12. Juli 2021 Doris Schöni

Als ich im magischen Alter war, begegnete ich dem kleinen Prinzen („Le petit prince“) von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944). Ich sass auf unserer grossen Terrasse und plötzlich hüpfte er zu mir. „Wer bist du“, fragte er. „Ich weiss es nicht, ich bin doch noch so klein“, antwortete ich. „Wollen wir zusammen spielen“? Er beförderte farbige Murmeln aus seiner Hosentasche. „Jeder Farbe gibst du einen Namen“, befahl er. Da ich noch nicht so viele Namen kannte, musste mir der kleine Prinz helfen. Er soufflierte Antoine, Cyril, François und mir fiel noch der Name Ernst ein. Wir verbrachten eine längere Weile mit…

8. Juli 2021 Doris Schöni

Es ist eine Binsenwahrheit, sich als alter Mensch über die Jugend zu beklagen, das heisst in der Art von Sokrates (470-399 v. Chr.): „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer“. Auf dem Aareweg in Münsingen möchten sich zwei ältere Frauen auf eine Bank setzen, um sich auszuruhen. Die Bank ist besetzt von zwei Jugendlichen, der Steinblock, auf den man sich auch niederlassen kann, ist verstellt von den Velos der Beiden. Eine der Frauen sagt: „Man könnte ja die Velos umparkieren“. Murrend…

4. Juli 2021 Doris Schöni

Was ist ein Held? Wikipedia zitiert das Zedler-Lexikon aus der Mitte des 18. Jahrhunderts: „Held, lat. Heros, ist einer, der von Natur mit einer ansehnlichen Gestalt und ausnehmender Leibesstärcke begabet, durch tapfere Thaten Ruhm erlanget, und sich über den gemeinen Stand derer Menschen erhoben.“ Weil die Schweizer Fussballer an der Europameisterschaft Weltmeister Frankreich besiegt und sich deswegen für den Viertelsfinal qualifiziert haben – in dem sie gegen Spanien ausschieden – verleiht man ihnen den Begriff „Helden“. Für Helden hielt man bislang Personen aus Sagen und Legenden, vor allem Menschen, die sich für eine „gute Sache“ geopfert hatten. Steigerungen sind in…

2. Juli 2021 Doris Schöni 1Comment

Letzthin schwebte das Männchen vom Mond durch die geöffnete Gartentüre und setzte sich neben mich; ich war eben im Begriff, einen Katalog über die Ausstellung von Gustave Caillebotte in Martigny durchzublättern. Das Männchen war verrunzelt, verwittert und abgelebt, klein und krumm, mit den Augen eines jungen Schimpansen, der die Welt entdeckt. Es schaute mich von unten an und piepste: „Wie geht es Ihnen?“ Es siezte mich entgegen der heutigen „frère et cochon“-Epidemie, dem Duzen, was verständlich ist angesichts der mehreren Millionen Jahre, die es auf dem Mond zugebracht hatte. Ich antwortete: „Schlecht. Und Ihnen?“ Das hinfällige Männchen murmelte etwas, das…

2. Juli 2021 Doris Schöni

Der Bloggerin ist im Feuer der Begeisterung für die Schweizer Fussballer ein arger politischer Fehler unterlaufen. Xherdan Shaqiri wurde 1991 als Sohn albanischer Eltern im jugoslawischen  Gnjilane (heute Gjilan, Kosovo) geboren. Granit Xhaka (geboren 1992 in Basel) ist der Sohn kosovo-albanischer Eltern. Shaqiri und Xhaka sind Muslime. Es war natürlich eine (geografisch) unsinnige Unterstellung, die beiden Nationalspieler könnten Sympathien für den IS haben. Der treuste und kritischste Blogleser hat seinen Unmut über diesen Fehler geäussert. Danke und Entschuldigung.  

29. Juni 2021 Doris Schöni

An der Fussball-Europameisterschaft retteten sich die Schweizer mit Ach und Krach in den Achtelsfinal. Dort trafen sie auf Weltmeister und Europavizemeister Frankreich. Für die Fussballwelt war der sichere Sieg der Franzosen vorprogrammiert und auch in Sport-TV-Sendungen vor dem Spiel war dieser Achtelsfinal kaum eine Erwähnung wert. Doch es kam anders. Die Schweizer Fussballer spielten derart gut, als wären ihnen Flügel verliehen worden. Im Penalty-Schiessen, das über Sieg oder Niederlage entschied, schwangen sie obenaus und besiegten die Franzosen. Ein Hexenkessel brach im Bukarester Stadion aus. Die angereisten Schweizer Fans waren völlig aus dem Häuschen. Die französische Equipe schlich sich von dannen…

29. Juni 2021 Doris Schöni 1Comment

In einem privilegierten Quartier von Muri zu wohnen, bewahrt nicht vor einer Mäuse-Invasion. Es existieren verschiedene Vermutungen, weshalb gerade in diesem Gebiet eine riesige Mäuseschar Asyl zu erzwingen versucht. Tatsache ist, dass drei nebeneinander liegende Häuser davon betroffen werden. Kleine, grosse, dicke, dünne, junge und alte Mäuse jagen sich, amüsieren sich, kopulieren unentwegt, fressen und scheiden ununterbrochen aus. Sie finden Zugang zu allem, auf welche Art und Weise ist ihr Geheimnis. Ihre Lieblingsspeise ist nicht etwa Speck. Das Sprichwort „Mit Speck fängt man Mäuse“, ist schlicht falsch. Sie sind fast vegetarisch, Wienerli schmecken ihnen, Rindsfilet nicht. Am liebsten machen sie…

24. Juni 2021 Doris Schöni

Die Wirtsleute tun mir leid. Er, mit sieben Jahren in die Schweiz gekommen, sie, eine Seconda, ein elegantes, reiferes Ehepaar, hat wegen Corona viele Gäste verloren, und an diesem Abend servieren sie gerade vier Nachtessen, etwas Wein, einen Grappa und viel, sehr viel Bier, wie übrigens an den Nachmittagen auch. Der Besitzer hat die Getränke aller Gäste, die mehr als einmal sein Lokal oder seine Terrasse besuchen, genau im Kopf und bringt sie zum Tisch, sobald man aus dem Auto steigt. Er ist ein perfekter Gastgeber, kennt seine einheimischen Besucher genau und klopft Sprüche mit ihnen, man bemerkt doch sofort,…

20. Juni 2021 Doris Schöni

Meine Freunde und Bekannten wissen nachgerade, dass ich Fussball alles andere als faszinierend finde. Im Augenblick steht diese Auffassung völlig schräg in der euromeisterlichen Landschaft, denn Fussball ist (nicht nur im Augenblick) die wichtigste Hauptsache von Europa. Wie langweilig doch dieser Sport ist! Vor dem eigenen Goal bällelen einige Schweizer „Helden“ hin und her, her und hin, anstatt nach vorne zu stürmen. Ja, rennen können die elf Mannen, auch wenn es ihnen meistens schwer fällt. In der Presse und bei den Fans wird eher über Frisuren als über Goals debattiert, und auch Shaqiris goldener Lamborghini oder ähnlich wird ausführlich erwähnt….

18. Juni 2021 Doris Schöni

Werden die Zuschauer vom Sender 3+ veräppelt? Die Fortsetzung „Adieu Heimat – Schweizer wandern aus“ zeigt die Schicksale von auswandernden Schweizern, denen Unbillen geschehen, weil sie einfach zu naiv und unvorbereitet in ein ihnen unbekanntes Land übersiedeln. Problem Nummer 1: die Sprache. Wie kann man sich für ein Land entscheiden, dessen Sprache man nicht einmal rudimentär versteht? Ist es nicht typisch schweizerisch, wenn die Mutter des fröhlichen Bäckers aus der Ostschweiz, der in einem Kaff in Kenia eine Musterbäckerei mit Wohnung aufzubauen gedenkt, obwohl ihm der Boden gar nicht gehört, also  die Mutter einfach in ihrem Dialekt auf kenianische Verkäufer…