Ein Arte-Beitrag dokumentierte „die gefährlichsten Schulwege …“. Es handelte sich um Kinder in Kolumbien, deren Weg zur Schule und zurück täglich je anderthalb Stunden dauert.
Anderthalb Stunden bei unerträglicher Hitze und einer Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent, einem gefährlichen Weg, nämlich über eine lange, wackelige, aus morschem Holz zusammengefügte Brücke, die droht, auseinander zu brechen, wobei die Kinder in den vier Meter darunter liegenden Sumpf fallen und sich verletzen würden. Das nächste Krankenhaus befindet sich zwei Stunden entfernt. Ein Knabe muss, nachdem er bereits die Kühe zusammen getrieben hat, ebenfalls einen anderthalbstündigen, sehr gefährlichen Weg zur Schule bewältigen. Ihm droht Ungemach vom Durchwaten eines Flusses, in dem Stachelrochen zustechen können und vom Überrudern eines Flusses im unstabilen Einbaum. Trotz diesen Strapazen gehen die Kinder gerne zur Schule, sie wollen lernen, um ein besseres Leben als ihre Eltern führen zu können.
Es ist naheliegend, die kolumbianischen Kinder mit jenen in Europa und besonders der Schweiz, zu vergleichen. In der Schweiz nehmen Allergien im Kindesalter zu. Derart zu, als wäre es unschicklich, nicht auf irgend etwas allergisch zu sein. Immer mehr Jugendliche leiden unter psychischen Problemen, zum Beispiel ertrugen sie es schlecht, wegen der Pandemie ihre „Freiheit“ einbüssen zu müssen. Sie waren tief frustriert, keine Parties mehr zu feiern und in Gemeinschaft nicht mehr chillen zu können. Der Vater, vielbeschäftigter Manager oder IT-Spezialist, möchte seinen Kindern ein Vorbild von Tüchtigkeit und angepasstem Verhalten sein, die Mutter chauffiert die Kinder vor der Massage im Four Wheeler zur Schule und wettert über die parkierten Autos, die ihren Sprösslingen gefährlich werden könnten. In der Schule werden Kinder gemobbt, wenn sie nicht die „richtigen“ Labels tragen … .
In Kolumbien leben die Einwohner auf dem Land ohne jeglichen Komfort. In ihren Häusern tummeln sich Hühner, Hunde und Katzen, es wird am offenen Feuer gekocht, Wasser ist kostbar und viele Eltern können ihren Kindern bei Schularbeiten nicht helfen, weil sie keine Schule besucht haben. Die Kinder fürchten sich vor den täglichen Gefahren, denen sie auf dem Schulweg ausgeliefert sind. Es gibt Knaben, die ihre jüngeren Geschwister auf dem Rücken über den langen Schulweg tragen und Mädchen, die sich rührend um jüngere Kinder kümmern.
Ist es falsch sich zu fragen, was in Europa und besonders der Schweiz falsch gelaufen ist mit den Kindern? Verwöhnte, völlig beschützte, in Watte eingepackte, medizinisch überbetreute, markengeile, konsumaffine, nicht belastbare, psychisch labile und selbstbezogene Kinder und Jugendliche hat das letzte Jahhundert hervorgebracht. Sozusagen mit einem Panzer den Raum vor ihnen leergefegt.