14. Juni 2021 Doris Schöni

Armind Mohler (1920-2003) war ein Schweizer Publizist. Mit 20 Jahren wurde Mohler in die Schweizer Armee einberufen, desertierte jedoch im Februar 1942 und ging illegal über die deutsche Grenze, um sich der Waffen-SS anzuschliessen. Angeblich als „unzuverlässig“ eingestuft, wurde er kein Kriegsfreiwilliger, sondern studierte einige Monate lang in Berlin Kunstgeschichte. Noch im selben Jahr ging er zurück in die Schweiz. Hier wurde er aufgrund von „illegalem Grenzübertritt, versuchter Wehrkraftschwächung und Dienstversäumnis“ zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Mohler sah sich selbst als Konserativen mit einem offenen Bekenntnis zu den geistigen Grundlagen der Konservativen Revolution aus den 1920er Jahren und deren bekanntesten…

9. Juni 2021 Doris Schöni

Mittlerweile ist sie 94 Jahre alt geworden. Die Freundin einer verflossenen Zeit. Die Schriftstellerin, die eben ihr letztes (letztes?) Buch herausgegeben hat, eine Biografie mit alten Fotografien, Bildern ihrer Eltern, der früh verstorbenen Mutter und des autoritären, eitlen Vaters „mon père, le vétérinaire“, hoch zu Pferd, des Bruders, zu seiner Zeit der jüngste Physik-Professor der Schweiz und der beiden Schwestern, beide Akademikerinnen. Ihr Gatte, Arzt und Fischer, go kart-Fahrer, Untreue, im bürgerlichen Sinn, von beiden Seiten. Ihrer vier Töchter, heute Grossmütter, wobei jede ein Kapitel über ihre Mutter zur Publikation beigesteuert hat. Ein prall gefülltes Leben. „Nous, les intellectuels“. In…

8. Juni 2021 Doris Schöni

Was, wer hat was kapiert? Laut einem Bericht im BUND vom 7.Juni würde die Wirtschaft der Region Bern profitieren, wenn sie stärker auf die französische Sprache setzte. Das Forum für die Zweisprachigkeit organisierte eine Umfrage zur  Zweisprachigkeit in 170 Unternehmen der Region Bern. Das Fazit dieser Umfrage: Das Französische für diese Unternehmen und Organisationen sei wichtiger als  das Englische. Während Jahrzehnten begegnete man – nicht nur im zweisprachigen Kanton Bern – dem Französischen mit Ablehnung, befand die Sprache als schwierig und unnütz. Englisch begann, die Welt zu beherrschen. Die Sprache der virtuellen Welt und der Songs, englische Songs, die am…

7. Juni 2021 Doris Schöni

…sprach der Obdachlose. Was er wohl damit meinte? Bahnhof: Ein- und Wegfahrten, Ankunft und Abschied. Freude und Leid. Alltag und Sonntag. Rauschen und Rattern. Fremd und vertraut. Menschenmenge und grenzenlose Einsamkeit. Edward Hopper. Männerhüte, heute Caps. Elegant und proletarisch. Caps und Kappen bis zu den Augenbrauen, die Männer-Burka ungeahndet, ungeahndet auch in geschlossenen Räumen, denn sie wissen nicht mehr, was sich ziemt. Knigge? „Was isch daas?“ Gibt es ein Knigge-App? Jacques Brel, Chanson Orly: „Et nom de dieu! C’est triste Orly le dimanche“. Flugplatz und Bahnhof. Als die ersten Eisenbahnen in der Schweiz von der Mitte des 19. Jahrhunderts an…

5. Juni 2021 Doris Schöni

Das Substantiv „Nachhaltigkeit“ hätte schon lange zum Wort des Jahres erhoben werden müssen, da es sehr häufig angewandt wird, ja, es hat sich zum Lieblingswort der Schweizer gemausert. In einem Radiobericht vom 3. Juni 2021 war die Rede von der finanziell prekären Lage bei der Durchführung von Schullagern. Oft sponsern die Gemeinden diese Lager, allerdings unter der Auflage, dass sich die Schüler im Lager mit der wichtigen Frage der Nachhaltigkeit  befassen müssen. Nachhaltigkeit scheint den Schweizer Politikern wichtiger zu sein als die Lesefähigkeit der Schulabgänger, die nur 80 Prozent beträgt. Was ist mit den verbleibenden 20 Prozent? Es ist nachgerade…

5. Juni 2021 Doris Schöni

Das Wort App ist die Kurzform des englischen Wortes „Application Software“ und bezeichnet somit im weitesten Sinne kleinere Anwendungsprogamme auf Computern, Smartphone und Tablets, die für die verschiedensten Zwecke eingesetzt werden, z.B. Arbeit, Unterhaltung, Spiel, Freizeit oder Hobby. Apps stellen also zahlreiche Kontakte zu Marken, Unternehmen oder Produkten her und bieten dem Nutzer garantierte Mehrwerte. Der Kunde will sich zu jeder Tageszeit und an jedem Ort der Welt richtig beraten fühlen, und das ist mit einer eigenen Business-App möglich. Im Apple App Store waren im zweiten Quartal rund 1,96 Millionen Apps verfügbar. Die meisten Apps mit rund 2,46 Millionen hatte…

29. Mai 2021 Doris Schöni

Fährt man an einem Freitagabend gegen 22 Uhr durch die Stadt, erschrickt man. Gassen, Plätze, der Raum um die Reitschule, selbst das Bahnhof-Kurzparking sind gerappelt voll von meist jungen Menschen. Alle sind in Bewegung, die Masse wogt. Aus den Autos wallen Bässe, junge Frauen in kurzen Röcken steigen aus, junge Männer mit rasierten Schläfen und Kapuzenpullis, sogenannten Hoodies, steigen ein und das Auto quietscht davon. Freitagabend in der Stadt. Die Stimmen dröhnen, eine Geräuschkulisse senkt sich wie Feinstaub auf die Gassen, Plätze, den Raum um die Reitschule, auf die Menschen, die sich da versammeln und durcheinanderlaufen wie Ameisen. Und explosionsartig…

23. Mai 2021 Doris Schöni

mit etwas Fantasie kommt Hoffnung auf. Es geht um den diesjährigen European Song Contest. Zwei französische Chansons belegen die Plätze 2 und 3 – Frankeich und die Schweiz: Ein Streifen am Horizont im englischen Sprachgewirr. Und: Viele Männerstimmen sind höher geworden und gefielen. Es produzierten sich durchaus Machos, doch die Jüngelchen von Chor oder Tanz sahen recht androgyn aus. Der entsetzlichen Rockband aus Italien, die den grössten Publikumserfolg verbuchte und den Wettbewerb gewann, hätte ich zero points gegeben. Während der Dauer des „Voting“ – ein typischer Anglizismus – präsentierte die Eurovision Sieger früherer Jahre. Dieser Pausenfüller war sehr informativ. Der…

21. Mai 2021 Doris Schöni

Schrieb doch Anonymus: Heute ist schon morgen. Die Zeit ist eine kapriziöse Begleiterin. Sie ist dehnbar. Verformbar. Unfassbar. Beeinflussbar. Bestechbar. Unberechenbar. Sie lügt. Betrügt. Verfügt. Genügt nie. Die Zeit ist zeitlos. Was heisst: Eine lange Viertelstunde? 16 oder 21 Minuten?  Kurz vor sieben Uhr? 10 oder 5 vor Sieben? 5 bange Minuten? Sind bange Minuten länger als gewöhnliche Minuten? In Sekundenschnelle? Schneller als eine Sekunde? Nur noch ein Minütchen? Der Diminutiv wirkt verkleinernd und nach Wikipedia dient er der Verniedlichung, z. B. als Koseform und zur Bildung von Kosenamen oder auch  der pejortativen Abwertung. Wie drückt sich das in Zahlen…

3. Mai 2021 Doris Schöni

In der „Sternstunde Philosophie“ auf srf diskutierten Barbara Bleisch und Yves Bossart mit Mark Benecke, Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie, Martin Prein, Thanatologe und ehemaliger Bestatter, Alexandra Schiller, Sterbebegleiterin mit Hund, Sabine Mehne, Krebs-Langzeitüberlebende, Peter Steiger, Intensivmediziner, und Steffen Eychmüller, Palliativmediziner, über den Sterbeprozess und fragten, was mit unseren sterblichen Überresten geschieht. Es ging in dieser Sendung um die Enttabuisierung der aufoktroyierten Vorstellungen, die sich die Menschen heute vom Sterben und Tod machen. Ein Grossteil der Menschen äussert den Wunsch, Zuhause im eigenen Bett zu sterben, nicht an Apparaten zu hängen, ohne Schmerzen das Zeitliche zu segnen und umgeben…