Gewalt von Impfgegnern. Gewalt gegen Betagte. Gewalt unter Jugendlichen. Drohungen gegen TV-Moderatoren und Journalisten. Aggressionen zwischen Radfahrern und Automoblilisten. Ausgrenzung von Frauen. Hass auf Lesben und Schwule sowie Einwanderer. Gewalt von Hooligans gegen Hooligans. Die Aufzählung liesse sich beliebig fortsetzen; im BUND vom1.Oktober befassen sich vier Artikel mit Gewalt , Drohungen und Ausgrenzung.
Einmal mehr spielen Gene und Erziehung eine Rolle in der Gewaltbereitschaft. Schlagende Eltern und ein entsprechendes Gen „produzieren“ aggressive Kinder und gewalttätige Erwachsene. Kinder sind aggressiv, wenn sie sich hilflos, überfordert und ausgegrenzt fühlen. Schlagende Eltern vermitteln ihren Kindern ein miserables Vorbild. Nicht Testosteron verursacht Aggressionen, sondern das Elternhaus, das Milieu und der entsprechende Umgang.
- Gewalt von Impfgegnern: sie ist unverständlich. Ihre Abneigung gegen das Impfen ist irreal und unwissenschaftlich. Sie verstecken ihr Unwissen hinter Gott, Weltverschwörern und selbsternannten Heilern. Anstatt zu randalieren, würde es ihnen besser anstehen, Parodien oder kurze Theaterstücke mit ihren Gegenargumenten zu präsenieren.
- Gewalt gegen Betagte: es gibt in Alterseinrichtungen aufsässige, renitente alte Leute. Junge und jüngere Pflegende verfügen nicht über das „Nervenkostüm“ ihrer Vorgängerinnen. Behütet aufgewachsen, rasten sie im persönlichen Kontakt schnell aus. Man müsste sie in der Ausbildung lehren, mehr Humor einzusetzen. Ein Lachen, ein Lächeln, ein freundschaftlicher Stubser könnten schwierige Situationen entschärfen.
- Gewalt unter Jugendlichen: warum gelingt es den Lehrern nicht, die aktuelle Jugendgewalt zu redimensionieren? Gewaltvideos und -spiele mit den Schülern zu besprechen? Ihre Ritterlichkeit zu wecken, die ihnen dann verbietet, einen am Boden liegenden Menschen weiter zu malträtieren?
- Drohungen gegen TV-Moderatoren und Journalisten: Die Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit ist ein verbrieftes Recht. Lediglich in autoritären Staaten erleiden Journalisten Repressalien von den Machthabern. In Demokratien kann man frei wählen, welche Zeitung man lesen und welche TV-Sendung man ansehen möchte. Zudem ist jedermann frei, Leserbriefe, natürlich ohne Drohungen, zu verfassen mit der Angabe des Namens und der Adresse. Sind die Fake News, die ja jeder entlarven kann, verantwortlich für die in den letzten Jahren bei verdrossenen Bürgern aufgekommene Ablehnung, für das Misstrauen und den Zorn auf Medienschaffende?
- Aggressionen zwischen Radfahrern und Automoblilisten: Dieser Konflikt war vorprogrammiert wegen der Privilegien für Radelnde zum Nachteil der Autofahrer. Die starke Lobby der Radfahrer verunglimpfte die Benzin betriebenen Autos so lange, bis der letzte Autofahrer mit einem schlechten Gewissen in seinen Wagen stieg. Wenn bei von Radelnden verursachten Unfällen der Autolenker a priori die Schuld trägt, dann ist etwas faul im Land.
- Ausgrenzung von Frauen: dass Islamisten die Frauen wie Menschen zweiter Klasse behandeln, so entspricht das dem Verhalten von europäischen Männern vor etwa 500 Jahren. Die Europäer,vor allem jene mit Kolonien, haben vergessen, dass sie den Muslimen Hunderte von Jahren „gestohlen“ haben, indem man sie in die Moderne katapulierte und so ihre Entwicklung blockierte.
- Hass auf Lesben und Schwule sowie Einwanderer. Viele Vorurteile gegen Lesben und Schwule wurden in den vergangenen 20 Jahren revidiert und abgebaut; in einer Volksabstimmung bekamen sie dieselben Rechte wie die Heteros, können also heiraten und Kinder adoptieren. Allerdings verhält es sich so wie bei den Juden: sie werden als Bürger erster Klasse betrachtet, aber insgeheim sind sie für viele Schweizer suspekt. Einwanderer: man unterstützt sie lieber in ihrem Land als in unserem. Die Dunkelhäutigeren werden – nicht wie im 18. Jahrhundert als „edle Wilde“ – als unterentwickelt und primitiv, vor allem aber als Schmarotzer und Drogendealer bezeichnet. Weisshäutige aus dem Osten bezeichnet man als Kriminelle. Menschen aus anderen Ländern und mit anderen Kulturen erzeugen Angst. Sie werden als Sündenböcke benutzt in der Art von „man schlägt den Sack und meint den Esel“.
- Gewalt von Hooligans gegen Holligans: Hooligans sind Fans von einem Fussballklub, für den sie mit Vehemenz einstehen und mit dem sie sich völlig identifizieren. Solch ein Klub wird nicht nur als Familie, sondern als Religion verehrt. Welcher Klub gegen den anderen gewinnt, ist irrelevant: die Verlierer verdreschen die Gewinner, also stellvertretend für die Fussballer. Hooligans gibt es in jedem Alter und aus allen Berufen. Sie sind vornehmlich männlich.
Warum aber Gewalt? Könnte man nicht alle diese Scheinprobleme gütlich regeln? Was erzeugt einen solchen Hass? Hass auf Menschen, die andere Meinungen haben, die eine andere Herkunft, andere Prioritäten aufweisen. Mitverantwortlich für diesen Hass ist die Angst: die Angst, vertrieben zu werden, Vorteile aufgeben zu müssen, den Besitzstand einzubüssen. Dazu gesellt sich auch noch die Missgunst wie „warum sind die Flüchtlinge fröhlich“ oder „warum tragen die Tamilen Lederjacken“. Gewalt fordert Gewalt heraus. Gewalt ist ansteckend.