Ein Sprichwort lautet: Das geht auf keine Kuhhaut. Herkunft: In der Antike und im Mittelalter wurden Tierhäute (Pergament) beschriftet und als Rollen oder in Buchform aufbewahrt. Verschiedene bildliche Darstellungen zeigen den Teufel dabei, wie er das Sündenregister des Menschen auf einer Kuhhaut aufzeichnet. Ist dieses zu gross, so hat der Mensch zu viel gesündigt und keine Kuhhaut ist gross genug, die Sündenliste zu fassen. Der Schlusseffekt liegt darin, dass im Mittelalter das Pergament meist aus Schafs- oder Kalbshäuten bestand. Wenn aber selbst die grössere Kuhhaut zu klein ist, dann muss man schon viel zu schreiben haben.
Ein Bauer bringt eine seiner Kühe zum Metzger. Dieser betrachtet das Vieh und sagt nein. Was, du verweigerst es, sie zu schlachten? Bist du noch bei Trost? Du brauchst doch das Geld mit deinen zwölf Kindern. Und das Deizehnteste ist bestimmt am Kommen. Also, töte sie. Nein, antwortet der Metzger, sie ist zu ungiringi. Sprich heutiges Deutsch nicht Mittelhochdeutsch. Der Metzger seufzt. Sie ist untergewichtig und untermässig. Aber da ist Fleisch am Knochen, insistiert der Bauer.
Hochrot im Gesicht stehen sie sich gegenüber. Schlachte sie, befiehlt der Bauer wutentbrannt. Der Schlachter dreht sich um und ist im Begriff, sich zu entfernen. Warte. Warte doch, bittet der Bauer. Ihre Haut ist mir zu klein. Ihre Haut? Was hat denn ihr Fell mit dem Fleisch zu tun? Nichts. Nichts? Ist das nicht ein kleines Detail? fragt der Bauer. Er ist sich des Pleonasmus‘ nicht bewusst, für ihn kann ein Detail klein oder gross sein. Oder mittelklein oder mittelgross. Er spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Er ist stolz, zur grossen Masse zu gehören. Er vertritt die nicht mehr schweigende Mehrheit. Des Terminators Mund ist ein schmaler Strich geworden, seine Augen sind gerunzelt, seine Haare stehen zu berge, Schweiss strömt von seiner Stirne und Speichel tropft aus seinen Mundwinkeln.
Dein Starrsinn, Metzger, geht auf keine Kuhhaut. Eben, ihre Haut ist zu klein. Ergreift das grosse Messer und ersticht die Kuh. Der Bauer, sichtlich erfreut, sagt: Jetzt kannst du sie ausbeinen. Die Haut schenke ich dir. Und eilt davon.