23. April 2018 Doris Schöni

Warum auch sprechen Grossmütter viel zu laut in der Babysprache mit ihren Enkeln? Es war eine Grossmutter, die sprach unentwegt und viel zu laut mit ihrem Enkel. Sie konnte nicht aufhören, „wauwau“ und „meme“ zu sagen. Wieder und wieder. Und der Enkel im Kinderwagen plapperte „wawau“ und „meme“ nach. Papageienähnlich. Überfordert man einen Säugling mit den richtigen Worten? Also „Hund“ und „essen“. Ständig „wauwau“ und „meme“. Die Grossmutter zelebrierte die Babysprache als gelte es, einen Wettbewerb in Slam Poetry zu gewinnen.  Sie hob den Säugling aus dem Wagen, um ihm „ds Füdle z putze“. Säuglings Antwort: „Wauwau, meme“,  „Wauway, meme“….

15. April 2018 Doris Schöni

Im Juni 2014 wurde eine neue Partei namens Up!Schweiz gegründet. Die drei Gründungsmitglieder kommen aus Kreisen der FDP. Ihr Programm lässt sich wie folgt  zusammenfassen: Möglichst wenig Staat, möglichst viel Freiheit für den Bürger: «Wir wollen eine Organisation aufbauen, welche sich konsequent gegen den linken und rechten Kollektivismus wehrt und das Individuum und die Eigenverantwortung in den Mittelpunkt stellt.» Auch fordert up! eine “Sezession Light“, welche den Gemeinden das Recht gibt, Kantons- oder Bundesrecht nicht anzuwenden, wenn dieses gegen ein in der Bundesverfassung genanntes Freiheitsrecht verstösst. Dies gäbe den Gemeinden zum Beispiel die Möglichkeit, unilateral aus dem Finanzausgleich auszutreten oder…

11. April 2018 Doris Schöni

In der letzten Quizsendung (9. April) von SRF „1 gegen 100“ wurde die Frage nach der Bedeutung von „Kegel“ gestellt. Von den sogenannten „Kontrahenten“ kannten 40 (vierzig!) den Begriff nicht … . Es stellt sich nun die Frage, nach welchen Kriterien diese „Kontrahenten“ ausgewählt werden. Offensichtlich wird auf ihre Bildung wenig Wert gelegt. Entspricht die “ härteste Quiz-Show der Schweiz“, in der laut SRF „Taktik und starke Nerven ebenso wichtig wie ein grosses Allgemeinwissen“, dem intellektuellen Niveau der Schweizer Bevölkerung? Wenn dem so wäre, müsste dieser Schweizer Bevölkerung ein sehr schlechtes Bildungs-Zeugnis ausgestellt werden. Anstatt die helvetische Mittelmässigkeit zu zelebrieren, …

11. April 2018 Doris Schöni

Es ist weder Neid noch Missgunst, die zu dieser Betrachtung führen. Es geht lediglich um die Verhältnismässigkeit der Baubewilligung für ein winziges und ein höchst bedeutendes Unternehmen. Im Klartext: Das „Lückebüesserli“ (im Muribad) im Vergleich mit dem eben eröffneten Cinedome auf dem Gümligenfeld. Die beiden Unternehmen sind eigentlich nicht vergleichbar, schon wegen ihrer unterschiedlichen Grössen. Die Freizeitanlage umfasst ein Gebäudevolumen von 107’300 m3, der Vorplatz des Muribadrestaurants ist mit wenigen Schritten durchquert. Ja und? Eben: David und Goliath. Während der Gümligenfeld-Totalunternehmer Implenia sicherlich über ein Heer von Juristen und Bauökonomen verfügt, betreibt der Verein „Lückebüesserli“ das adhoc-Beizli, das während drei…

7. April 2018 Doris Schöni

Die LoNa schreibt begeistert über die neue Unterhaltungsmeile in Gümligen, das Cinedome. Kinosäle für Blockbuster, eine Bowlingbahn und oben drauf den „Hans im Glück“, ein Restaurant der neuen deutschen Hamburgerkette, in dem man sich duzt und die Burger und Fritten wohl von Hand in sich hineinstopft. Man hätte sich etwas Hochwertigeres vorstellen können. Kinosäle ohne Imax-Tontechnik und Dolby Atmos Tonsystem, welche Augen und Ohren strapazieren. Ob die angekündigten, kleineren Säle für Nischenfilme in Originalsprache, die ein anspruchvolleres Publikum anziehen, realisiert werden, ist zu hoffen. Einen Drittel der Bowlingbahn hätte man für Schachtische abzweigen müssen. Die Sportbar, in der Fussball-und Eishockeyspiele…

30. März 2018 Doris Schöni

Es ist zum Auswachsen und hier würden Dutzende Adjektive nicht reichen, um die öde, fade, flache und unausstehliche Situation zu beschreiben. Hat man seinen Job verloren, verliert man auch sich selbst. Hat man seinen Job verloren, fühlt man sich überflüssig. Hat man seinen Job verloren, gehen die Tage sinnlos vorüber. Elan weg, Freude weg, Erwartungen weg, Interessen weg, Enthusiasmus weg, Tatkraft weg. Man entwickelt oder besser: degradiert zur Molluske. Zieht den Kopf ein, wenn man auf der Strasse einem begegnet, den man von „vorher“ kennt. Ist erstaunt, wenn dieser einen beim Namen nennt. Dieser huscht schnell vorbei, so dass man…

28. März 2018 Doris Schöni

Wer gibt denn heute zu, sich bei Fussball-Spielen zu langweilen? Jeder und jede weiss Bescheid, kennt sich aus in den Regeln, schimpft auf den Schiedsrichter, im Volksmund liebevoll „Schiri“ genannt, und kennt die Transfersummen der Spieler. Es gibt bestimmt Bücher, die sich eingehend mit der Faszination Fussball auseinandergesetzt haben, aber ist das Phänomen damit enträtselt worden? Viele Menschen können sich mit Fussball identifizieren. Wer hat schon nicht als Kind einen Ball gegen die Hausmauer oder das Garagentor geschmettert? Bei der Faszination spielt sicherlich auch der Faktor der Idolisierung eine grosse Rolle. Menschen lieben, ja oftmals brauchen Idole. Auf sie übertragen…

21. März 2018 Doris Schöni

Unscheinbar in einem Wohnquartier von Ostermundigen gelegen, ist das Restaurant „Schmitte“ schon lange kein Gastro-Geheimtipp mehr, beträgt die Reservationsfrist doch mindestens drei Monate. Die „Schmitte“ wurde belassen, wie sie war, nämlich eine Schmiede. Werkzeuge und unbehauene Wände erinnern an das Handwerk, das dereinst dort blühte. Mit einem Minimum an Tischen garantiert das Lokal eine gewisse Intimität zwischen den Gästen. Der Höhepunkt des Restaurants besteht in der Kulinarik. Das Besitzerehepaar Irina und Jürg Schori teilt die Arbeit unter sich auf: Die Wirtin bedient in einer sehr charmanten, persönlichen Art die Gäste, kümmert sich diskret um sie und scheint für die blitzende…

20. März 2018 Doris Schöni

Warum verhindert man – die Arbeitgeber – Menschen jenseits der 70 zu arbeiten? Sind sie gottergeben verdammt, Enkel zu hüten, zu lismen, zu singen, zu beten, zu jassen, Gesundheits-, Volksmusik- und Heimatsendungen zu beglotzen und dabei ein- oder zu entschlafen, verdammt, sich nicht zu wehren gegen Klischees, Vorurteile, schematische Einordnungen und abfällige Bemerkungen? Absagen. Absagen. Absagen. Bis 70 höchstens. Als ob es ein absolutes Alter gäbe! Es gibt demente 40-Jährige und tatterige 50-Jährige, die jüngeren Leute leiden meist unter sogenannten Burnouts oder Allergien, sind erschöpft, missleidig, kränklich – wer leidet denn nicht unter Rücken- und Hüftleiden, geschweige denn unter Schlotterknien…

16. März 2018 Doris Schöni

Seltsam, von der Altersarmut eingeholt zu werden. Vierzig Jahre hat man mit einem nicht berauschenden Verdienst, da man zu „vornehm“ war, nach Gehaltserhöhungen zu bitten, relativ komfortabel, unverheiratet, lediglich eine Zeitlang als Konkubine, ohne Unterstützung eines Ehemannes, wie dies zu ihrer Generation die Regel war, gelebt. Dann fiel unvorbereitet eine Nebenbeschäftigung weg, die während vierzehn Jahren nach der Pensionierung für ein recht unbekümmertes Auskommen sorgte. Man wird sich gewahr, dass man über seine Verhältnisse gelebt, es also versäumt hat, etwas auf die Seite zu legen. Von der Altersarmut eingeholt zu werden, scheint vorerst unwahrscheinlich. Doch plötzlich wird die Unwahrscheinlichkeit Realität….