Die Schweizer Restaurants haben wegen der Pandemie Verluste erlitten. Viele, die sich kein Polster hatten anlegen können, mussten ihre Betriebe schliessen. Tragödien ereigneten sich. Aber:
Von Gasthöfen und Restaurants ausserhalb einer Stadt, viele davon mit einer langen Geschichte, erwarten mindestens die Stammkunden eine besonders aufmerksame und freundliche Behandlung. In von Schweizern geführten Betrieben mit oft lokaler Bedienung erlebt der Gast gestresstes, nervöses und ausgebranntes Personal. Der Gérant eines Gasthofes in der Nähe von Bern war derart missgelaunt, dass er einer viel älteren Stammkundin, die sich erlaubt hatte, in der noch geschlossenen Beiz Wasser für die Hunde zu besorgen, ein Hausverbot verpasste. Der Mann hatte reichlich an ihr verdient. Ein sehr bekanntes,vorher ziemlich bürgerliches Berner Restaurant, das unter dem Namen eines der berühmtesten Köche der Schweiz eine Neukonzeption lanciert, bietet Gerichte an, die nicht nach jedermanns Geschmack sind. Ein Gericht musste, da unessbar, zurückgeschickt werden. Der Dessertwagen war leer gegessen. Und die deutschsprachige, junge Serviererin litt an einer frühzeitigen Demenz, vergass sie doch alles, kaum wurde es ihr mitgeteilt.
Ein völlig anderes Bild zeigen Restaurants mit ausländischen Geschäftsführern und deren Bedienung. Der Chef in einem libanesischen Restaurant empfängt die Gäste persönlich und fragt sie nach ihren Wünschen. Er berät sie, kümmert sich um sie und nimmt die Bestellung auf. Während des Essens kommt er hin und wieder an den Tisch und erkundigt sich nach dem Wohlbefinden der Speisenden. Zu guter Letzt stiftet er den Kaffee … . In einer unscheinbaren, thailändischen Gaststätte empfängt die kleine Geschäftsführerin, die ebenfalls serviert, die Besucher mit einer ansteckenden Fröhlichkeit. Sie berät eifrig bei der Auswahl der Gerichte, lacht lauthals, läuft zum nächsten Tisch, scherzt mit den Leuten, bringt Eiswasser und eilt in die Küche, um die Bestellungen weiterzuleiten. Sie schleppt die duftenden, heissen Speisen, Riesenportionen, an die Tische, lachend. Die Gäste essen, die kleine Thailänderin schenkt Wein nach, und das übrig bleibende Mahl verpackt sie in Aluschalen und bringt sie zur Wiederverwendung an die Tische. Sie lädt zu einem Verdauungsschnaps, reichlich bemessen, ein. Und dann bringt sie zum Abschied noch auserlesene Süssigkeiten und wünscht herzlich lachend eine angenehme Nachtruhe. Die Gäste verlassen kulinarisch und gemütsmässig bestens versorgt das Lokal.
Fazit: Viele Schweizer Restaurants dümpeln vor sich hin. Sie verkleinern die Auswahl der Gerichte, bieten dem Mainstream entsprechende Speisen an, mischen tüchtig Ketchup unter das Steak Tartare, verwandeln es in eine Art Dessert und die Sauce für die Eglifilets stammt direkt aus einer industriell hergestelltenTunke. Die gehetzten und hetzenden Serviererinnen sind knapp höflich und recht aggressiv. Die Dame am Büffet löscht ihre Durst mit Weisswein … . Fröhlichkeit und Lachen sind des Schweizers Stärke nicht. Die Gäste scheinen eher Feinde als Freunde zu sein. Sie werden abgefertigt wie Kühe im Stall: Pflichtbewusst und freudlos.
Warum die Berner Beizenszene vielfach derart bierernst und humorlos geworden ist, betrübt und entsetzt. Vor der Pandemie waren die Restaurants gut besetzt und die Wirte verdienten an ihren Gästen. Eine Zwangspause von einigen Wochen und die Panik hält Einzug. Die Besitzstandswahrung muss auf Teufel komm raus verteidigt werden. Die Besucher werden weder verwöhnt noch bettet man sie auf Rosen. Sie sollen das Geschäft beleben und bezahlen. Lächeln und Humor haben in dieser Mentalität keinen Platz.