10. Mai 2022 Doris Schöni 0Comment

Der Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel im Lonetal ist eine 31,1 cm grosse und 35.000 bis 41.000 Jahre alte Skulptur aus Mammut-Elenbein, die einen Menschen mit dem Kopf und den Gliedmassen eines Höhlenlöwen darstellt. Die Skulptur stammt aus der jungpaläolithischen (Jungpaläolithikum, 40’000 v. Chr., beginnt etwa zeitgleich mit dem Eintreffen des Homo sapiens in Europa „Out-of-Africa“-Theorie). Kultur des Aurignacien ist die älteste archäologische Kultur des europäischen Jungpaläolithikums und zeitgleich mit der Ausbreitung des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) in weiten Teilen West-, Mittel- und Osteuropas.und gehört zu den ältesten Kleinkunstwerken der Menschheit.

File:Loewenmensch1.jpg

Vor fast 40.000 Jahren, zu Beginn der Jüngeren Altsteinzeit, gehörte die Schwäbische Alb zum Lebensraum der frühen anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens). In kleinen Gruppen durchstreiften sie die von der Eiszeit geprägten Täler auf den Spuren der Tiere wie Mammut, Rentier, Wisent und Wildpferd. Zeugnisse ihres Aufenthalts blieben in den Höhlen erhalten, Reste von Feuerstellen, Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Stein, Knochen, Geweih und Elfenbein. In vier Höhlen wurden außerdem kleine Skulpturen entdeckt. Die mit Steingeräten aus Mammutelfenbein geschnitzten Figuren zeigen das für die Jagd wichtige Grosswild, aber auch kleine Tiere wie Vögel oder Fische. Viele Figuren stellen die gefährlichsten Tiere wie Höhlenbären oder Höhlenlöwen dar. Sie alle repräsentieren die weltweit ältesten Objekte beweglicher Kunst. Der Löwenmensch wurde aus dem rechten Stosszahn eines jungen Mammuts oder einer ausgewachsenen Mammutkuh geschnitzt, der an einem Ende hohl war. Diese natürliche Höhlung, die Zahnmarkhöhle, wurde in die Gestalt der Statuette einbezogen und erklärt die Beinstellung. Um die Grundform getrennter Beine zu erhalten, schnitt man die Wandung an zwei gegenüberliegenden Seiten heraus. Das spitz zulaufende Ende der Markhöhle markiert den Schnittpunkt beider Beine, den Schritt der Figur. Ihre statische Haltung mit eng am Körper anliegenden Armen ist durch die Länge und den Umfang des Stosszahns vorgegeben.

Zwei Höhlen im Tal der Lone, zwei Höhlen im Achtal – und rund fünfzig, meist nur fragmentarisch erhaltene Figuren aus Mammutelfenbein von diesen Fundplätzen: Das ist bisher die „künstlerische“ Bilanz der archäologischen Forschungen in den Höhlen der mittleren Schwäbischen Alb. Im Unterschied zum Löwenmenschen als mit Abstand grösster Skulptur sind diese Figuren nur wenige Zentimeter groß. Sie sind vollplastisch, halbrund oder als Relief gearbeitet und stellen in der Regel Tiere dar, die während der letzten Eiszeit auf der Schwäbischen Alb lebten. Nur rund die Hälfte der Figuren ist jedoch so erhalten, dass sie sicher oder annähernd zweifelsfrei identifiziert werden können. Über die Hälfte der Figürchen stammt aus der Vogelherdhöhle im Lonetal, die bereits 1931 entdeckt  und ausgegraben worden war. Berühmt sind die Figuren eines Mammuts und eines Wildpferds. An beiden wird deutlich, dass die Tiere nicht rein naturalistisch wiedergegeben sind. Beim Mammut ist der massige Körper und der mächtige Kopf betont, beim Pferd der Hals überlang dargestellt. Die Beine dagegen sind auf kurze Stummel reduziert. Bemerkenswert ist ausserdem ein in zwei Bruchstücken erhaltenes Löwenköpfchen, das besonders fein gearbeitet ist. Es wurde erst nach der Grabung wohl in der Abraumhalde vor der Höhle entdeckt. Im Profil verglichen ähnelt es verblüffend dem Kopf des Löwenmenschen. (s. Wikipedia und Homepage „Der Löwenmensch“, Museum Ulm, 2018.)

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