12. Mai 2019 Doris Schöni

In (bernischen) Altersheimen herrschen bizarre Situationen. Beispiel: Die Tochter einer 93-jährigen Mutter mit beginnender Demenz kann die alte Dame in gewissen Altersheimen nicht unterbringen, da sie keiner Pflegestufe entspricht. Der für den Eintritt in eine Altersinstitution obligatorische Arztbericht, verfasst vom Hausarzt, der die 93-Jährige erst seit kurzem behandelt, weist sie keiner Pflegestufe zu. Pro Senectute und ein Heimleiter verweisen die Tochter auf die Spitex, die der Mutter, die nicht mehr zum Kochen und Einkaufen imstande ist, zur Hand gehen könnte. Schon seit einigen Jahren beauftragte die Tochter die öffentliche und private Spitex mit der Pflege der Mutter. Diese kam jedoch…

12. Mai 2019 Doris Schöni

  12.5.2019 – 16:50, tafi / SDA Schweizer Neonazis sollen sich über Facebook zu Terrorakten verabredet haben. (Symbolbild) Keystone / Archiv Schweizer Neonazis verabreden sich über Facebook zu Terrorakten.  Es hat sogar ein Treffen zur konkreten Planung gegeben. Mehrere bewaffnete Schweizer Rechtsextreme haben offenbar Gewaltakte gegen Ausländer in der Schweiz geplant. Der «SonntagsBlick», der sich laut eigenen Angaben verdeckt in die Gruppe einschleuste, berichtet, dass sich der Zirkel wenige Tage nach dem Anschlag im neuseeländischen Christchurch bildete. Kern der Gruppe seien drei Männer und eine Frau im Alter zwischen Mitte 30 und 46 aus den Kantonen Bern und Basel-Stadt. Sie…

22. April 2019 Doris Schöni

Man traut seinen Augen nicht. Siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs driftet Europa wieder nach rechts. Die zweite und dritte Generation nach den damaligen Augenzeugen sehnt sich nach „Führern“, Diktatoren, Autoritäten, Erhaltung der sogenannten weissen „Rasse“ (merke: Die Hautfarbe ist eine Klimafrage) sowie der christlichen Religion. Wer hat da versagt? Die Eltern, Lehrer, die Politik? Wurden die Nachkriegsgenerationen nicht aufgeklärt? Hat man einen Schleier über den Kriegsgräuel, den Holocaust, die Psychopathie des drogensüchtigen „Führers“ gelegt, um sich nicht mitschuldig fühlen zu müssen? Die NZZ am Sonntag berichtet (am 21. April) über die Rückkehr in die Politik von Marine…

19. April 2019 Doris Schöni

Am Karfreitag vor etwa siebzig Jahren roch es in der Küche nach Spargeln und aus dem Radio tönte eine Passion von Bach. Ich war böse gewesen und wurde ins schwarze Kämmerlein verbannt. Fortan hasste ich Spargeln und liebte Bachs Passionen. Sonderbar: Nur unangenehme Kindheitserinnerungen tauchen an die Oberfläche des Bewusstseins.

3. April 2019 Doris Schöni

mit dem Strom, aber es gibt auch Hölzer, die sich widersetzen, mit dem Strom zu schwimmen. In einer kleinen Bucht an der Aare dümpelte ein Holzstab mit je einem verdickten Ende. Er geriet in einen Sog, der ihn nach hinten trieb und von dort dtängte ihn die Kraft des Flusses abwärts. Es gelang dem Stab, aus der Strömung auszuscheren und alles begann von neuem. Sog und Kraft des Flusses, ihn zum Abwärtsschwimmen zu zwingen. Ausscheren aus der Strömung. Ein Holzstab, der sich weigerte, mit dem Strom zu schwimmen. Was ein Holzstab kann, sollten die Menschen ebenfalls können, nämlich gegen den…

25. März 2019 Doris Schöni

Seit zwei Jahren sucht sie verzweifelt, aber erfolglos, eine Tätigkeit als Freelance Journalistin. Ihre Freunde und Bekannten lachen sie aus: „Was? Einen Job als Journalistin? In deinem Alter? Vergiss es!“ Sie ist  nahe am „vergiss es.“ Das schlechte Gewissen meldet sich. Einem jungen Menschen einen Job wegnehmen? Aber: Sie sucht einen „altmodischen“ Schreibjob. Einen, den junge Leute nicht übernehmen wollen. Einen mit heute überholten Schachtelsätzen, mit Fremdwörtern, die eher aus dem französischen, denn aus dem englischen Wortschatz stammen. Einen in einer gepflegten Sprache mit Themen, welche die Jungen nicht interessieren. Zum Beispiel einen, der sich mit der Wichtigkeit der Geschichte…

5. März 2019 Doris Schöni

Die Verordnung über Arzneimittelwerbung (Änderung vom 11.März 2017) verpflichtet die Verantwortlichen von Fernseh- und Radiospots sowie Kinowerbung zum folgenden Satz am Schluss der Werbung: „Dies ist ein zugelassenes Arzneimittel.  Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ oder  „Dies ist ein zugelassenes Arzneimittel. Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten und lesen Sie die Packungsbeilage“. Dieser Vermerk gilt auch für rezeptlose Pillen, Salben und Sprays. Dabei fragt man sich, ob die Verordner mit diesen zwei Sätzen nach jeder Arzneimittelwerbung nicht übers Ziel schiessen. Da es viele solcher Werbungen gibt, gehen einem die beiden…

3. März 2019 Doris Schöni

In Belp sind auf einer Wiese ein Vogelhaus mit grosszügigem Freigehege untergebracht. Hunderte von Hühnern und einige Gockel erfreuen sich dieses Luxus, picken eifrig, gackern freudig und hüpfen nach Lust und Laune umher. Aber ist es ein Zeichen von Zivilisation und gutem Leben, dass sie sich rassistisch verhalten? Die weissen Hühner gesellen sich zu den weissen, ebenso suchen ihre schwarzen Mitbewohner die Nähe ihrer gleichfarbigen Kolleginnen. Die Frage ist nun: Wer hat dem Federvieh die Trennung zwischen weiss und schwarz beigebracht? Menschliche Rassisten würden nun antworten, diese Trennung existiere in den menschlichen und hühnerischen Genen. Eigentlich sollte es eine subtilere…

15. Februar 2019 Doris Schöni

Sie? Sie ist eine französischsprachige Schriftstellerin aus dem Jura. Sie ist 92-jährig. Schlank, gerader Rücken, ohne Stock und Krücken oder Rollator. Zu ihrem hellblauen Kostüm unterstreicht ein ebenso hellblauer Rollkragenpullover ihren leicht gebräunten Teint. Soviel zum Äusseren. An der „Université des Ainés“ – welch ein Glück, dass Bern (noch immer) eine französische Seniorenuniversität betreibt.  Im Unterschied zur deutschsprachigen sind ihre Themen weniger medizinlastig, dafür aber eher der Literatur gewidmet – hält die 92-Jährige einen Vortrag. Sie spricht mehr als eine Stunde über die Schriftstellerei, über ihre fünf Romane und Kurzgeschichten, ihr Leben für die Literatur, in der es ihr eher…

31. Januar 2019 Doris Schöni

… auch die vielen deutschen TV-Sendungen, die zum Gedenktag des Holocausts am 27. Januar 2019 ausgestrahlt wurden und werden? Nutzen? Vieles darüber lernen, das vor einigen Jahren noch nicht bekannt war. Sich der Bilder erinnern, die nicht vergessen werden dürfen. Nutzen, um sich über den kleinsten eigenen Hauch von Antisemitismus zu schämen. Nutzen, um den kleinesten Hauch von Antisemitismus bei anderen Menschen zu bemerken und zu beanstanden. Und nutzen, um Neonazis und Rassisten eine Lektion Geschichte zu verabreichen. Wer diese Dokumentfilme nicht sehen will oder sie gar als PR der Juden verunglimpft, ja, Nutzer der TV-Sendungen zum Gedenktag des Holocausts,…