Es trägt sich zu, als das Universum noch aus Milch und Honig besteht. In jedem millionsten Jahr erwacht Gott und trifft im so genannten Himmel seine einzige Schwester. Bruder und Schwester sind völlig wesensungleich. Zuerst ist Gott noch verschlafen, doch nach und nach kommt er in Hochform und zudem wertet er die Datenbanken aus, um die allfälligen Verfehlungen seiner Schwester aufzudecken.
Seine sonst fröhliche und leichtfüssige Schwester wirkt besorgt, ihr Kopf ist wolkenumhüllt. „Was ist los mit Ihnen“, fragt Gott. Nach alter Väter Sitte siezen sie sich. „Ach, Brüderlein,“ seufzt Gotts ältere Schwester, „viel Unbill ist in der letzten Million Jahren geschehen.“ Gott konsultiert die Datenbanken und nickt. „Die Betreuung der Welt war wirklich nicht optimal. Die Weiterentwicklung der Menschen ist ziemlich missglückt.“ Die Schwester: „Ja, sie entglitt mir, das heisst, die Menschen entglitten mir. Sie begannen, selbst an sich zu basteln.“
Gott lässt donnern. Erde und Schwester erzittern. „Sie haben sich wieder rumgetrieben, anstatt die Menschen zu fördern. Mit den Sternen gefrevelt, so dass Geburten und Todesfälle vermehrt auftraten und das Weltall durcheinander brachten. Deshalb waren Sie – ohnehin eine schlampige Fastgöttin – mit der Weltallordnung derart beschäftigt, dass Sie die Menschen sich selbst überliessen. Schämen Sie sich!“ „Verzeihen Sie mir, geliebter Bruder“, plärrt die Fastgöttin. Gott brummelt vor sich hin und zieht seinen Tschador über den Kopf. Die Schwester versucht, ihn milde zu stimmen, indem sie an seinem Tschador zupft. „Wünschen Sie sich einen neuen Tschador aus Sternschnuppen oder Mondsteinen?“ Gott schweigt. Schweigt länger als dreihunderttausend Jahre.
Die Schwester nutzte die Zeit und spann, flocht, häkelte, strickte und nähte ein wundersames Kleid, eine Art Toga, mit der man sich tausendfach umwickeln konnte. Plötzlich im Jahr dreihunderttausenddreiunddreissig bricht Gott sein Schweigen. „Ist die Toga für mich?“ erkundigt er sich väterlich bei seiner sichtlich gealterten Schwester. „Nein“, schreit sie, „sie ist für Pluto, Sie tragen ja Tschador.“ Wütet nun Gott? Lässt er Lava fliessen, Felsbrocken regnen, giftige Gase aufsteigen? Zerschmettert er seine Schwester mit einem Meteoriten? Seine Schwester jammert: „Wehe, wenn Gott kommt“.
Gott wäre nicht Gott würde er sein eigenes Reich zerstören wollen. Und Gott ist ein Fluchttier, gäbe es solche bereits. Man kann ihn nicht als Unmenschen bezeichnen, bevor die Menschen die Erde bevölkerten. Er zieht sich den Tschador an uns verschwindet in der nächsten Galaxie. „Wann kommst du wieder?“ schreit ihm seine ältere, wesensfremde Schwester nach. „Der Rest ist Schweigen“ spricht Hamlet.