5. August 2022 Doris Schöni 0Comment

Kennen Sie dieses Gefühl? Man sitzt mit Menschen zusammen und fühlt sich dabei völlig fremd. Man spricht dieselbe Sprache, trinkt und isst Ähnliches und kommt sich vor als stamme man von einem anderen Planeten.

Beim Gruppengelächter blickt man sauertöpfisch, da man das Lachen nicht versteht. Beide Seiten wundern sich: die eine, weil man nicht mitlacht und die andere, weil gelacht wird. Die Lachenden denken, man sei humorlos, die Nichtlachende kann den Grund des Lachens nicht nachvollziehen. Man spricht nicht nur aneinander vorbei, man lacht auch aneinander vorbei.

Vielleicht liegt es am Alkoholspiegel? Auf der einen Seite fliessen Bier und Wein in Strömen, auf der anderen hat man keine Lust dazu, es ist zu früh am Nachmittag und man ist zu durstig. Das ist bestimmt ein Kriterium, der Alkohleinfluss lockert die Zungen, und da die Gruppe lieber lacht als in Schwermut verfällt, wird eben grundlos gelacht. Ohne Alkohol analysiert man jedes Wort und zuckt zusammen, falls ordinäre Wendungen fallen. Die Mehrzahl in der Gruppe spricht im Berndeutschen das l nicht als l, sondern als äu aus. Nicht nur ein Kultur-, sondern auch ein Mentalitätsunterschied. Man gehört dazu oder eben nicht.

Menschen gehören gerne dazu. Zu irgend wem, zu irgend einer Gruppe. Das Zugehörigkeitsgefühl verleiht Macht, Sicherheit und Selbstvertrauen. Einsamkeit – das Syndrom des 21. Jahrhunderts – resiliert in der Gruppe. Ein Urgefühl oder ein Atavismus? Oder gar eine Überlebensstrategie?

Die, die auf Motorrädern den Gurnigel hinauf und hinab mit ohrenbetäubendem Motorenlärm rasen, sind meisterns zu zweit, zu dritt, zu viert, eine Gruppe Gleichgesinnter. Sobald sie sich aus ihren Lederkleidern befreit haben, lachen sie zusammen, aber nie aneinander vorbei.

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