Warum gibt es Menschen, die – ungewollt – anders sind als die Mehrheit? Denen es einfach nicht gelingt, ein Leben zu führen wie alle anderen?
Zum Beispiel die Nachtmenschen: Das Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ widerspricht ihnen völlig. In „Science“, Dezember 2019, liest man Folgendes: „Schlafverfechter werden argumentieren, dass man unbedingt möglichst früh ins Bett gehen sollte. Wenn Ihnen Ihre innere Uhr aber erst weit nach Mitternacht den Auftrag gibt, ins Bett zu gehen, sind Sie wahrscheinlich eine Eule: ein Mensch, der bis tief in die Nacht hellwach und aktiv ist – ohne jegliche Anzeichen von Müdigkeit. Es ist nicht die Absicht der Eulen, möglichst spät schlafen zu gehen. Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus folgt einfach anderen Regeln. Von Natur aus ein Nachtmensch zu sein, hat seine Vorteile – selbst wenn Sie deshalb am Morgen müde sind. Eulen sind kreativer. Morgenmenschen (die auch Lerchen genannt werden) erzielen durchschnittliche Ergebnisse, während Nachtmenschen (Eulen) wesentlich mehr Kreativität zeigen. Prof. Marina Giampietro erklärt dies mit der Abweichung von der Norm, die zur Folge hat, dass diese Menschen unkonventionell denken und originelle Lösungen finden.
Sie sind auch mental stärker. Laut einer Studie der Universität Lüttich in Belgien sind Eulen aufmerksamer als Lerchen. Um das zu ermitteln, wurden die Reaktionszeiten der beiden Gruppen am Vor- und Nachmittag getestet. Die Tests wurden eineinhalb und zehneinhalb Stunden nach der Aufwachzeit jeder Gruppe durchgeführt. Bei den morgendlichen Tests erzielten beide Gruppen dasselbe Ergebnis, am Abend lieferten die Eulen aber deutlich bessere Resultate.
Trotz diesen erfreulichen Resultaten haben die Nachtmensch auch Nachteile. Sie fügen zwar keiner Lerche einen Schaden zu, stehen aber in deren Unmut, eben weil sie anders sind. Mütter müssen, ob sie es wollen oder nicht, früh aufstehen, um das Frühstück zu servieren. Offensichtlich verinnern sie diese Verhaltungsweise, so dass sie auch nach dem Auszug der Kinder um sechs oder sieben Uhr morgens aufstehen. Sie besorgen den Haushalt, kaufen ein, kochen vor und verfügen am Nachmittag über freie Stunden. Die Eulen schlafen bis Mittag, hetzen sich dann durch Zeitungen, Internet und E-Mails, damit sie um zwei Uhr ihren täglichen mehrstündigen Spaziergang antreten können. Kommen sie dann nach sechs Uhr abends nach Hause, sind sie müde, zu müde, abgesehen von der Lektüre, die sie noch lesen haben, um Wäsche auf- oder abzuhängen. Geschweige denn das Geschirr der vorabendlichen Einladung in die Maschine zu räumen. Die Nachtmenschen neigen zum Aufschieben des Tagewerks. Eulen sind nach einer Studie psychisch labiler als Frühaufsteher. Sie erkranken häufiger an Schizophrenie und Depressionen. Ihre ungesunde Lebensweise führt zu Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes, psychischen und neurologische Erkrankungen und auch zu grösserer Sterblichkeit.Ein Nachtmensch zu sein, könnte in Ihren Genen liegen. Eine in Science Daily veröffentlichte Studie behauptet, dass eine Mutation der CRY1-Gene die innere Uhr des Körpers durcheinanderbringen könnte.
Sind Gene verantwortlich für Morgen- und Nachtmenschen?
P.S. Übrigens kennen Nachtmenschen keinen Jetlag … .
Interessant. Zur Theorie kann ich nichts sagen, aber ich denke auch, dass man sich an alles gewöhnt. Als Arzt arbeitet man oft die ganze Nacht durch, hat am nächsten Tag ohne Schlaf Mühe, den Tagesdienst zu versehen. Heute gibt es das weniger als zu meiner Zeit. Die Arbeitszeit ist heute fixiert, also man hat entweder Nacht- oder Tagdienst. Ueber den Einfluss der Hormone, wenn man über längere Zeit nachts arbeitet und tags schlafen will oder muss, weiss ich nichts. Ich denke auch, dass man nachts kreativer ist. Das dürfte auch durch den Lärm am Tag und die Ruhe in der Nacht her stammen.
15% der Menschen sind Linkshänder. Deswegen sind sie keine „Mindermenschen“. Höchstens gefährlich beim Tennis für Rechtshänder!