Es begab sich, dass sich die Wölfe langweilten, da sie genug zu essen hatten. Das Rudel rief eine Basissitzung ein. „Hat jemand einen Vorschlag“? Die jüngste und frechste Wölfin rief: „Bieten wir der nächsten Schafherde unsere Freundschaft an“.
Die grau gewordenen älteren Wölfe murrten.“Das ist gegen unsere Tradition und unsere Art“. Die Jungwölfe riefen: „Es wäre doch mega-cool, die Schäfer und Jäger zu verulken“. „Dann“, grollten sie Silberschnauzen, „werden sie uns doch abschiessen“. Die Jungmannschaft antwortete: „I wo, können sie doch nicht, wenn wir mitten unter den Schafen weiden“. Die Alten: „Weiden entspricht weder unseren Traditionen noch unserer Art“. Die Jungen erhoben sich und rannten ihrer Nase nach, das heisst, in die Richtung einer Schafherde. Die Traditionalisten humpelten ihnen nach.
Als die Schafe die Wölfe kommen hörten, blökten sie panisch, stoben auseinander und versuchten sich zu verstecken. Das Wolfsrudel hielt an und die Jüngste und Frechste jaulte: „Wir sind gekommen, um euch Frieden anzubieten. Wir möchten euch behüten und beschützen“. Die Schafe zogen sich noch mehr zurück und berieten. „Das ist doch eine Finte“, mutmassten die älteren Zibben. „Die haben Lust auf unsere Lämmer“. „Quatsch“, grollte die junge und freche Wölfin, die schafisch sprach. „Wie brechen ein neues Zeitalter an. Tiere mit Tieren gegen Schäfer und Jäger“. Die Schafe berieten erneut. Die Schäfer hatten sie in letzter Zeit sehr kurz gehalten und ihre Freiheit massiv beschnitten. „Wagen wir das Zusammenleben“, freuten sie sich, sie, „aber wehe, wenn ihr uns angreift, dann blöken wir den Jäger herbei“. Die Wölfe kamen friedlich angetrottet, beschnüffelten die Schafe und leckten sie ab. Nicht nur: Sie rissen die würzigsten Gräser auf steilen Felsen ab und reichten sie den Schafen. Danach verschwanden sie zum Jagen, kehrten zur Abenddämmerung zu den Schafen zurück und bildeten einen Kreis um sie.
Am nächsten Morgen wurden sie vom Schäfer aufgesucht. Er hielt abrupt und seine Augen schienen zu fantasieren. Er mutmasste, in der Nacht zuvor zu viel Bätzi getrunken zu haben und daher das Opfer einer Phantasmagorie geworden zu sein. „Hilfe“, schrie er gegen den Himmel. Dieser Ruf rief den Jäger herbei. „Welchen Lärm ihr veranstaltet“, schimpfte er und griff nach seiner Bätzi-Flasche. „Gebt mir einen“, bettelte der Schäfer, „vielleicht sehe ich dann nicht mehr doppelt“. „Doppelt“, wunderte sich der Jäger und spannte sein Gewehr. „Ich sehr nur Schafe und Wölfe“. „Eben“, jammerte der Schäfer, „Schafe und Wölfe beisammen“. „Richtig“, antwortete der Jäger und hob die Flasche wieder an seinen Mund.
Die beiden setzten sich in einem Sicherheitsabstand zum gemischten Herde-Rudel auf einen Felsbrocken und nahmen tiefe Schlucke aus der Flasche. Beide hörten auf zu zittern. „Was machen wir jetzt“, heulte der Schäfer. „Nichts“, heulte der Jäger zurück. „Nichts als Einbildung“, besänftigte er, „die Schafe haben sich als Wölfe verkleidet und veräppeln uns“. Der Schäfer lallte: „Ja wenn es so ist, dann …“.
lustige und originelle Geschichte!!