14. September 2021 Doris Schöni 1Comment

Im Februar 2021 habe ich eine kurze Notiz gebloggt für jene allfälligen Leser, die meine Blogs nicht, aber auch gar nicht schätzen. Ich habe ihnen damals empfohlen, die Blogs nicht mehr zu lesen oder ihrem Missfallen ein Gesicht zu geben, also darauf zu antworten. Michel de Montaigne (1533-1592), französischer Philosoph und Essayist, schrieb: „Feigheit, die Mutter aller Grausamkeit“. Eben, man tuschelt lieber, als Farbe zu bekennen. Einer jedoch mahnte völlig unbedarft, da er nie einen Blog gelesen hat und lesen wird, ich müsse aufhören, Blogs zu schreiben. Ich zensiere meine Antwort, um unnütze Scherereien zu vermeiden. Doch: Irgend ein Strich…

9. September 2021 Doris Schöni

Eine Reporter-Sendung auf TV SRF befasste sich mit den Waldmenschen von Bern. Die drei Männer, die im Bremgartenwald notdürftig leben, sind davon überzeugt, dass sie unter diesen Verhältnissen körperlich und geistig gesunden. Im Sommer ist das Leben leichter. Die Reportage über die Waldmenschen wurde im Sommer realisiert. Sie begleitete die drei nicht mehr jungen Männer, die alle viele Jahre in ihrem Beruf gearbeitet, Geld verdient (einer gab an, es seien über zwei Millionen Franken gewesen), Steuern und AHV bezahlt, also ein bürgerliches Leben samt Wohnung und Gefährtin geführt haben. Und dann plötzlich hatten sie es satt, diese geregelte, immer stressiger…

8. September 2021 Doris Schöni 1Comment

Die Stammtischler sitzen beim Feierabendbier, viel Feierabendbier und quatschen über Fussball. Alle applaudieren als einer lautstark verkündet: „Und diese verdammten Moslems, die wiederum nicht gesungen haben“. Am Nebentisch schüttelt eine ältere Frau wild ihren Kopf und bemerkt schneidend: „Diese Hymnensingerei ist doch ein alter Zopf, der aus der Zeit der Entstehung von Nationalstaaten stammt. Wenn sie schon singen müssen, so das Chanson von Jacques Brel, „Les bourgeois sont comme des cochons …“. Die Stammtischler verstummen, ihre Blicke verraten Mordlust, aber sie suchen keinen Streit. Fortan quasseln sie über Autos.

5. September 2021 Doris Schöni 1Comment

Die Sprichwortforschung kennt die Herkunft dieses Sprichworts nicht. Es könnte mit der Trauermusik zu tun haben, die bei Todesfällen vom Turm geblasen wurde, vielleicht auch mit dem Volkslied „Ich schell mein Horn im Jammerton“. Die Trübsal ist ein Leiden, die einen Menschen bedrückt. Es gibt viele Synonyme zu Trübsal: Kreuz, Last, Leid, Qual, Schmerz, Drangsal, Kümmernis, Pein, Weh, Bekümmerung, Jammer, Trauer, Traurigkeit, Betrübnis, Gram, Harm, Herzleid, Herzweh … Warum bläst ein Mensch Trübsal? Weil er einen grossen Verlust erlitten hat sein Leben sich dem Ende zuneigt so vieles falsch angepackt hat seine Zeit vergeudet hat nur bedingt Zugang zu anderen…

2. September 2021 Doris Schöni 1Comment

Warum gibt es Menschen, die – ungewollt – anders sind als die Mehrheit? Denen es einfach nicht gelingt, ein Leben zu führen wie alle anderen? Zum Beispiel die Nachtmenschen: Das Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ widerspricht ihnen völlig. In „Science“, Dezember 2019, liest man Folgendes: „Schlafverfechter werden argumentieren, dass man unbedingt möglichst früh ins Bett gehen sollte. Wenn Ihnen Ihre innere Uhr aber erst weit nach Mitternacht den Auftrag gibt, ins Bett zu gehen, sind Sie wahrscheinlich eine Eule: ein Mensch, der bis tief in die Nacht hellwach und aktiv ist – ohne jegliche Anzeichen von Müdigkeit. Es ist…

30. August 2021 Doris Schöni 1Comment

Die Diskussion dauerte die halbe Nacht. Der hochintellektuelle, verbitterte, resignierte, aber äusserst ärgerliche Franzose merkte auf als ich den Satz fast lächelnd aussprach: Ich gehöre nirgendwo hin. So habe er sich immer gefühlt: Nirgendwo dazugehörend, aber formuliert habe er es nicht. Im Unterschied zu Ihnen, fügte ich bei, gefällt und entspricht mir diese Erkenntnis. Ich möchte tatsächlich nirgendwo dazugehören. Er, der politische Journalist und Englisch-Französisch-Übersetzer von „romans qui font pleurer Margot“ sah mich zweifelnd an. Assoziierte er meine Aussage mit „chiens sans colliers“? Was nützt angesammeltes Wissen heutzutage? Er und ich ertrinken in einem Meer von Unzulänglichkeiten und Irrtümern. Ein…

26. August 2021 Doris Schöni 1Comment

Nachdem ich die Sage von Rübezahl verschlungen hatte, wollte ich nur noch Rübezahl sein. Die Vorbilder in meiner Kindheit waren nie niedlich und gut, gehorsam und fleissig; ich eiferte Helden wie Parzival, Bösewichten wie Al Capone, Lausbuben wie Tom Sawyer und eben dem guten und bösen Riesen Rübezahl nach. Der Sage nach ist Rübezahl ein launischer Riese oder Berggeist. Schon der erste Sammler von Rübezahl-Sagen, Johannes Praetorius, beschrieb Rübezahl als charakterlich sehr ambivalenten „Widerspruchsgeist“, der in einem Moment gerecht und hilfsbereit, im nächsten arglistig und launenhaft auftreten könne. Er charakterisierte ihn folgendermassen: „Denn Freund Rübezahl sollt ihr wissen, ist geartet…

25. August 2021 Doris Schöni 1Comment

Schlechte Noten für die schweizerischen Lehrer: 800’000 Menschen in diesem Land  haben Mühe mit Grundkompetenzen wie Lesen und Schreiben, sind also Illetristen. Wie ist das möglich nach 9 Schuljahren? Hätte man nicht aufgehört mit Diktaten und Aufsätzen, wären den Lehrern wohl aufgefallen, dass einige ihrer Schüler ausserstande waren, einige Zeilen zu schreiben. Und im Lesen versagten sie ebenfalls. Es gibt wohl viele Gründe für den Niedergang der Sprache. Einer davon ist sicher – in der Schweiz – die Dialektwelle. Man wies die jungen Leute an zu schreiben, wie ihnen „der Schnabel“ gewachsen ist. Vielleicht wollte man die Jungen damit ermuntern,…

23. August 2021 Doris Schöni

Jaja, viele Leute finden solche Themen überflüssig, da uralt und fürs heutigen Leben nicht tauglich. Neues Wissen ist jedoch wichtig fürs Gehirn. Abgesehen davon sind neue Erkenntnisse über jahrtausend alte Erfindungen unglaublich spannend. Es geht um die in der Nekropole von Sakkara erbaute Stufenpyramide des altägyptischen Königs Djoser aus der 3. Dynastie des Alten Reiches um 2650 v. Chr. Sie ist die älteste, mit einer Höhe von 62,5 Metern die neunthöchste der ägyptischen Pyramiden und eine der wenigen mit einer nichtquadratischen Grundfläche. Die Stufen waren übrigens kein Zufall, sondern hatten einen guten Grund: Die Seele des Pharaos sollte doch über…

23. August 2021 Doris Schöni

Vor 60 Jahren war es gang und gäbe, als junge Frau von älteren, hoch qualifizierten Kollegen sexuell belästigt zu werden. Frau entwand sich und erdudete stillschweigend die Übergriffe. Es ereignete sich in der angesehenen Schweizerischen Landesbibliothek, heute unbenannt in Nationalbibliothek. Die Schweizerische Nationalbibliothek ist eine Institution des Bundesamtes für Kultur innerhalb des Eidgenössischen Departementes des Innern. Einer der Abteilungsleiter, der auch die Auszubildenden betreute und examinierte, war besonders aufdringlich. Unglücklicherweise wohnte er, der ehemalige, dann aber verheiratete und kinderreiche Priester, in der Nähe von mir. Wenn wir beide jeweils am Mittwochabend Dienst hatten, nötigte er mich, mit ihm zu Fuss…