23. November 2021 Doris Schöni 0Comment

Mein kürzlich mit fast 97 Jahren verstorbene Nachbar könnte und sollte für eine grosse Zahl von alten Menschen ein Vorbild sein. Trotz seiner zunehmenden Altersbeschwerden war er immer guter Laune, jammerte und beklagte sich nie und wenn man ihn nach seinem Befinden fragte, antwortete er immer: „Mir gohts guet“. Gegen Abend schleppte er sich in Begleitung seiner Frau, einer seiner Töchter und deren vier Kinder sowie zwei Hunden auf eine nah gelegene Bank, von der er einen freien Blick auf die Aare und die Berge genoss. Danach gab es Abendessen mit bestem Wein sowie einen grossen Whisky vor dem Schlafengehen.

Mein Nachbar war ein bedeutender Chemiker mit vielen Auslandsaufenthalten, er sass in internationalen Gremien und gründete sein eigenes Unternehmen. Er arbeitete bis zum 80. Altersjahr. War das eines seiner Geheimnisse, in bester intellektueller Verfassung fast 97 Jahre alt geworden zu sein? Zudem blieb ihm die sich bei vielen alten Menschen einstellende Vereinsamung erspart. Seine acht Enkelinnen und Enkel hielten ihn lebendig und am Zeitgeschehen interessiert. Zudem sorgte seine wirblige Gattin für gute Stimmung. Vielleicht waren seine Gene für ein solches Bilderbuchaltern verantwortlich. Die Gestaltung seines Lebens, seine lange Arbeitsfähighkeit und die Beziehung zu seinen Grosskindern – abgesehen vom besten Wein und dem Nacht-Whisky – haben jedoch wesentlich zum „Mir gohts guet“ beigetragen.

 

 

 

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