Ein eindrücklicher Film aus Deutschland, der die Geschichte einer älteren Frau, die an Demenz erkrankt, erzählt. Die Besitzerin eines Unternehmens, das sie sehr lange Zeit führte, wurde sich gewahr, dass in ihrem Kopf nicht mehr alles stimmte; sie weigerte sich aber, diese Wahrnehmung wahr-zu-nehmen und siemedizinisch abzuklären.
Die Protagonistin ist über 70 Jahre alt, arbeitet noch immer in ihrem Unternehmen, obwohl sie immer weniger versteht, was um sie herum geschieht. Ihr Sohn arbeitet ebenfalls in der Firma und hofft, bald das Zepter von seiner Mutter zu übernehmen. Ihre Tochter lebt in einer anderen Stadt Deutschlands, besucht ihre Mutter aber regelmässig und wundert sich über deren Nachlässigkeit im täglichen Leben. Die früher ordentliche Mutter wird immer chaotischer. Bruder und Schwester möchten ihre Mutter medizinisch untersuchen lassen. Doch sie sperrt sich dagegen. Behauptet, es gehe ihr vorzüglich. Bis sie eines Tages zusammenbricht und hospitalisiert wird. Der Befund der Ärzte ist eindeutig: Alzheimer.
Ganz ohne Klischees geht es im Film leider nicht. Die alte Frau lässt sich ein Bad ein, vergisst aber, das Wasser abzustellen. Das Wasser verwüstet die Wohnung. Ihr vermisstes Handy wird im Kühlschrank gefunden. Die alternde Frau wird sehr authentisch dargestellt. Die Verunsicherung, die sie beherrscht, zeigt sich in ihrer Mimik und Gestik. Einerseits gelingt es ihr, ihre Rolle als Chefin perfekt zu spielen, andererseits verliert sie sich immer mehr an die Alzheimer Erkrankung. Sie fügt sich in die Gruppe der Demenz- und Alzheimer-Erkrankten in einem Heim vordergründig ein, man sieht sie Sitzball spielend mit den anderen Heimbewohnern; sie flüchtet jedoch aus der Institution und irrt umher. Sie bemächtigt sich eines Hauses, das zum Verkauf steht.
Die letzte und berührendste Szene dokumentiert das Wechselspiel zwischen Normalität und Krankheit: An ihrem Geburtstag lädt die Geschäftsfrau und Mutter ihre Familie, Freunde und Geschäftspartner zu einer Feier ein. Sie hält eine völlig normale Rede, spricht von ihrer Krankheit, bedauert, sie lange Zeit verdrängt zu haben, entschuldigt sich für ihr oftmals nicht nachvollziehbares Verhalten und bemerkt lakonisch, dass sie die Anwesenden in einem Jahr nicht mehr erkennen werde – ja, sie wisse von etlichen schon jetzt nicht mehr, wer sie seien. Bewusst, geistig klar sowie ohne jegliche Larmoyanz antizipiert sie das Vergessen, das sie bald vereinnahmen wird.