Im Park des Schlosses Jegenstorf treffen sich jeden Morgen um sechs Uhr der Pfau und der Spatz. Sie mögen sich nicht besonders. Der auf seine Schönheit stolze Pfau schaut auf den kleinen, nicht bunten Spatz herunter. Das ständige Gezwitscher des Winzlings geht ihm auf die Nerven. „Was plapperst du eigentlich dauernd“, fragt der Pfau. „Och“, zwitschert der Hausspatz, „damit locke ich die Weibchen an“. Der Pfauenmann beginnt, sein Rad zu schlagen. Drei Meter beträgt der Durchmesser seines Fächers, der in allen Farben leuchtet. „Das“, prahlt der Pfau, „betört die Weibchen, nicht dein kläglicher, monotoner Gesang“. Der Spatz fliegt davon, zwitschernd.
Am nächsten Morgen um sechs Uhr begegnen sich Pfau und Spatz erneut. „Und“, kräht der Spatz wie ein Huhn, „hattest du Erfolg?“ „Womit?“ brummt der Pfau. „Mit deinem Riesenrad und dessen knalligen Farben“, höhnt der Spatz. „Erfolg bei den Damen“, ergänzt er. „Du blöder, kommuner Vogel“, kreischt der Pfau, „das geht dich einen feuchten Kehrricht an“. Der Spatz entfliegt trällernd.
Über den Garten des Schlosses Jegenstorf ziehen Nebelschwaden. Um punkt sechs Uhr krächzt der Pfau: „Wo bist du, kleiner Wicht?“ Es zwitschert: „Ich versuche, ein Pfau zu werden“. Der Pfau, verärgert: „Und wie soll das gehen?“ Kurzatmig, der Spatz: „Mit Hilfe der Imagination“. „Der Imag was?“ Der Spatz, feixend: “ Beau et con à la fois“. Der Pfau, kreischend: „Jetzt spricht der noch Straussig. Was bildet der sich eigentlich ein? Mich gibt es seit über viertausend Jahre und da kommt ein geschichtsloser und …“. Der Spatz flattert von dannen zwitschernd: „Und mich seit zehntausend, Banause“.
Epolig
Schon vor 4000 Jahren hielten Ägypter und Römer Pfauen. Sie mochten die Tiere wegen ihres hübschen Rades – und gut gewürzt als leckeren Braten.
Der Blaue Pfau gehört zur Ordnung der Hühnervögel und zur Familie der Fasane. Ursprünglich stammt er aus Indien und einigen angrenzenden Ländern. Heute ist er als Ziervogel jedoch weltweit zu Hause. Pfaue sind gesellige Vögel. Ein Männchen lebt meist mit etwa fünf Hennen zusammen – die es eifersüchtig bewacht.
Der Haussperling – auch Spatz oder Hausspatz genannt – ist eine Vogelart aus der Familie der Sperlinge und einer der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Singvögel. Der Spatz hat sich vor über 10.000 Jahren als Kulturfolger dem Menschen angeschlossen.
Als Datum der Erbauung des Schlosses Jegenstorf wird das Jahr 1111 genannt. In den Quellen nachweisbar ist Hugo von Jegistorf, der in einer Urkunde von 1175 genannt wird. Die Wehrburg dieser zähringischen Gefolgsleute dürfte spätestens um 1200 als Holzburg bestanden haben. Im 14. Jahrhundert erlosch das Geschlecht von Jegistorf. Die in der Stadt Bern aufstrebende Familie von Erlach schaffte es in einem Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren durch geschickte Heiratspolitik und Ankäufe sämtliche Herrschaftsanteile von Jegenstorf in ihren Besitz zu bringen. Johann von Erlach (1474-1539) wurde 1519 alleiniger Herr zu Jegenstorf und im selben Jahr auch Schultheiss von Bern. Albrecht Friedrich von Erlach kaufte 1720 die Herrschaft Jegenstorf. Er erweiterte die veraltete Anlage und baute sie zu einem barocken Landsitz um, einem Lustschloss mit Parkanlage.