6. März 2017 Doris Schöni 0Comment

Man schreibt Blogs, damit sie gelesen werden. Allerdings verliert man mit dem Anspruch, gelesen zu werden, einen Teil der Freiheit. Man könnte Vorfälle beschreiben, Kritik an gewissen Umständen äussern, Personen, die einem zuwiderlaufen, treffend charakterisieren und damit beleidigen. Dann kommen Freunde und schelten: „Das kannst Du nicht schreiben. Lösche dieses Thema“. Sie verhalten sich derart apodiktisch, dass einem der grosse Zweifel übermannt. Vielleicht meint der Freund es gut mit einem. Möglicherweise ist er ängstlich und feige und spricht einem deshalb die Meinungsfreiheit ab. Und wenn er recht hätte?

Offenbar sind jene Blogger am erfolgreichsten, die im Mainstream schwimmen. Die sich an der Natur erfreuen (wer erfreut sich daran – ohne es zu äussern – nicht?), Kochrezepte publizieren, die Modewelt zum Lebens- und Bloggermotto wählen, Teenies gute Ratschläge erteilen und vor allem Salben, Cremen und Tinkturen jener oder dieser Marke wärmstens empfehlen.

Der Blog oder auch Weblog  ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt (cf. Wikipedia). Das bedeutet, dass diese Person im Niederschreiben keinerlei Beschränkung unterliegt (oder unterläge, wären da nicht die selbsternannten Zensoren).

So lange man also eine Person nicht namentlich verunglimpft oder verdächtigt, keine Witze über Minderheiten reisst, nicht mit rassistischen und antifeministischen Sprüchen um sich wirft, weder zu Mord und Vergewaltigung aufruft, die Religionen links liegen lässt und der Menschheit weder Tod noch Verderben wünscht, sind den Äusserungen auf dem Blog keine Grenzen gesetzt. Das einsehbare Tagebuch (mit protokollierten Sachverhalten und niedergeschriebenen Gedanken) kann Exhibitionismus und Mission sein, oder etwa nicht?

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