Es sind oft die Jahreszeiten, die Erinnerungen hervorrufen. Beim sogenannten heiligen Abend denke ich an all die Katastrophen-Abende, die ich in Françoises Haus mit ihrer zahlreichen Familie verbrachte. Grosse Tische, einen für die Erwachsenen, einen für die die älteren und einen für die kleineren Kinder (Françoises Enkel). Ein Chaos, Tränen, Gelächter, Geschimpfe und jedes Mal, wirklich jedes Jahr wieder die Strompanne, das heisst, Sicherungen, die wegen Überlastung den Geist aufgaben. Zuviele Tischgrills für die altmodischen Sicherungen der alten Villa. Und da Françoise nicht von den traditionellen Fondues chinoises abzuhalten war, ereignete sich Jahr für Jahr dasselbe Chaos. Inmitten des Essens machte es klick und der Strom fiel aus. Und alle rannten durcheinander, zum Sicherungskasten im Keller, der richtige Sicherungen benötigte, und wo waren die? Und von welcher Stärke? Der Boden war belegt mit Geschenkpapieren, Enkel und Enkelinnen waren aufgeregt, ihre Mütter soufflierten Ihnen die vergessenen Worte ihrer Verslein, Dominiques Geige kratzte von Jahr zu Jahr weniger, er war wirklich begabt für die Violine, interpretierte Vivaldi-, wechselte dann abrupt und wurde D. J‘. Zwei Töchter von vier spielten vierhändig, was kaum Einfluss auf die Sicherungen hatte. Und einmal die Katastrophe: Plötzlich verdeckte eine Sonnenbrille Françoises Augen. Es war jedenfalls ein trüber Tag. Was soll diese Sonnenbrille, fragte ich. Françoise erklärte, sie habe geweint. Warum? Typisch Françoises Begründung. Nicht die herausgesprungenen Sicherungen hatten sie zum Weinen gebracht. Nein, einer ihrer Schwiegersöhne, der typische Suisse Toto, habe den Wein über die Hand eingeschenkt. Dieser kulturlose Mensch, dieser Banause, sei nicht einmal in der Lage, korrekt Wein zu kredenzen. Wenn man bedenkt, dass Françoise ihre Eltern gesiezt hat, gehört das korrekte Wein Einschenken zu den elementarsten Tätigkeiten des Menschen. Ist es nicht eine Eigenschaft des Menschen, Dinge verschieden zu gewichten? Die Zahl ihrer Liebhaber während ihrer Ehe war irrelevant, Hauptsache, der Wein wurde korrekt eingeschenkt.
Trotz der Pannen liebte ich diese chaotischen Weihnachtsabende, langweilig wurde mir nie. Ob es einem Kind nicht mehr auf die Toilette reichte, die Sicherungen blieben unsicher. Françoise bereicherte Leben. Nicht nur durch ihre Romane.