Die Gemeindeverwaltung von Muri b. Bern sendet den „Alten“ der Gemeinde im Auftrag vom Gemeinderat Gesundheit und Soziales, Martin Häusermann, und der Verantwortlichen der Fachstelle für Altersfragen, Patrizia Pennella, eine Umfrage über den „öffentlichen Raum, Mobilität, Versorgung, Freiwilligenarbeit“ mit Fragen, die so allgemein gehalten sind, dass sie nicht beantwortet werden können. Zudem einen Veranstaltungskalender für 2023 der Fachstelle für Altersfragen sowie verschiedene Prospekte alte Menschen betreffend.
Der Veranstaltungskalender ist zum Heulen. Da werden lediglich Altersthemen behandelt. Pensionierung, Demenz, Tod. Wenn man nicht schon alt wäre, wird man penetrant ins Hochalter gestossen. In dieser Gemeinde sollen die „Alten“ unter sich bleiben. Sie werden ghettoisiert. In der Umfrage geht es um Grünflächen, genügend Bäume und WCs, Sicherheit und Altersfreundlichkeit. Zum Schluss wird gefragt, ob man an einer Begehung im näheren Umfeld interessiert sei, um die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung abzuklären. Als ob alle „Älteren“ dieselben Bedürfnisse hätten. Der Fokus der Fachstelle und des Seniorenrats richtet sich auf Gesundheit im Alter, Endlichkeit, Lebensende, Demenz und Sterben; der Intellekt der alten Menschen wird nicht zur Kenntnis genommen, als vegetierten sie nur noch.
Die Fachstelle hat die Veränderungen, die sich bei den heutigen alten Menschen ereignet haben, verschlafen, oder besser: verblödet. Man hält an seinen obsoleten Ansichten fest, anstatt sich zu informieren, welche wirklichen Bedürfnisse die „Alten“ heutzutage haben. Vielleicht wollen sie sich nicht mit Themen wie der Endlichkeit befassen sondern mit den jetzigen Problemen, die altersunabhängig sind. Man hinkt zwanzig Jahre hinter den „jungen Alten“ her, man hört nicht auf, sie zu somatisieren, obwohl sie sehr oft kerngesund sind, reges Interesse an der gegenwärtigen Welt bekunden und nicht auf ihr Alter reduziert werden möchten. Offensichtlich befasst man sich nicht mit den Schriften von emer. Prof. François Höpflinger, Alters- und Generationenforscher, zum Beispiel mit seiner Abhandlung (2022)“Alter im Wandel“.
Die modernen Alten passen nicht mehr ins Schema (Alterspolitik) der Gemeinde. Sie haben andere Interessen als WCs und Sitzgelegenheiten in Muri.
„Indignez-vous“ ist der Titel einer mit 93 Jahren veröffentlichten (mehr als 4 Millionen verkauften) Abhandlung von Stéphane Hessel (1917-2013) … .
Das ist mein letzter Blog (doris-schoeni-Muri.ch), geschrieben am 13. Dezember 2022.