… und trotzdem Worte nach draussen drängen, was die Erschöpfung nicht zulässt und in einem Zustand zwischen Traum und Wirklichkeit die Konturen der Worte verschwimmen, für was für wen und überhaupt sinnlos und sinnentleert gedenkt man der Queen, die ebenso mit 96 Jahren die Schürze, die sie wohl nie getragen hat, abgibt, zurückerstattet, „rendre le tablier“, nach einem rappelvollen Leben, einfach entschwindet, abhaut und eine ganze Nation weinend zurücklässt, warum wehrte sie sich nicht gegen den Sensemann oder genderkonform die Sensefrau?, sie hätte doch noch einige Jährchen anhängen können, bei ihr hat auch alles gestimmt, ist regelgerecht abgelaufen und was geschieht jetzt mit all ihren pastellfarbigen Outfits samt Hut und Schuhen, werden ihre Hunde sie vermissen und leiden?, sie wird neben ihrem Gatten ruhen, „the Queen wasn’t amused at all“ über die Aufweichung der Konventionen, die sie versucht hatte, zu bewahren, auifrecht zu erhalten, nicht eine Königin der Herzen, sondern der eisernen Disziplin, sie hingegen war gezwungen, die Form gegen den Inhalt zu verteidigen, für sie waren wohl die Männer keine rois oder princes charmants, sondern Handlanger, hinter ihr stehende Lakeien, die keinen Lebensunterhalt zu bestreiten hatten, mit einer Apanage abgespeist wurden, aus lauter Langeweile Polo spielten oder Monopoly, das ihnen erlaubte fiktive, unbeseelte Schlösser zu kaufen; die Queen ist zehn Tage später gestorben, einfach so, ohne ihre Umgebung zu warnen, hat sie es ebenso gefühlt, erfühlt „je n’ai plus pour longtemps“, beide Frauen, Damen, schien ein ewiges Leben gewiss, „tu es éternelle“, und doch hat es sie erwischt, obwohl wir lachten und spotteten über die „allongés“, eine ihrer Wortkreationen, war die Queen anderer Sprachen eigentlich mächtig?, aber gewiss doch, und plötzlich kommt mir Madame Reimond in den Sinn, der ihr Italienisch lehrte, sich aber vor vierzig Jahren aus dem Staub oder zu Staub gemacht hatte, alle diese Namen, die sich an mir festkrallen wie Staub an Holz und im ganze Haus stosse ich auf ihre Schrift, mit der sie ihre berühmten „cartes-lettres“ bis auf den letzten Millimeter gefüllt hatte, die letzte „carte-lettre“ erhielt ich vor etwa einem Monat, ob sie meine unzähligen Briefe vernichtet oder zu ihrem Nachlass, der an einer offiziellen Stelle verwahrt wird, beigefügt hat? und wo befinden sich die Manuskripte zu ihren Romanen, vor allem jenes ihres Romans über mich, der mich damals sehr enttäuschte, weil sie mich verfremdet hatte, dabei lernte ich, dass man das Geschriebene nicht „au premier degré“ lesen darf, allerdings werden die Biografen der Queen akkurat und pingelig bei der Wahrheit bleiben,
Wenn man nichts (mehr) zu sagen weiss, schreibt man ohne Punkt und Komma.