18. November 2022 Doris Schöni 0Comment

Joachim und ich treffen uns an unserem geheimen Ort. Wir albern herum, trinken einige Biere, schauen uns auf Internet Pornos an und langweilen uns mega. „Wollen wir nun wirklich“, fragt Joachim. Ich blicke ihn verdutzt an. „Was wir besprochen haben“, „was haben wir denn besprochen“.

Er druckst etwas herum. Dann sagt er atemlos: „Wir wollten doch einen Menschen sterben sehen“. „Ach ja“, antworte ich, „so gehen wir auf die Palliativ-Station“. Joachim greift sich an den Kopf und starrt mich an. „Wollten wir es nicht selber tun?“ Ich winde mich: „Ich kann kein Blut sehen.“ Joachim gerät ausser sich: „Du Weichei. Feigling. Schwuchtel,“ Dieses Reizwort lässt mich aufspringen. „Wen“, frage ich. „Hermine,“ die Antwort wie aus der Pistole gechossen. „Die gehört doch zu unserem Freundeskreis“, werfe ich ein. „Eben“.

Im nächsten Grossverteiler kaufen wir lange und kurze Messer. Joachim lässt mich bezahlen. Wir wissen, dass Hermine alleine wohnt, also radeln wir zu ihr. Wir läuten an ihrer Wohnungstüre. „Überraschung“, flötet Joachim, als sie im Morgenmantel die Türe öffnet. „Wir statten dir einen Besuch ab.“ Sie bittet uns zu setzen, reicht Gläser und die Coca-und Wodka-Flasche. Wir bedienen uns reichlich.

Unvermutet schiesst Joachim auf, in der rechten Hand ein langes, in der linken ein kurzes Messer. Auf Hermines „spinnst …“ sticht er das erste Mal zu. „Hilf mir,“ fordert er mich atemlos auf. Wie gelähmt bleibe ich sitzen. „Komm Schwuchtel“. Blind vor Wut beginne auch ich sie anzugreifen und gerate in einen nicht für möglich gehaltenen Blutrausch. Ich bin derart mit Zustechen beschäftigt, dass ich Hermines Sterben verpasse. „Fuck“, spuckt Joachim aus, „jetzt ist sie hin, komm wir verschwinden.“ Die Messer lassen wir liegen, schwingen uns auf unsere Sättel und während des Fahrens kotze ich, kotze ich, bis mir Tränen aus den Augen fliessen. Ohne ein Wort, fährt jeder nach Hause, ich stelle mich mit den Kleidern unter die Dusche und schrubbe meine Hände bis sie aufgerissen sind. Dann lege ich mich ins Bett und schlafe bis zum nächsten Morgen. Ohne Albräume.

Joachim und ich erscheinen in der Schule, als ob nichts geschehen wäre. Hermines Mord versetzt die Schule in höchste Aufregung. Joachim wirft mir Blicke zu. Ich senke den Kopf.

Drei Tage später werden wir verhaftet. Joachim leugnet. Ich gestehe. Lebenslang, lautet das Verdikt.

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