2. Januar 2023 Doris Schöni 1Comment

Man wirft mir votr, ich sei allzeit schlecht gelaunt, ständig aufgebracht, immer motzend, dabei wäre es in meinem Alter angebracht, dankbar für mein Leben zu sein.

Das bin ich nicht. Wenn ich zurückblicke, so ist vieles schief gelaufen. Selber schuld, aber nicht immer. Meine jüngeren weiblichen Bekannten glauben, ich erfinde und übertreibe, wenn ich – selten – auf meine Jugend zu sprechen komme und erzähle, wie ich mich gegen all die Männer in der damaligen Landesbibliothek wehren musste, die mich in den Büchermagazinen anfielen. Ja, anfielen. Hauptsächlich waren es die „Herren“ mit einem Dr. phil.-Titel, verheirtatet, mit Kindern. Als dann eine mutige Mitarbeiterin gegen ihn klagte, mussten die übrigen weiblichen Angestellten oder Auszubildenden zur Befragung bei einer höheren Stelle bestellt. Mein Vater riet mir eindringlich, nicht gegen den Mann auszusagen, schliesslich sei er ein Familienvater. Ich schrie: „eben verheiratet, mit Kindern und katholisch, so eine verdammte Heuchelei, natürlich werde ich gegen ihn aussagen, und so war es auch. Warum sollte ich den Mann, der auch mich belästigte, schonen?

Der Mann wurde entlassen und erlitt einen Schlaganfall. Im Hotel seiner Frau in Zermatt übte er den Posten des Kofferverantwortlichen aus. Hin und wieder in Zermatt, sah ich ihn am Bahnhof mit einem Schlitten für das Gepäck der Hotelgäste. Ein Bein zog er nach. Er tat mir leid. Aber warum auch hat er die jungen Frauen belästigt?

Aber die Bekannten und Freundinnen glauben mir nicht. Sie haben keine Ahnung, wie es zur Zeit meiner Jugend herging. Muss ich dankbar sein für all diese Belästigungen? Und einige Freunde meines Vaters, die des Nachts in mein Zimmer kamen und mich betratschten.

Im Zusxammenhang mit diesem Thema steht der Auspruch „Der Zufriedene ist immer glücklich“ von Gesche Gottfried, einer Serienmörderin (15 Morde) (1785-1831), genannt der „Engel von Bremen“. Stammt dieses Zitat von ihr, so hatte sie Durchblick und Weisheit. Mit Gift brachte sie Menschen in ihrer Umgebung um. Sie war freudlich und hilfsbereit, aber täuschte alle.

Zufrieden zu sein, ist ein grosses Anliegen vieler Menschen. Sie verleiht Glückseligkeit , das ja lediglich ephemer sein kann. Die Synonyme von Glückseligkeit heissen Glücksgefühl und Überglücklichsein. Zufriedenheit ist das Glück der „kleinen Leute“, die demütig und anspruchslos sind. Ich höre sie, wenn sie schwärmen: „wir sind zufrieden, es geht uns ja gut“.

One thought on “Muss man im Alter dankbar sein?

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