8. August 2022 Doris Schöni 0Comment

Es gng um den starken Drogenkonsum im Bahnhofsviertel von Frankfurt. Die meisten Drogensüchtigen sind obdachlos und leben auf der Strasse. Sie konsumieren Crack, Kokain und Heroin. Sie schnorren und prostituieren sich. Und ihre Zahl nimmt von Jahr zu Jahr zu.

Die Drogenverantwortlichen und die Polizei der Stadt Frankfurt haben vieles unternommen, um die Drogenabhängigen aus dem Bahnhof zu vertreiben und sie vom Missbrauch abzuhalten. Wegweisung, Verhaftung, Unterbringung in einer Insitutuiton, die „entgiftet“, Methadon-Einrichtungen, persönliche Betreuung, etc., was aber bisher zu keinem Erfolg geführt hat. In Deutschland gibt es unter den Drogenabhängigen viele Frauen. Ob blutjung oder bereits älter, müssen sie sich prostituieren und oftmals prostituieren sie sich, um eine Nacht trocken und warm verbringen zu können.

Die Lebensgeschichten von Frauen und Männern, das heisst, die Gründe für den Drogenmissbrauch, sind meist sehr verschieden. Falls die Frauen nicht schon im Kinder- oder Jugendalter (wegen der Eltern) in die Drogenszenen gerieten, erlitten sie oftmals als Jugendliche Enttäuschungen in der Liebe. Um diese Verletzungen zu ertragen, griffen sie nach Drogen (Schmerzbetäubung). Man könnte wohl von einer negativen Sublimierung sprechen: die enttäuschte Liebe wird durch die Drogenabhängigkeit ersetzt. Um diese Abhängigkeit zu überwinden, werden Spezialkliniken gebraucht.

Bei den Männern verhält es sich anders. Sie werden durch Freunde und Bekannte aufgefordert, „es“ doch einmal auszuprobieren und geraten dadurch in die Drogenfalle. Sie benötigen immer grössere Dosen in kürzeren Zeitabständen, wechseln zu potenteren Stoffen, mischen Drogen oder kaufen „gestreckte“ Produkte, die ihre Körper ruinieren. Jene, die sich Spritzen verabreichen, haben in Kürze völlig vernarbte Venen und gefährden ihr Leben, indem ihnen nichts mehr anderes übrig, als sich in die Halsvene zu spritzen, eine sehr heikle Praxis.

Unbemittelte Drogenabhängige – im Unterschied zu den wohl situierten Banquiers, Top-Managern und anderen Spitzenverdienern, die sich reine und qualitativ hochstehende Drogen leisten können, die sie, so wird gesagt, lediglich an den Wochenenden und in den Ferien konsumieren – geraten relativ schnell in die Armut. Sie werden obdachlos, übernachten in Bahnhöfen, Pärken, Hauseingängen oder manchmal bei Bekannten, verwahrlosen, büssen ihre Zähne ein, sind übersät von Abszessen, eiternden Wunden, die immer wieder aufbrechen; noch jung rechnen sie mit dem Tod. Sie werden getrieben vom Drang nach Drogen und vom Drang nach Geld, um sich diese Drogen zu beschaffen. Viele dieser Menschen wollen unbedingt die Drogen hinter sich lassen, melden sich zur „Entgiftung“ an, verpassen jedoch den Termin, oder beginnen die Therapie, brechen sie jedoch nach kurzer Zeit ab, und das wieder und wieder.

Ein Frankfurter Drogenspezialist, der viele Versuche, Drogensüchtigen zu helfen, ergebnislos durchgeführt hat, ist überzeugt – und das gegen jene, die für einen gewaltsamen, harten Drogenentzug plädieren – , dass sich Politik, Justiz und Gesellschaft ändern müssen. „Wir müssen sie ertragen können – das ist Humanität“.

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