Die Hundstage ermutigen zu nackter Haut. Im Augenblick tragen die meisten Männer zwischen 12 und 95 eine Art von Bermudas. Die Männer zeigen also Bein, aber ohne ihre Beine vorher im Spiegel kritisch begutachtet zu haben. Die meisten erweisen sich damit keinen Dienst, denn was für Frauen gilt, sollte auch für Männer gültig sein: Nur schöne Beine sollten in kurzen und halblangen Hosen zur Schau gestellt werden. Aber wie sind schöne Beine?
16 Uhr an einem gewöhnlichen Mittwoch in einem Restaurant in der Agglomeration. Man sitzt unter Sonnenschirmen im Garten. Hauptsächlich ältere Semester und junge Frauen mit Kindern besetzen die Tische. Ein älterer Mann steht auf und geht nach Innen. Er kommt mit einem BLICK wieder. Er ist klein, hat schrecklich krumme Beine und trägt Bermudas in beiger Farbe. Seine Füsse stecken in braunen Schnürschuhen und seine Socken, o je seine Socken: Mittelhoch, in den buntesten Farben überhaupt und erst noch gestreift. Die meisten Männer ü 60 tragen halblange Socken zu kurzen Hosen und geschlossenen Schuhen. Die Mutigeren unter ihnen wagen sich, Sandalen zu tragen, aber eben zu grau-schwarz-braunen oder roten Socken, die bis zur Mitte der Waden reichen. Es wird einem nostalgisch zu Mute, wenn man an Italien denkt mit Männern in Mokassins, entweder mit nackten Füssen oder sogenannten Sneakersocken, die im Schuh verborgen bleiben.
Sonderbarerweise haben Wanderer oft schneeweisse Beine. Dann plötzlich huscht ein junger Mann mit Steckenbeinen vorüber. Die Beine des nächsten Mannes sind klobig. Bei anderen stimmen die Proportionen nicht. Beim 150 kg wiegenden Senior reiben sich die Oberschenkel gegeneinander. Dann gibt es jene mit den zerklüfteten Knien. Die behaarten und die rasierten. Stramme Waden. Warum katalogisiert man die Männerbeine nicht und versucht, den Charakter von den Beinen abzulesen?
Von den Beinen Davids von Michelangelo träumten die Teenies früher. Doch eigentlich sieht man als jung die Männerbeine nicht, sie sind schlicht nicht relevant. Erst mit den Jahren kommt der Jurorenblick. Und in einem Alter, in dem es egal ist, ob des anderen Beine jenen Davids ähneln, euphemisiert man sie.
Jeder ist frei, kurze Hosen zu tragen. Es sei auch jedem überlassen, Sneaker- oder lange Socken überzuziehen. Über Frauenbeine wurde und wird soviel geschrieben, sie sind bis ins letzte Detail Allgemeingut. Männerbeine jedoch blieben im Dunkeln, bis das Virus und die Hitze zuschlugen und die Männer ihre Beine befreiten.
„Die Männer zeigen also Bein, aber ohne DEINE Beine vorher im Spiegel kritisch begutachtet zu haben“
Wessen Beine denn? Deutsches Sprach, schweres Sprach……
Der unerbittliche Pedant hat wiederum zugeschlagen, indem er einen Flüchtigkeitsfehler – soeben behoben – als Deutschfehler fehlinterpretierte. Blind auf dem Maintream-Auge und im gewinnorientierten Taumel übersieht er, was wirklich falsch und profitgeil den Lesern vorgesetzt wird. Gerechtigkeit ist, was nützlich ist … .