6. Januar 2024 Doris Schöni 0Comment

Die Mittsechzigerin von der Spitex sprach mich darauf an: „Haben Sie eigentlich jemanden, der bei Ihnen aufräumt?“ Meine Anwort „warum“ brachte sie sichtlich aus der Fassung. Mein Chaos überforderte sie. Übefordert es mich? Nein. Es ist mein Leben. Ein Stolper-Leben.

Ich stolpere über am Boden liegende Gegenstände. Kleider, Bücher, Zeitungen, Gefallenes, Nicht-Aufgehobenes, Im lichtlosen Keller (Glühbirne kaputt) über einen umgekippten Tisch. Dabei verblute ich beinahe. Nun kümmert sich die Spitex um dier klaffende Wunde. Dann Pfannen, dazugehörige – oder eben nicht – Deckel. Geschirr, das nirgendwo mehr Platz hat. Taschen mit Esswaren. Der Kühlschrank ist proppenvoll.

Manchmal schafft die Putzfrau Ordnung. Sie macht mich rasend, da ich danach nichts mehr finde. Das Leben als Chaos, Meine Schwester behauptet, mein Inneres sei ebenso chaotisch. Mein texanischer Freund ist überzeugt, meine Liebe zu Bach entspreche einem Bedürfnis nach Ordnung. Ich sitze inmitten eines Chaos‘ und merke nichts von ihm. Ich hasse Ordnung. Meine Lieblingstante – sie war sozusagen das Gegenteil von mir – schenkte mir ein Schild mit derr Aufschrift: „Kleine Geister halten Ordnung. Das Genie übersieht das Chaos“. Leider sind Chaoten nicht zwingend Genies.  

„Wie kann man nur so leben?“ Ja, man kann.

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