8. November 2022 Doris Schöni

Einmal mehr geärgert bei 1 gegen 100. Nein, nicht geärgert, gestaunt. Das Thema „Malerei oder Gemälde“ wählt kaum je ein Kandidat aus. Bei der letzten Sendung war ein Kandidat mutig und wagte sich an dieses Gebiet – was ein erschreckendes allgemeines Unwissen enthüllte. Es ging um den Maler Georges Seurat (1859-1891) und die Frage, welchen Stil dieser Maler angewandt hat. Unter den drei Antworten war auch der Begriff des Pionitillismus. Gegen oder über 40 Gegnerinnen oder Gegner gaben eine falsche Antwort, der Kandidat hatte keine Ahnung, obwohl neben Pionitillismus zwei völlig unsinnige Begriffe aufgeführt wurden. Wenn es um den „Extra-Joker“…

7. November 2022 Doris Schöni

Es gibt zwei Arten Paradiesvögel. Einerseiuts sind die Paradiesvögel (Paradisaeidae) eine Vogelfamilie, die zur Ordnung der Sperlingvögel (Passeriformes), Unterordnung Singvögel (Passeres) gehört. Auf der anderen Seite werden auch Menschen als Paradiesvögel bezeichnet. Damit sind umgangssprachlich Menschen gemeint, welche in ihrer Umgebung durch ungewöhnliche Ideen, unangepasste Lebensweisen, durch ausgefallene äusserliche Erscheinungen oder Ähnliches auffallen – gleich dem Federschmuck diverser Paradiesvögel Die wirklichen Vögel erreichen ein Gewicht zwischen 60 und 440 Gramm und ohne die verlängerten mittleren Steuerfedern eine Körperlänge zwischen 16 und 43 Zentimeter. Bei einer Reihe von Arten haben Teile des Gefieders bei den Männchen eine auffällig andere Federstruktur und…

6. November 2022 Doris Schöni

Bist du auch ein Hybride, fragt das Maultier den Maulesel. Ja natürlich, antwortet der Maulesel. Wir sind beide Kreuzungen aus Pferd und Esel. Das Maultier ist eine Kreuzung von Eselhengst und Pferdestute – und der Maulesel eine Kreuzug aus Pferdehengst und Eselstute. Fühlst du dich eher als Esel denn als Pferd, erkundigt sich der Maulesel. Das Maultier: eher als Pferd. Und du? Ich eigentlich auch, schnaubt der Maulesel. Sollte man sich nicht mit dem Vater identifizieren, fragt er angelegentlich. Sein Vater ist ja ein Pferd. Ich bin überzeugt, moniert das Maultier, dass die Mutter die Identität stiftet. Ach, lassen wir…

4. November 2022 Doris Schöni

Eine Nafurkatastrophe. Ein Flugzeugabsturz. Krieg gegen eine Zivilgesellschaft. Flüchtlingsströme. Hungersnot. Dürre. Brände. Die halbe Welt ist bestürzt. Will helfen. Spendet Geld. Nimmt Flüchtlinge auf. Gefällt sich in der karitativen Rolle. Es tut gut, gut zu sein. Es ist ähnlich wie nach der Beichte. Der Mensch fühlt sich geläutert. Nach und nach blättert jedoch die Empathie ab. Der persönliche Kontakt mit den Geflüchteten bekommt Ecken und Kanten. Zweifel erwachen. Die Pflicht ist erledigt. Man hat das Geld überwiesen. Und die alten Kleider überreicht. Neue Geschehnisse und Tagesereignisse überlagern den Fall von dazumal. Der Mensch ist vergesslich. Der Mensch ist wankelmütig. Der…

2. November 2022 Doris Schöni

Mir scheint, der Mensch sei heute an seine intellektuelle Grenze gestossen. Spiralenförmig stösst er immer wieder an dieselbe Decke. Wie ist es sonst möglich, dass die Menschen politisch rechten Strömungen folgen, der Doktrin „Recht und Ordnung“ huldigen, lieber streng geführt als frei bestimmend leben, sich Diktatoren unterziehen und sich belügen lassen? Das Selbstbewusstsein der neuen Rechten wächst. Während sie noch vor 20-30 Jahren im Geheimen wirkten, wagen sie sich nun unvermummt auf die Strassen, singen „Sieg Heil“ und skandieren „wir sind das Volk“. Sie bekennen sich zu Nationalismus und Rassismus. Und antisemitische Töne werden wieder laut. Die Toleranz gegenüber „Fremden“…

1. November 2022 Doris Schöni

Das Einzige, was mich im Augenblick noch einigermassen im Gleichgewicht hält, ist das Schreiben. Neben meinen tatsächlichen Krücken dient es mir als zusätzliche Krücke. Eine Krücke für Inneres. Wenn ich weder E-Mails noch Artikel und auch keine Blogs zu schreiben habe, bin ich am Verzweifeln. Ich muss dann irgend etwas in den Laptop tippen. Dabei denke ich an Françoise, die Schriftstellerin par excellence, sie hat mich immer ermuntert zu schreiben, obwohl unsere Geschichten in einem einen völlig verschiedenen Stil geschrieben waren und überhaupt nicht dieselben Themen behandelten. Sie fertige in ihren Romanen „Broderies“ an, dozierte ein Literaturprofessor bei der Beurteilung…

31. Oktober 2022 Doris Schöni

Seit bald einem halben Jahrhundert wohne ich in der Gemeinde Muri b. Bern. Es war ein purer Zufall, dass ich dorthin zog. Während der ersten 20 Jahre interessierte ich mich kaum für meinen Wohnort. Nach und nach begann ich mich mit dessen Geschichte und Politik zu befassen und freundete mich mit vielen Einwohnern an. Als Hundebesitzerin ergaben sich danach Gruppenspaziergänge und auch gegenseitige Einladungen. Wir entwickelten uns zu einem „verschworenen Team“ und wurden derart übermütig, dass wir ein Winterbeizli gründeten und dazu einen Imbisswagen mieteten. Keine von uns kam aus dem Gastgewerbe; wir hegten tausende von Ideen, hatten jedoch keine…

29. Oktober 2022 Doris Schöni 1Comment

Ein Berufsleben lang interessierte ich mich mässig für meinen Brotberuf. Wie beiläufig häufte ich Wissen und solide Kenntnisse an, liebte Nachforschungen und verabscheute langweilige Registrier- und Katalogarbeiten. Ehrgeiz brachte ich für diesen Beruf nicht auf. Ich war schlicht eine Minimalistin. Mein Leben damals war ausgefüllt mit tausend Beschäftigungen. Aktiver Sport und Sportjournalismus hielten mich in Atem, Freiwilligenarbeit für Sportklub, Landesverband, das Magazin von Amnesty Interrnational, eine Sportzeitschrift, eine Zeitlang Mitglied der Frauenbefreiungsgruppe, das Herumhängen mit Freundinnen, Turnierbesuche im In- und Ausland, verrückte Nächte und ermüdende Tage, ein junges Leben eben. Hin und wieder ertappte ich mich, stolz auf mich zu…

27. Oktober 2022 Doris Schöni

Für etwas antisemitische Fernsehzuschauer war der Dokumentationsfernsehfilm „Charlotte Knochloch“ übertrieben und unnötig. Abgesehen von seiner Dokumentation war die Sendung ein Kleinod wegen seiner gelungenen Mischung von Video, Bild und hervorragenden Zeichnungen. Ein typisches jüdisches Schicksal zur Zeit des Nationalsozialismus. Angesehene Bürger, Rechtsanwälte, Ärzte, Professoren, verloren über Nacht ihre Existenz, büssten ihre Häuser und ihren ganzen Besitz ein und zögerten dennoch, auszuwandern, da sie Deutschland als ihre Heimat betrachteten. Und dann war es zu spät. Die unter zehn Jahre alte Charlotte wurde von ihrem Vater aufs Land zu einer ehemaligen Angestellten gebracht und lebte fortan als „Bankert“ (uneheliches Kind) verachtet unter…

26. Oktober 2022 Doris Schöni

Nie hätte ich gedacht, dass sich alles so lange hinziehen würde. Noch immer humpelte ich an Krücken, mühevoll, schmerzgebeugt. Jede Nacht musste ich etwa zehn Pillen schlucken und Pillen schlucken ist für mich so eine Sache. Sie weigern sich, einfach geschluckt zu werden und spicken behende wieder heraus. Sie ertragen es überhaupt nicht, zu zweit oder dritt in einen Schlund geworfen zu werden, und wenn ich nach einer Stunde Pillenschlucken völlig erschöpft „jetzt“ rufe sehe ich aus wie eine Königin auf der Flucht. Plötzlich bin ich achtsam und ängstlich geworden. Ich stürme weder die Treppe hinauf noch hinunter. Ich setze…