20. November 2022 Doris Schöni 0Comment

Sie waren etwa zehn Jahe alt und wurden Max und Moritz gerufen. Unzertrennlich und voller Spott über ihre Umwelt. Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, ihre Lehrerinnen und Lehrer. Sie wurden veräppelt und verhöhnt, dass manchen das Hören und Sehen verging.

Maxi und Moritza, wie sie sich gegenseitig nannten, heckten stundenlang Streiche aus. Einer Mitschülerin, die in einen Mitschüler verknallt war, fakten sie ein „Selfie for two“, auf dem er mit einem sehr hübschen Mädchen zusammen – eng umschlungen – zu sehen war. Die Mitschülerin lief laut heulend weg und kam erst zwei Tage später zurück. Den Mathematiklehrer – er sah aus wie eine verschrumpelte Zitrone – hatten sie besonders im Visier. Sie schrieben ihm einen Brief mit Liebeserklärungen von einem seiner Schüler.

Im kommenden Mathematikunterricht beobachteten Max und Moritz den Lehrer mit Argusaugen. Er liess sich nichts anmerken, doch am Ende des Unterrichts bat er den betreffenden Schüler zu sich. Dieser aber rief: „Ich kann jetzt leider nicht, denn ich habe Querflötenstunde.“ Der Lehrer nickte. Moritza fragte mit teilnahmsvoller Stimme: „Sind Sie jetzt enttäuscht?“ Der Lehrer blickete rasch auf und antwortete: „Enttäuscht? Weswegen?“ Max und Moritz machten sich aus dem Staub.

Dem Hauswart stahlen sie Birnen aus dem Garten, die sie an der Drogenfront verschenkten. Der Hauswart verfolgte sie und schrie zeter mordio als seine so sorgsam gepflegten Birnen in den schmutzigen Händen der Abhängigen verschwanden. Maxi warf ihm eine Kusshand zu und entwischte mit Moritza durch den Verkehr in die Altstadt. Der Hauswart verpetzte sie beim Schulleiter. Der liess die beiden kommen. „Was habt ihr euch denn dabei gedacht? Den ganzen Stolz dieses Mannes zu klauen …“. Unisono erklärten sie: „die Drögeler waren hungrig.“ „Und,“ präzisierte Moritza: „Der Hauswart ist übergewichtig.“ Der Leiter beorderte die beiden Mütter in sein Büro. Diese waren verzweifelt und schämten sich in Grund und Boden und gelobten, die Mädchen kürzer zu halten. Als das jeweilige Mädchen nach Hause kam, fragten beide Mütter: „Was habt ihr euch denn dabei gedacht?“ Max und Moritz: „Die Drögeler waren hungrig.“

Nun begannen die beiden Mädchen, den Geschäftsführer des kleinen Einkaufsladens zu ärgern. Sie warfen in den Korb mit Kopfsalat eine Handvoll Nacktschnecken. Jeden Tag vor der Schule sammelten sie Nacktschnecken und verteilten sie auf die Kopfsalate. Als der Geschäftsführer sie auf frischer Tat erwischte, erklärten sie weinerlich: „Die Schnecken waren hungrig.“ Der Geschäftsführer wandte sich an die Schule. Der Leiter liess Maxi und Moritza erneut kommen und fragte streng: „Was habt ihr euch denn dabei gedacht? Den frischen Kopfsalat des Geschäftführers von Schnecken auffressen zu lassen?“ Die Mädchen: „Die Schnecken waren hungrig.“

Mit der Schneckenaffäre war die Geduld der Erziehenden zu Ende. Max und Moritz kamen ins Internat. Nicht in dasselbe. Sie wuchsen zu tüchtigen jungen Frauen heran.

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