Eine Freundin bereist die ganze Welt. China, Australien, Italien, Frankreich, USA, etc. haben alle einen gemeinsamen Nenner: Sie sind Nicht-Raucherstaaten. Eine Episode aus den USA: Die Freundin lag allein an einem Hotel Swimmingpool und rauchte. Eine überdimensionierte Frau, des Gehens wegen Dickleibigkeit nicht mehr fähig, fuhr in einem Golf-Wägeli zum Pool und schimpfte die Freundin wegen ihres Rauchens aus. Eine rhetorische Frage: Welche der Frauen lebt länger und besser?
Vor etwa 50 Jahren rauchte man im Tram, im Kino, im Flugzeug, im Restaurant. Der Rauch störte niemanden. Keiner wedelte und hüstelte. Vor dem Schwimmbad wurden Zigaretten-Müsterli verschenkt. In den meisten Lokalen sah man wegen der dick hängenden Rauchschwaden die anderen Gäste nicht. In Debattierklubs zum Beispiel im Fernsehen rauchten die Teilnehmenden. Rauchen fördert die Gemütlichkeit, stimmt milder und mindert Aggressionen. Aber, so lautet der Tenor, es ist ungesund.
Rauchen schadet der Gesundheit. Es fördert Lungen- und anderen Krebs, verstopft die Herzzufuhren und ahndet den Rauchgenuss mit dem gefährlichen COPD. Dass Rauchen bestraft wird, weiss jedes Kind. In Zeiten, an die sich niemand mehr erinnern mag, erhielten begüterte Jugendliche mit 18 Jahren ein Auto, falls sie sich das Rauchen versagten. Sagt man dem nicht „den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“? In einem Mädchenheim erhielten die Zöglinge Zigaretten als Belohnung für gute Leistungen.
Im BUND vom 18.11.2014 veröffentlichte Basil Weingartner einen Bericht mit dem Titel „Vom „Tabaktrinken zum Kiffen: Tabak war im Bern des 17. Jahrhunderts unter Strafandrohung verboten. Was einst der Tabak war, ist heute der Hanf“. Die Berner Magistraten erweiterten 1661 die 10 biblischen Gebote um ein elftes, eines gegen das Rauchen. 50 Jahre später erkannten die Berner Behörden das wirtschaftliche Potenzial des Tabaks. Im Jahr 1710 wurde das Rauchen ausserhalb der Öffentlichkeit legalisiert. Im Holländerturm auf dem Waisenhausplatz wurde der erste Raucherklub eröffnet, Raucherleiste entstanden anschliessend in der ganzen Stadt.
Das Rauchverbot im alten Bern als Parallele zum heutigen Kiffen zu benützen, ist tollkühn. Wenn bereits das gewöhnliche Zigaretten-, Zigarren- und Pfeifenrauchen den Abscheu vieler Leute erregt, so wird das Kiffen in Unkenntnis als Drogenmissbrauch verurteilt. Es ist doch bizarr: Junge und erwachsene Menschen trinken Alkohol in rauhen Mengen, Bier regiert die Welt und die meisten Hooligans und Kravallbrüder sind besoffen. Alkohol enthemmt den Menschen auf eine grobe Art, Cannabis hingegen löst subtilere Prozesse im Gehirn aus. Autoritäre Eltern verbieten das Kiffen rigourös, animieren aber ihre Sprösslinge durch ihr eigenes Beispiel zum Alkoholtrinken. Exessiver Alkoholgenuss tötet Millionen von Hirnzellen. In der Schweiz hat Alkohol leider eine starke Lobby, während Cannabis kriminalisiert wird. Ist das nicht Rechtsungleichheit?
In der heutigen Zeit ist es schwierig, sich selbst eine Meinung zu bilden. Da wird Salz und Fett während Jahren als schädlich gebrandmarkt und einige Jahre später für gesund verkauft. Wie sollen sich da junge Menschen orientieren? Süchte gehören zum Leben, und es gibt schädlichere als das Rauchen. Warum eigentlich toleriert man nicht die Süchte der anderen, wenn man selbst auf irgend eine Art süchtig ist?