30. Oktober 2021 Doris Schöni 0Comment

Warum ist der Antisemitismus in Europa, besonders in Deutschland, noch immer weit verbreitet? Mit dieser Frage befasste sich der Sender ZDT info in den Beiträgen „Die letzten Zeugen von Auschwitz“ und „Die Deutschen und der Holocaust: Schluss mit Schlussstrich“.

In Deutschland haben sich die Angriffe auf Juden und jüdische Einrichtungen in den letzten Jahren vervielfacht. Extremismus- und Anisemitismus-Forscher kamen zum Schluss, dass der Holocaust nicht aufgearbeitet worden ist, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er verdrängt, verleugnet und verharmlost. Von den Zehntausenden von Tätern wurde lediglich ein Bruchteil verurteilt, die anderen kehrten unbehelligt zu ihren Familien und ihren Berufen zurück. Im Jahr 2018 bezeichnete AfD-Chef Alexander Gauland den Holocaust als „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte (eine Steigerung von Jean-Marie Le Pens Aussage, der Holocaust sei nur ein „Detail“ der Geschichte).      

Unter den jüngeren deutschen Menschen weiss eine grosse Zahl nichts über den Holocaust. Zudem wünschen sich nicht wenige, einen Schlussstrich unter die Gräuel der Nationalsozialisten und die Vernichtung der Juden zu setzen. Mit dem Aufkommen der Neonazis, die sich offen zum Antisemitismus bekennen, fürchten viele Historiker eine Wiederholung der Geschichte und fordern eine umfassende Aufklärung in Schulen und Universitäten. Deutsche jüdische Eltern schicken ihre Kinder zur Ausbildung nach Israel, weil sie in deutschen Schulen  gemobbt und ausgegrenzt, ja selbst bedroht, werden. Der Ausspruch eines Extremismusspezialisten „Man wird nicht als Antisemit geboren“ lässt durchblicken, dass Eltern und Lehrer für den Judenhass der jungen Leute verantwortlich sind. Junge Jüdinnen in Deutschland sind entsetzt über die vielen Vorurteile, die noch immer die Juden verunglimpfen. Im Übrigen mischen sich viele Neonazis unter die Impfgegner und demonstrieren gemeinsam mit ihnen. Die Neonazis sind mit der ganzen Welt vernetzt und können dadurch blitzschnell reagieren. Politiker und Historiker warnen vor einer weiteren Zunahme der Nazis und damit der Antisemiten.

Phänomen Antisemitismus: Im Unterschied zu allgemeiner Fremdenfeindlihkeit wird Antisemitismus mit angeblich unveränderlichen Eigenschaften von Juden begründet, die oft auch gleichbleibend bezeichnet und dargestellt werden. Juden sollten als „Feinde der Menschheit“ (Antike), „Brunnenvergifter“, „ Ritualmörder“, „Wucherer“ (Mittelalter und frühe Neuzeit), „Parasiten“, „Ausbeuter“, „Verschwörer“ und heimliche „Weltherrscher“ (seit der Aufklärung) immer die angeblichen Verursacher aller möglichen negativen Fehlentwicklungen und menschengemachten Katastrophen sein. So ähneln sich antijüdische Karikaturen durch die Jahrhunderte stark. Diese fiktiven Trugbilder (Chimären) haben sich bis in die Gegenwart als aussergewöhnlich stabil und anpassungsfähig erwiesen. Sie haben nichts mit der Realität jüdischen Daseins zu tun, sondern verzerren dessen Besonderheiten ideologisch und benutzen sie für verschiedene Zwecke. Sie gelten daher als besonders typisches und wirkungsmächtiges „Paradigma für Bildung von Vorurteilen und politische Instrumentalisierung daraus konstruierter Feindbilder (Wikipedia).

 

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