10. Dezember 2021 Doris Schöni 1Comment

Es war einmal … . Die kleine Muckin, deren Mutter bei ihrer Geburt starb, wurde als Missgestalt geboren. Ihr Vater schämte sich ihrer, lebte fern von ihr, liess sie aber von einem Diener versorgen. So wuchs sie auf in Einsamkeit. Sobald sie krabbeln konnte, robbte sie an die Sonne und liess sich bescheinen. Ihre Haut wurde dunkel und ihre Haare ringelten sich. Die Kinder des Dorfes johlten bei ihrem Anblick und schrieen: „Muckin, was bist du hässlich. Deine Mutter hätte dich beim ersten Bad ertränken müssen“. Muckin kannte noch nicht viele Wörter, also lächelte sie selig. Die Dorfkinder erschraken. Warum…

9. Dezember 2021 Doris Schöni

Ein lehrreicher Krimi. Eine korrupte Firma, das heisst, seine obersten Chefs, lassen einen Kollegen für ihre kriminellen Machenschaften verurteilen und für drei Jahre eine Gefängnisstrafe absitzen. Der Mann kehrt nach der Verbüssung zurück und fordert sehr viel Geld als „Wiedergutmachung“. Die Chefs lachen ihn aus und werfen ihn aus der Firma. Der Mann geht zum Verwaltungsratspräsident mit derselben Forderung. Dieser lehnt sie kategorisch ab und lässt ihn abführen. Zwischen Verzweiflung und ohnmächtiger Wut denkt der Mann an Rache. Zufällig trifft er seine Frau, die ihm eröffnet, einen anderen Mann zu lieben. Eine wichtige Frau aus der Firma wird tot aufgefunden….

7. Dezember 2021 Doris Schöni 1Comment

Es begibt sich in der Adventszeit. Advent, eigentlich adventus Domini, bezeichnet die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten, vorbereitet. Ein achtjähriges Mädchen hat das Pech, einen Afrikaner zum leiblichen Vater zu haben. Er ist längst über alle Berge. Die Mutter, die lediglich kurze Zeit mit dem Afrikaner verheiratet war, lebt nun mit einem Schweizer zusammen, der freudig die Vaterrolle übernommen hat. Das achtjährige Mädchen ist fröhlich, intelligent, hübsch. Wird es seine Fröhlichkeit einbüssen? Wird es derart verletzt, dass sich seine Intelligenz nicht entwickeln kann? Wird sich sein hübsches Gesicht allmählich verzerren? Das kleine…

5. Dezember 2021 Doris Schöni

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass bei jüngeren Schweizerinnen und Schweizern jedes dritte Wort Englisch ist?  Viele dieser Schweizerinnen krähen „Oh my Gooooood ….“, während ihre Kollegen keinen Satz ohne das Adjektiv „cool“ hervorbringen. In englischsprachigen Ländern lacht man über das „Swinglish“ der Schweizer, die Worte und Sätze äussern, die für englische Muttersprachler keinen Sinn ergeben. Beispiele: Das Handy, Give someone a shooting, Mobbing, Rowdy, etc. Ein Witzbold schrieb: „Man könnte sagen, alle (Schweizer) sprächen ein schlechtes Englisch recht gut …“. Menschen in Ländern mit verschiedenen Sprachen haben die Tendenz, Englisch als „lingua franca“ zu benützen. Englisch wird von gemischt…

4. Dezember 2021 Doris Schöni

In Zürich wurde eine Expertengruppe nominiert, um abzuklären, ob die Mohrenstrasse umgetauft werden müsse. Eine solche Dummhaftigkeit ist in einer Stadt wie Zürich unwürdig. Anti-rassistische Eiferer drängen darauf, die deutsche Sprache von (vermeintlich) rassistischen Ausdrücken zu „säubern“. So rückt das Subjektiv „Mohr“ immer wieder ins Kreuzfeuer von geschichtlich ignoranten Sprachpuristen. Dass der „Mohr“ in früheren Epochen keine negative Konnotation aufwies, ist längst bekannt. Als Beispiel dient die „Zunft zum Mohren“, die im 13. Jahrhundert im Bern gegründet wurde und deren Namen nun von unbedarften sprachlichen Reinemachern nach acht Jahrhunderten Kontinuität vom Rassismus – von dem kann in diesem Fall wirklich…

29. November 2021 Doris Schöni 4Comment

Seitdem die Hündin sie verlassen hat, schreibt sie sinnlose Achter in die Luft, auf ihre Jeans, auf das Autofenster. Zwei Nullen mit einem einzigen Strich verbunden. Sie hatte noch nie um einen Menschen derart getrauert. Sie sprach zu ihr: Schau, der erste Schnee. Wie hättest du dich gefreut, wärst gepurzelt und hättest deine Schnauze in den Schnee gesteckt. Und: Komm. Wo bist du? Komm doch wieder. Warum hast du mich verlassen? Wieder sinnentleerte Achter, von links nach rechts und von rechts nach links. Achter, immer wieder Achter. Joints. Schlaftabletten, manchmal Alkohol. Tränenausbrüche nach sieben Monaten. Noch immer wird sie darauf…

23. November 2021 Doris Schöni

Mein kürzlich mit fast 97 Jahren verstorbene Nachbar könnte und sollte für eine grosse Zahl von alten Menschen ein Vorbild sein. Trotz seiner zunehmenden Altersbeschwerden war er immer guter Laune, jammerte und beklagte sich nie und wenn man ihn nach seinem Befinden fragte, antwortete er immer: „Mir gohts guet“. Gegen Abend schleppte er sich in Begleitung seiner Frau, einer seiner Töchter und deren vier Kinder sowie zwei Hunden auf eine nah gelegene Bank, von der er einen freien Blick auf die Aare und die Berge genoss. Danach gab es Abendessen mit bestem Wein sowie einen grossen Whisky vor dem Schlafengehen….

22. November 2021 Doris Schöni

Der Zibelemärit fungiert auf der „Liste der lebendigen Schweizer Traditionen“ und ist somit offiziell einer der wichtigsten Bräuche der Schweiz. Um die Entstehung ranken sich viele Legenden. Der erste Zibelemärit fand schon im 15. Jahrhundert statt und war damals noch ein Teil des Martinimarktes. Dort wurde alles verkauft – alles, ausser Zwiebeln. So soll dann der separate Markt für Zwiebeln entstanden sein. In einer anderen Geschichte wird behauptet, der Zibelemärit gehe auf den Stadtbrand von 1405 zurück. Als damals 650 Holzhäuser niederbrannten und 100 Menschen den Tod fanden, eilten die Freiburger den Bernern zu Hilfe. Als Dank dafür hätten die…

21. November 2021 Doris Schöni 2Comment

Es ist er erste Mensch unter meinen Bekannten, der sich umgebracht hat. Sich mit einer Schiesswaffe zu töten, ist offenbar ein typischer männlicher Suizid. Dazu braucht es den Mut der Verzweiflung. Der erst 71-jährige Bekannte war schon einmal von der Verzweiflung übermannt worden. Als seine Frau vor etlichen Jahren starb, war er untröstlich. Er schämte sich seiner Tränen nicht – ein Macho, wie die meisten Männer seiner Generation -, der schluchzte. Nach und nach erholte er sich und überwand seinen tiefen Schmerz. Der Grund, dass er sich nun aus Verzweiflung aus dem Leben schoss, ist für Menschen, die sehr oft…

15. November 2021 Doris Schöni

Kassiber: Ein Kassiber (aus dem Hebräischen entlehnt)  ist eine geheimgehaltene schriftliche Mitteilung eines Gefangenen an andere Gefangene oder aus dem Gefängnis heraus an die Aussenwelt. Auch: heimliches Schreiben oder unerlaubte schriftliche Mitteilung. Nur sie kennt das Substantiv Kassiber, der Kassiber. Die übrigen Festgesetzten sind entweder Ausländerinnen oder Frauen mit einem weniger gefüllten Bildungsrucksack. Sie wird auch oft zum Übersetzen beansprucht, spricht und schreibt sie doch ausser Deutsch, Französisch und Englisch auch Spanisch, Arabisch und Russisch. Diese Dienste werden durch besondere Privilegien vergütet, sie ist von körperlicher und handwerklicher Arbeit dispensiert und in ihrer Zelle wird das Licht nicht ausgeschaltet. Zudem…