13. Oktober 2021 Doris Schöni

Es gibt Menschen, die jeden Tag Klavier, Geige, Querflöte spielen, andere fotografieren, stricken oder gärtnern, welche, die telefonieren oder Gamen, in Baustellen gaffen, in Beizen Bier, Wein oder eine „Schale häu“ trinken, die Bibel auf Griechisch lesen, Schach am Computer spielen, ornithologisch unterwegs sind, Arzt-Tourismus betreiben, jassen, mit Freundinnen andere Freundinnen aushecheln (frühneuhochdeutsches Verb). Dann gibt es Menschen, die am Tag und vor allem nachts schreiben müssen, man könnte es auch „es schreibt ihnen“ nennen. Sie sind neugierig, gierig, alles um sie herum aufzunehmen, zu hören, in ihrem Gehirn zu stapeln, sie merken sich alles, speichern Situationen in ihrem Gedächtnis,…

11. Oktober 2021 Doris Schöni

Als ich jung war, hielt ich Dreissigjährige für alt. Im Laufe der Jahre, der Jahrzehnte, verringerte sich der Unterschied, bis ich keinen mehr zu entdecken vermochte. Wenn ein Mensch mit achtzig Jahren denkt wie ein Vierzigjähriger, wird er mit einem Kopfschütteln abgewimmelt. Als ich einem jungen Menschen aus einem verschiedenen Kulturkreis beim Kauf eines neuen Handies bitte, die klassische Musik von meinem alten auf mein neues Handy zu  überspielen, schüttelt er den Kopf: „Die Songs kannst du neu aufnehmen“. Ich werde wütend und zische: „Das sind keine Songs, das ist klassische Musik“. Er antwortet freundlich: „Eben, die Songs“. Meine Wut…

8. Oktober 2021 Doris Schöni

Der Begriff „Freiheit“ ist in aller Munde. Die Freiheit, die Covid-19-Impfung abzulehnen, die Freiheit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Die Freiheit, Parties zu feiern, die Freiheit, sich Zuhause einem Buch zu widmen. Die Freiheit, sich vegan zu ernähen, die Freiheit viel Fleisch zu vertilgen. Die Freiheit zu heiraten, die Freiheit ledig zu bleiben. Die Freiheit, sich mit dem Velo oder die Freiheit, sich mit dem Auto fortzubewegen. Viele beanspruchen die Freiheit nur für sich selbst. Freiheit wird oft verwechselt mit Rücksichtslosigkeit und purem Egoismus. Je nach Epoche wird der Begriff anders definiert. Freiheit wird in der Regel als die…

7. Oktober 2021 Doris Schöni

Stammtisch in einer Landbeiz. Die Gäste trinken reichlich Bier und Weisswein. Männer und Frauen sitzen beisammen, lachen und fluchen. Die Sprache der Frauen ist besonders grob. In allen ihren Sätzen wimmelt es von Worten wie „huere“, „Schiissdräck“, „Soucheib“, „Arschloch“, etc., man traut seinen Ohren nicht. Ohne jede Hemmung sprudelt die Fäkaliensprache. Laut und vernehmlich. Offensichtlich sind sich die Stammtischler ihrer  Sprache nicht bewusst. Man spricht heute eben so. Wie einem der Schnabel gewachsen ist. Jene, die bei jedem „hocke“, „frässe und suufe“ sowie „schiisse“ zusammenzucken, sind selber schuld. Sie fühlen sich wohl als etwas Besseres. Das spielt überhaupt keine Rolle….

6. Oktober 2021 Doris Schöni

Gewalt von Impfgegnern. Gewalt gegen Betagte. Gewalt unter Jugendlichen. Drohungen gegen TV-Moderatoren und Journalisten. Aggressionen zwischen Radfahrern und Automoblilisten. Ausgrenzung von Frauen. Hass auf Lesben und Schwule sowie Einwanderer. Gewalt von Hooligans gegen Hooligans. Die Aufzählung liesse sich beliebig fortsetzen; im BUND vom1.Oktober befassen sich vier Artikel mit Gewalt , Drohungen und Ausgrenzung. Einmal mehr spielen Gene und Erziehung eine Rolle in der Gewaltbereitschaft. Schlagende Eltern und ein entsprechendes Gen „produzieren“ aggressive Kinder und gewalttätige Erwachsene. Kinder sind aggressiv, wenn sie sich hilflos, überfordert und ausgegrenzt fühlen. Schlagende Eltern vermitteln ihren Kindern ein miserables Vorbild. Nicht Testosteron verursacht Aggressionen, sondern…

30. September 2021 Doris Schöni

Dass ein Mensch über Nacht graue oder weisse Haare bekommt, hielt man lange für ein Märchen. Psychischer und körperlicher Stress fördert bekanntlich die Alterung – und er kann, wie nun Forscher um Ya-Chieh Hsu nachweisen, das Depot der Stammzellen in den Haarfollikeln auch direkt angreifen. Herausgefunden hat das die Harvard-Forscherin bei einem Experiment an Mäusen. Die Versuchstiere wurden verschiedenen Arten von körperlichem und seelischem Stress ausgesetzt, woraufhin sich in ihrem Fell kleine Flecken mit weißem Haar bildeten. Bei der Suche nach den Ursachen konnten Hsu und ihr Team zunächst ein paar Hypothesen aussortieren. Autoimmunreaktionen oder das Steroidhormon Cortisol sind entgegen…

23. September 2021 Doris Schöni

Charles De Gaulle könnte seiner Ehefrau Yvonne treu gewesen sein. Valéry René Marie Georges Giscard d’Estaing, François Mitterand und François Hollande waren es nicht. Donald Trump ist ein Wüstling, Bill Clinton vergnügte sich mit einer Praktikantin. Lucy Page Mercer (1891-1948) war die langjährige Geliebte von Präsident Franklin D. Roosevelt, Thomas Jefferson, Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, hielt sich eine schwarze Sklavin, Sally Hemings; John F. Kennedy unterhielt mehrere Affären, darunter auch mit Marilyn Monroe. Und nun, im Jahr 2021, echauffiert sich die biedere Schweiz über einen untreuen Bundesrat, das heisst, typisch Schweiz,vor allem über Steuergelder, die er für seine aus dem Ruder…

21. September 2021 Doris Schöni 1Comment

wie einige Leser Blogs beurteilen. Sie nehmen jedes Thema, ja jedes Wort für bare Münze. Sie können Fantasie und Wirklichkeit nicht auseinander halten. Sie begreifen nicht, dass Schreibende erfinden, fabulieren, in einem Wortrausch wie besessen nach den (für sie) besten Formulierungen suchen, Worte um der Worte willen gebrauchen, sich für Themen stark machen, die mit ihnen in keiner Beziehung stehen. Misslesern ist es offensichtlich nicht möglich, zu abstrahieren. Sie sind zwar gewiefte Verfasser von amtlichen Schreiben, Dekreten und Statuten, die alle Hand und Fuss haben, doch kein Quentchen von Fantasie aufweisen. Sie sollten sich zubilligen,Texte zu schreiben, in denen sie…

17. September 2021 Doris Schöni 1Comment

Man könnte auch sagen „ich bin ein Opfer meinerselbst“ oder „ich opfere mich selbst“. Im Klartext bedeutet diese Aussage „ich bin selbst schuld an allem“. Der Drogenesüchtige schiebt also die Schuld an seinem Elend nicht anderen – Eltern, Lehrer, Freunde, Freundinnen – in die Schuhe, er übernimmt die Verantwortung für seine Drogensucht. Im Unterschied zu den Nazis, die nach dem 2. Weltkrieg schrieen, „ich war nie ein Nazi“ oder „ich wurde gezwungen, ein Nazi zu sein“ und selbst beim Nürnberger Prozess wiesen viele Nazigrössen jede Schuld von sich.  Nicht einer war fähig zur Aussage „ich bin mein eigenes Opfer, denn…

16. September 2021 Doris Schöni

Augenblicke der Leere. Die Leere oder das Verstummen zu schildern, ist schwierig, es fühlt sich besser an, wenn die Worte nur so sprudeln. Wenn die Worte kleben und stecken, wenn im Gehirn alles zum Stillstand kommt, wenn die Ideen erliegen, könnte man ebenso gut oder schlecht tot sein, oder wünschte, tot zu sein. Man fürchtet, dass die Worte für immer versiegt sind, wähnt, zu verblöden. In solchen Augenblicken versucht man, Luft einzufangen, indem man die Hand bei grosser Geschwindigkeit aus dem Auto dem Fahrtwind entgegenhält, das Handgelenk strauchelt, die Luft entweicht, sie kann nicht bewahrt werden. Luftleere. Stellt sich nun…