Es ist sehr schmerzhaft, eines Tages zu erleben, dass sich langjährige Freunde, zwar nicht zu Feinden, aber zu Nicht-mehr-Freunden entwickelt haben. Die grundlegende Frage dabei ist: Ist es Freundschaft, wenn man die Gefühle und Befindlichkeiten des Freundes nicht nachempfinden oder mitempfinden kann?
Im Sport lernt man, sich für seine Mannschaftsmitglieder zu 100 Prozent einzusetzen. Wenn sie einem einen Sieg vermasseln, tröstet man sie, anstatt sie zu rügen. Dass man für einen Freund durch dick und dünn geht, ihn wie ein Löwe verteidigt, selbst wenn der Freund andere Auffassungen hat, wäre eigentlich selbstverständlich. Freundschaft gebietet Loyalität, auch gegen die eigene Bequemlichkeit. Loyale Freunde werten nicht, sondern versuchen, zu verstehen. Sie richten nicht, sondern finden den Grund des ihnen möglicherweise sonderbar anmutenden Verhaltens. Auf Verleumdungen und Anschuldigungen gegen den Freund reagieren sie heftig und weisen sie energisch zurück. Loyalität bedeutet, zu einer anderen Person zu stehen, auch wenn man im Einzelnen nicht einer Meinung ist. Bei Loyalität geht es um gemeinsame Werte und Ziele, um ein grösseres Ganzes, das man selbst mitträgt. Dieses Verhalten spielt in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen eine Rolle. Loyalität unter Freunden bedeutet zum Beispiel, für den anderen einzustehen, ihn zu unterstütze. Sie ist die Voraussetzung für echte Freundschaften. Loyalität ist der Grundbaustein für funktionierende soziale Beziehungen. Sich loyal zu verhalten, wird dann schwierig, wenn es um unterschiedliche Meinungen geht. Wenn man einen Freund verteidigen muss, der sich gerade wirklich daneben benommen hat. Gerade in solchen Situationen ist Loyalität aber wichtig. Wichtig ist ebenfalls, zu seinen Freunden zu stehen, auch dann, wenn sich ihre Ziele und Meinungen gerade nicht mit den eignen decken. In schwierigen Situationen zeigt sich, auf wen man sich wirklich verlassen kann. Immer mit so wenig Aufwand wie möglich durchzukommen, das hat mit Loyalität nichts zu tun. Loyal zu sein, bedeutet auch, etwas mehr zu leisten, als unbedingt nötig ist. Loyalität geht häufig mit Konflikten einher. Zum Beispiel dann, wenn man einen Freund damit verletzen würde, dass man einem anderen gegenüber loyal ist.
Im 1. Korinther 13 heisst es: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf“. Was für die Liebe gilt, ist auch gültig für die Freundschaft. Wer einen Freund verrät, verrät sich selbst.