immerhin im adäquaten Kontext analysiert werden soll“. Exquisite Begegnung! Der Autor ist überzeugt, dass es offensichtlich Hooligans gebe, die sich von Joseph Beuys inspirieren liessen. Joseph Beuys? Fussballfans und Kunst….

12. Mai 2018 Doris Schöni

Die Medien berichteten ausgiebig über David Goodall, den 104-jährigen australischen Ökologieprofessor und Botaniker, der in die Schweiz reiste, um zu sterben – oder sich sterben zu lassen. Am 10. Mai um 12.30 Uhr verschied er an einem Herzstillstand infolge einer Nebutal-Infusion, umgeben von seinem Enkel und begleitet von Beethovens 9. Sinfonie. David Goodall war der Ansicht, dass alle Menschen im Alter das Recht verdienen, den Freitod zu wählen und dabei Unterstützung zu erhalten, auch wenn keine tödliche Krankheit vorliegt. Eine solche Denkweise führt unweigerlich zu Fragen. Frage Nummer 1: Wie definiert man das Alter? 2. Von welchem Alter an wäre…

27. April 2018 Doris Schöni

Im BUND vom 27. April berichtet Marianne Mühlemann vom schwindenden Interesse der Bevölkerung an klassischer Musik. Der klassische Musikbetrieb sei in Gefahr, schreibt die Journalistin, und zwar nicht nur in Bern. Studien belegen, dass die Nachfrage nach klassischen Konzerten in den nächsten Jahren drastisch zurückgehen werde, weil sich die Bedürfnisse des Publikums ändern. In ihrem Bericht zitiert Marianne Mühlemann den Präsidenten des Stiftungsrates KTB Marcel Brüllhart: „Bezüglich Programmierung wird man wohl auch prüfen, ob genreübergreifende Konzerte als Sonderformate, etwa hin zu Jazz, Pop oder Hip-Hop, geeignet wären“. Änderungen im Freizeitverhalten der Menschen sind nicht aufzuhalten. Aber immer mehr verabschiedet sich…

25. April 2018 Doris Schöni

Auf Telebärn diskutierten unter der Leitung von Michael Grossenbacher Stadtrat Tom Berger (JF) und Marc Heeb, Leiter Orts- und Gewerbepolizei Bern über die umstrittene TV-Tonabstellung in den Pausen und nach Ende von Fussballübertragungen in der Öffentlichkeit. Dies betrifft sowohl die Finalspiele von YB als auch die Fussball-Weltmeisterschaft. Es ist selbstverständlich, dass der Ton in den Pausen und nach Beendigung der Spiele nicht abgestellt werden sollte. Was nicht selbstverständlich ist: Die drei bekennenden Fussballfans zweifelten nicht daran, dass jeder in Stadt und Kanton Bern ebenso fussball-begeistert ist wie sie. Es kam ihnen nicht in den Sinn, dass Fussballübertragungen in der Öffentlichkeit…