Die Französin Françoise Sagan (1935-2004) löste 1954 mit ihrem als 18-Jährige publizierten Roman „Bonjour Tristesse“ einen Skandal aus. Der Roman wurde in 20 Sprachen übersetzt und der Vatikan verbannte ihn auf den Index. Die Geschichte ist in einem neuen, modernen Tonfall erzählt, Nicht nur die für jene Zeit recht freizügige Darstellung von Erotik, auch der illusionslose Blick, den die jugendliche Ich-Erzählerin auf die Liebe und die Erwachsenenwelt wirft, schockierte die Leser. Mit ihrem betont antibürgerlichen und existenzialistisch gefärbten Debütroman traf Sagan das Lebensgefühl ihrer Generation, die der grossen Absurdität des Daseins mit lässiger Melancholie, ausschweifender Genusssucht oder mit Weltekel begegnete.
Françoise Sagan ebnete, wie viele andere Autorinnen dieser Zeit, den Weg zur Befreiung der Frauen, sie setzte sich schreibend für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein, indem sie die Heuchelei der bürgerlichen Gesellschaft entlarvte. Sie verdiente mit 19 Jahren mit „Bonjour Tristesse“ Millionen, die sie ebenso schnell verprasste, wie sie eingenommen wurden. Mit schnellen Autos, Alkohol und Drogen setzte sie ihr Leben aufs Spiel und starb mit lediglich 69 Jahren an den Folgen ihres exzessiven Lebensstils.
In den späten 50er und in den 60er Jahren wurde ihr erster Roman, dem viele andere folgten, auch in der Schweiz von den damaligen jungen Frauen verschlungen, die sich mit ihrer Geschichte identifizierten. Es ist anzunehmen, dass viele der weiblichen Jugendlichen heute bei einer Umfrage nach Françoise Sagan ein kopfschüttelndes „hä?“ entlocken würde. Es ist erstaunlich, dass die heutigen Frauen die Gleichberechtigung als selbstverständlich betrachten, ohne sich je mit der Frage zu beschäftigen, wie sie entstanden ist. Sie wissen nicht und es interessiert sie auch nicht zu wissen, dass die ältere Generation dafür gekämpft und dabei viele Nachteile erlitten hat.
Die Jungen von heute haben keine Affinität zur französischen Kultur, warum sie wohl nicht (mehr) vermittelt wurde?
Was die Deutschschweizer von den Franzkosen halten:
Sie blasen alles auf und wirken theatralisch. Sie sind Schönredner. Sie sind sensibel, schnell gekränkt und nehmen alles persönlich. Sie sind stolz und altmodisch. Der Franzose ist formell, es muss “comme il faut” sein. Französische Männer sind Charmeure und Gentlemen.
Was die Franzosen von den Deutschschweizern halten:
Die Schweizer sind zu ernst. Sie sind langsam. Sie sind stur aber auch effizient. Sie sind Innovateure. Planen, organisieren und Disziplin sind ihre Stärken.
Das hat aber nichts mit Françoise Sagan zu tun. Oder doch?