8. Oktober 2019 Doris Schöni

Dieses deutsche Sprichwort, Herkunft unbekannt, zitierte meine alte Tante oft. Sie wandte es mit einem spöttischen Unterton an. Sie schenkte mir ein gelbes Schild mit dem Spruch:“Kleine Geister halten Ordnung. Das Genie überblickt das Chaos“. Die über 90-Jährige tolerierte meine Unordnung, mein Chaos, meine kaum gleissende Sauberkeit in der Küche. Meine perfekte Schwester behauptet ohne jegliches psychologisches Wissen, die Unordnung im Haus wiederspiegle die Unordnung im Kopf. Aber ist nicht gerade das Gegenteil: „Die Ordnung im Haus wiederspiegelt die Unordnung im Kopf“ richtig? Und warum auch ist „Ordnung halten“ so wahnsinnig wichtig? Von den berühmt-berüchtigten preussischen Tugenden leiten sich auch die…

30. September 2019 Doris Schöni

Es gibt kein anderes Thema mehr als den Umweltschutz und die Co2-Verschmutzung. Und einmal mehr wollen alle davon profitieren: Politik, Handel, Gewerbe, Technik und natürlich die Jungen, die endlich wieder einmal auf sich aufmerksam machen und protestieren können. Da kommt so ein unbedarftes, 15-jähriges, bezopftes  Mädchen und bringt selbst die Mitglieder der Vereinten Nationen (trotz Aircondition) zum Schwitzen. Und gleichzeitig jubelt man in Doha den Leichtathleten zu, die in einem Stadion um Siege kämpfen, in dem die Temperatur mit einer riesigen Menge an Co2-Ausstoss geregelt werden muss. Warum vergibt man die Leichtathletik-WM an ein solches Land? Es geht einmal mehr…

23. September 2019 Doris Schöni

Fredy hat alle Viertausender im Kanton Bern und auch in anderen Kantonen bestiegen. Er reiste nach Tansania und bezwang den mit 5895 m Höhe höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo. Auf dieser Tour lernte er seine Lebensgefährtin kennen, mit der er nunmehr über 40 Jahre zusammenlebt. Fredy war bis vor kurzer Zeit ein begnadeter Handorgel- und Gitarrenspieler, Bastler, Holzverarbeiter und Grillplatzersteller. In der Höhe über Belp stattete er einen schäbigen Grillplatz mit Sitzgelegenheiten, einem soliden Metallfeuerplatz, einem „Materialschrank“ gefüllt mit Holz, Brennmaterial, Zündhölzern, einer Grillzange, Besen und Schaufel, einem Messer aus. Und nicht zu vergessen: Zur Einkehr blickt man auf seine…

20. September 2019 Doris Schöni

endet nicht, wenn sie sterben. Sie sterben, wenn sie ihre Hoffnung verlieren und niemand mehr an sie glaubt“. Diese Sätze schrieb ein unbekannter – wohl verzweifelter, aber völlig realistischer – Verfasser. Eine Hoffnung zu verlieren, ist weniger bedeutend als die Erkenntnis, dass niemand mehr an einen glaubt. Bevor man selber nicht mehr an sich glaubt, verliert man den Glauben der Umwelt. Warum werden viele ältere Menschen bescheiden, bieder, desinteressiert am Geschehen der Welt, rückwärtsgewandt, Neuerungen skeptisch gegenüber, verbittert, verholzt? Weil man nicht mehr an sie glaubt. Weil man sie nicht mehr braucht. Weil sie sich überflüssig vorkommen. Weil sie ihr…

31. August 2019 Doris Schöni

… ist noch immer Leere. Die Sinnlosigkeit des Alters ist nur zu ertragen, wenn man sich an verbotenen Hilfsmitteln vergreift. Die wenigsten Alten wagen es – ein Leben lang mit Vorschriften zugemüllt -, gegen Gesetze zu verstossen. In Angst vor Bussen halten sie sich an die skurrilsten Verbote, wundern sich nicht über Gebote, die verhängt und alsobald wieder abgeschafft werden, schieben sich vor- und rückwärts wie eine Herde verängstigter Schafe. Ja nicht Gesetze übertreten, sich einfügen ohne auf sich aufmerksam zu machen. Ein Staat von Papageien. Nachplappern, da Denken schwieriger ist als sich in psychosomatische Abhängigkeit zu begeben. Man ist…

28. August 2019 Doris Schöni

Stillstand = Alter; Alter = Stillstand. Im Alter wird man von der Leistungsgesellschaft, von Arbeitgebern, von Influencern, von einer Jugend ohne Bildungshintergrund, von Behörden und von gutmeinenden Freunden mit dem Rücken an die Wand gedrückt, so dass gezwungener Massen ein Stillstand entsteht. Sollte man sich erfrechen, nach klassischer Musik zu rufen, Literatur und Archäologie zu lieben, dem Duzen abhold zu sein, der Geschichtsschreibung grössere Bedeutung als der Informatik einzuräumen, fällt man der Lächerlichkeit anheim. worauf man bocksteif stillsteht, Angst hat, sich zu bewegen. Stillstand bedeutet, aufs Erworbene reduziert zu werden, der Neugierde zu entsagen, neu entdeckte Mentalitäten und Kulturen zu…

20. August 2019 Doris Schöni

Die Eröffnung der Ausstellung Kunst zum Anfassen verkam zu einer Farce. Nach der Selbstdarstellung eines Grossrats, einer Einführung durch den Gemeindepräsidenten, vergriff sich der Moderator im Gebiet: Statt auf die Exponate einzugehen, empfahl er in epischer Länge Geschäfte der Gemeinde Muri, die zu berücksichten seien. Diese Geschäfte seien günstig, dozierte der Moderator, mit dem ersparten Geld könne man sich eine Mitgliedschaft bei Kunst zum Anfassen leisten, Ehepaare kämen in den Genuss einer Vergünstigung. Der mittelalterliche Mann sprach und sprach, konnte kein Ende finden, die Ausstellungsbesucher begannen, unruhig zu werden, klatschten, um den Moderator zu stoppen, unterhielten sich laut und näherten…

15. August 2019 Doris Schöni

Erinneren Sie sich: Die riesigen Sonnenblumenfelder in der nahen Umgebung. Tausende von gelben Köpfen, die sich nach der Sonne reckten. Fleischige Blumenblätter umrandeten die prallen, schwarz glänzenden Kernen . Die Sonnenblumen (Helianthus annuus) gehören zur Gattung der Korbblütler, und sie sind nicht nur eine Augenweide, zudem lassen sich ihre Kerne zu wertvollem Öl pressen. Eine Pflanze, vielfach verwendbar. Ein nützlicher Idiot, sozusagen. Tage und Wochen gehen ins Land. Wie auf ein Kommando lassen die Sonnenblumen ihre Köpfe hängen und richten sich nicht mehr nach der Sonne aus. Die Blumenblätter verfärben sich ocker, ihre schwer gewordenen Köpfe neigen sich dem Boden zu….

8. August 2019 Doris Schöni

Selbst nicht im Überfluss aufgewachsen, ist man im Erwachsenenleben nicht davor gefeit, mit Geld sorglos – zu sorglos – umzugehen. Beeinflusst in jungen Jahren von der Tendenz, Geld zu verachten, fühlte man sich über Materielles erhaben, deshalb bat man nicht um eine bessere Entlöhnung. Man hielt es mit Immanuel Kant (1724-1804), der schrieb: „Die Sparsamkeit ist keine Tugend, denn zum Sparen gehört weder Geschicklichkeit noch Talent. Wenn wir sie mit der Verschwendung gegeneinander halten, so gehört dazu, um ein Verschwender mit Geschmack zu sein, weit mehr Talent und Geschicke, als zum Sparen. Denn Geld ablegen kann auch der Dümmste […]…

2. August 2019 Doris Schöni 1Comment

Das Konstrukt des 1. August (1891 offiziell festgelegt) als Nationalfeiertag der Schweiz beschert der Tier- und auch Menschenwelt mehr Grauen als Freude. Bereits am 31. Juli und auch am Nachmittag des 1. August rennen Hunde und Katzen in Panik in die Häuser und unter Tische und Stühle, weil einige Knallköpfe es für nötig halten, ihre Kracher loszulassen. Fehlt es diesen Knallern denn an Fantasie sich die Angst vorzustellen, welche nicht nur Hunde und Katzen, sondern vor allem auch Vögel in einen grossen Stress versetzt? Am Abend vergnügen sich Familienväter als Möchtegern-Krieger, indem sie ohrenbetäubende Raketen in den Himmel befördern -…