10. Dezember 2022 Doris Schöni 0Comment

Weil ich mich weigere, eine ungerechtfertigte Rechnung zu bezahlen, droht mir nun Sozialdienst. Ich bin gespannt, welche Dienste die Behörde einer 82-Jährigen pensionierten Journalistin, vorher Bibliothekarin in einer renommierten Handschriftenbibliothek und zudem in einer Genesungsphase nach einer Hüftoperation, einfordert.

Das einzige, was ich anbieten könnte, wäre die Korrektur von Behördenbriefen in Deutsch und Französisch. Ausserstande, Briefkörbe zu leeren, Post zu verteilen oder das Zvieriwägeli zu stossen. Vielleicht rächt sich die Behörde für meine Unverschämtheit und steckt mich ins Kittchen? Das wäre eine ganz neue Erfahrung. Überdies entspräche das einer Tendenz. Offenbar gibt es viele Gefängnisinsassen, welche im Pensionsalter stehen. So dass man sich überlegt, Altersvorrichtungen in Gefängnissen zu schaffen. Diese Gefangenen sind oftmals auf Hilfe angewiesen, werden dement, sind körperlich versehrt, brauchen Handreichungen für alles mögliche und benötigen Therapien ausserhalb der Gefängnismauern. So könnte es ja auch sein, dass ich in eine Zelle mit keifenden alten Frauen gesteckt werde.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Einmal habe ich gehört, dass eine der Schwestern meiner Mutter während des Zweiten Weltkrieges der Spionage angeklagt war. In dieser Familie wurden heikle Angelegenheiten verschwiegen. Was würden die Nachbarn sagen? Der Vater dieser Mädchen war einerteils genial und andererseits für die tägliche Arbeit und das Leben ungeeignet. Ich kannte ihn nicht und er konnte mich folglich nicht beeinflussen. Nach Fotos zu schliessen, liess er sich in weissem Anzug mit Hut und Stock ablichten, und zwar in Vittel-les-bains. Warum komme ich eigentlich auf ihn, meinen unbekannten Grossvater?

Dann ist da noch das Pflaster auf meiner Stirne.

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