Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa und den USA nehmen Rechtsextremismus und Antisemitismus rapide zu. Ist der menschliche Geist derart verstopft, dass lediglich 80 Jahre nach dem Scheitern der Nationalsozialisten die Verbrechen an den Juden „vergessen“ sind? Wie können einigermassen normale Menschen an der Realität des Holocausts zweifeln trotz aller Dokumente, Filme, Fotos, Aufzeichnungen, persönlichen Schilderungen, die dessen Existenz beweisen?
Extremismus-Forscher weisen darauf hin, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit nur im Verband, also zusammen mit vielen anderen, ähnlich gesinnten Personen, verübt werden. Dies entlastet den einzelnen und schiebt einer Art Massendynamik die Schuld zu. Hätten sich Tausende von Helfershelfern geweigert, Gräueltaten an wehrlosen Menschen zu verüben, wären diese Gräueltaten unterblieben. Voraussetzung dafür war eine für jene Zeit übliche Autoritätsgläubigkeit. Anders ist die Begeisterung für die Nationalsozialisten, die Millionen Deutsche bekundeten, nicht möglich.
Und nun schreien wiederum deutsche Bürger ihren Ausländer- und Judenhass durch die Strassen und heben ihren Arm zum Hitlergruss. Sie scandieren „Wir sind das Volk“, ja, was denn sonst? Die Passanten gehen an ihnen vorbei und keiner wagt sich, einzuschreiten. Warum zwingt man sie nicht, die Holocaust-Verbrechen in Konzentrationslagern anzusehen?
Wie in den Dreissigerjahren wird das Aufkommen des Rechtsextremismus‘ bagatellisiert, heruntergespielt, verharmlost, als unrealistisch erklärt. Als dann aber die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurden ihre Protagonisten millionenfach bejubelt. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges hiess es „nie wieder“. Und nun kriechen sie wieder aus ihren Schlupflöchern und johlen: „Heil Hitler“. Der Mensch verdient den Namen Tier nicht … .