Ein Berufsleben lang interessierte ich mich mässig für meinen Brotberuf. Wie beiläufig häufte ich Wissen und solide Kenntnisse an, liebte Nachforschungen und verabscheute langweilige Registrier- und Katalogarbeiten. Ehrgeiz brachte ich für diesen Beruf nicht auf. Ich war schlicht eine Minimalistin.
Mein Leben damals war ausgefüllt mit tausend Beschäftigungen. Aktiver Sport und Sportjournalismus hielten mich in Atem, Freiwilligenarbeit für Sportklub, Landesverband, das Magazin von Amnesty Interrnational, eine Sportzeitschrift, eine Zeitlang Mitglied der Frauenbefreiungsgruppe, das Herumhängen mit Freundinnen, Turnierbesuche im In- und Ausland, verrückte Nächte und ermüdende Tage, ein junges Leben eben.
Hin und wieder ertappte ich mich, stolz auf mich zu sein. Zum Beispiel an einer Weltmeisterschaft, auf einer Tribüne sitzend und verlegen feixend, da ein „alter“, ausländischer Reporter einen meiner Artikel vor sich auf dem Pult liegen hatte. Meine Sportberichte blieben nicht unumstritten. Manchmal gab es böse Schelte. Einmals drohte mir ein Klubausschluss wegen eines unangebrachten Spottes über eine damalige „heilige Kuh“.
Erst als ich ganz im Journalismus arbeitete, wuchs mir Ehrgeiz. Sozusagen über Nacht wollte ich die beste, originellste, vielseitigste und kulturell kundigste Berichterstatterin sein. Unnötig zu bemerken, dass es auch in dieser Umgebung unter Umständen zu Zusammenstössen kam.
Zeit der Resignation. Frust. Wut. Freundes Spott („in Deinem Alter“), wenn ich gegen die Ungerechtigkeit wütete, mit ü80 keinen Job mehr zu bekommen.
Doch dann geschah das Wunder. Ich wurde angefragt. Bekam Aufträge.
Und bin schamlos ehrgeizig … .
Sie haben allen grund Stolz zu seien.