Wir essen eine selbstgefertigte Kürbissuppe und selbstgesammelte Pilze (mit Nudeln). Wir sitzen am riesigen Ateliertisch, trinken Wein und Bier und sprechen über – what else?- das Korona-Monster. Erneute Einschränkungen. Ich: Die Jungen tun mir leid. Er: Ja, wenn man jung ist, will man doch immer ausgehen. Ich: Mich brächte heute nichts aus dem Haus. Er: Man ändert sich mit zunehmendem Alter. Ich: Und trotzdem verstehe ich die Jungen. Er: Uns stören diese Einschränkungen nicht, weil wir privilegiert sind. Ich: Ja wir wohnen privilegiert. In einer privilegierten Umgebung mit toleranten Nachbarn. Er: Stell dir vor, wir würden in einem Hochhaus leben. Ich: Über uns würden Leute den ganzen Abend diese Bum-bum-Musik hören. Und unter uns würden Kinder schreien. Er: Links von uns würden die Bewohner Blockbusters in den höchsten Tönen verfolgen. Und zur Rechten streitet sich ein Paar erbarmungslos. Der Dritte jubelt: Ein Eispilz. Ich habe soeben einen solchen gegessen. Ich: Du hast ja sie selbst gesammelt Er: Die Einschränkungen betreffen uns nur am Rande. Es mangelt uns an nichts. Ich: Kino, Theater, Konzerte. Er. Du gehst ja ohnehin nicht mehr hin. Der Dritte: Habe ich schöne Röhrlinge gefunden. Ich: Habe ich eine gute Suppe gekocht. Der Dritte: Zu scharf. Er: Die Pilze, die sie ebenfalls gekocht hat, sind überhaupt nicht scharf. Es fehlt ihnen sogar an Salz. Ich: Eben. Er: Ich wäre gerne in die Ferien gefahren. Nach Griechenland. Jetzt gehe ich nach Iseltwald. Ich: Um auf privilegiertes Wohnen zurückzukommen. Du bist ja für verdichtetes Wohnen. Er: Im Prinzip schon. Die vielen Menschen müssen doch untergebracht werden. Ich: Sicher. Aber sicher nicht bei uns. Wir lassen uns nicht einschränken. Um uns herum Villen mit grossen Gärten. Wir sind von Grün eingehüllt, deshalb sind wir auch nicht grün. Übrigens: Die können sich in Bümpliz niederlassen. Er: Das ist unsozial und egoistisch. Ich: Wollen wir bildungsferne Menschen in unserer Gemeinde? Der Dritte: Ist die Aaare zu warm, verrecken die Fische. Er/Ich: Verenden, bitte. Er: Was meinst du mit bildungsfern? Ich: Ja, ich meine, was meine ich eigentlich? Menschen, die über Wichtigeres sprechen als über die Korona-Epidemie. Solche, die Bach hören und nicht Dr. Föhn, oder wie er sich zu nennen pflegt. Oder jene, die Kulturferien anstatt Ballermann geniessen. Und natürlich die, die sich an bildender Kunst erlaben und Museen besuchen. Der Dritte: Ja, ein Museum für alte Fernsehröhren. Er: Ich gehe jetzt Kaffee kochen.