Die Intruder des Kapitols in Washington waren durchs Band weg Rechte, Rechtsextreme, Neonazis, Antisemiten, Sexisten, Verschwörungtheoretiker und Rassisten, vielleicht auch Mitglieder des Ku-Klux-Klans. Ihre Feindbilder unterscheiden sich nicht von jenen der in der ganzen Welt zunehmenden Zahl von alten und neuen Rechtsextremisten. Nicht weisse Menschen und Nicht-Christen sind ihnen ein Dorn im Auge. Hüben und Drüben bekämpfen sie Menschen mit einer dunklen Haut (dabei ist erwiesen, dass die Hautfarbe eine Klimafrage ist), mit einer anderen Religion, mit einer fremden Kultur und mit Bräuchen jenseits europäischer Prägung. Warum wenden sich so viele Menschen dem rechten Trend zu? Und warum übersehen derart viele Regierungen dieseTendenzen? Und warum gibt es gerade in den USA, die massgeblich an der Zerstörung des Dritten Reiches beteiligt waren, so viele Rechtsgerichtete?
Einfache Erklärungsversuche – mangelnde Bildung, Geschichtsunwissenheit, Missgunst und Neid, Überforderung durch die Komplexheit des heutigen Lebens, die Angst vor Intellekuellen und das Unbehagen, sich und seine Lebenseinstellung in Frage zu stellen – sind Legion. Sie genügen jedoch nicht.
Die deutsche Regierung, besonders hellhörig für den Rückfall in die braune Vergangenheit, hat die Zeichen dieser Gefahr erkannt und will dagegen reagieren. Andere Staaten verfallen wiederum dem Fehler, diese gefährlichen Tendenzen zu bagatellisieren. Offensichtlich sind sie unbelehrbar und uneinsichtig. Einmal mehr unterschätzen sie die brisante Lage. Rechtsextremismus ist wieder salonfähig. Warum?