27. Januar 2022 Doris Schöni 0Comment

Eine Dokumentationssendung auf ARTE erzählt, wie eine Schulklasse aus Israel in Polen auf Konzentrationslager und monströse Erschiessungsplätze reagierte. Es war im Jahr 1988 als eine israelische Schulklasse mit Zeitzeugen, Historikern, religiösen Begleitern und Lehrern von einem Horrorort zum nächsten pilgerte und welche Emotionen die Jugendlichen empfanden bei den Besuchen in Baracken von Konzentrationslagern, in Gaskammern, an Plätzen, an denen SS-Männer Kleinkinder in Anwesenheit ihrer Mütter mit Gewehrkolben erschlagen hatten.

Die Schulklasse bestand aus religiösen und nicht-religiösen Jugendlichen, alle aber waren recht nationalistisch, führten israelische Flaggen mit sich, es gab sehr ernsthafte und auch spassige Schüler, betroffene und eher gleichgültige. Das Ziel der Polenreise war, den Horror, der einigen ihrer Grosseltern zugestossen war, mitzufühlen., sich also in deren Situation zu versetzen.

Wenn die Zeitzeugen sich entsetzlicher Gräuel erinnerten, brachen viele der Schüler in Tränen aus, andere beteten und oft stimmte die Klasse ein Lied an. Auf die Frage, ob sie die Gefühle der Gefangenen nachempfinden konnten, antworteten männliche wie weibliche Schüler, das falle ihnen schwer. Sie waren sehr selbstbewusst, stolz auf ihr Land und hämisch den Nationalsozialisten gegenüber, denen es nicht gelungen war, alle Juden Europas auszurotten.

Es liegt auf der Hand, dass Jugendliche eher in die Zukunft blicken als zurückzuschauen. Die israelischen Jugendlichen wussten, was ihren Grosseltern widerfahren war. Aber kann man die letzten Sekunden, bevor man vergast oder erschossen wird, nachempfinden? Und was empfindet man wirklich in diesen letzten Sekunden? Ist das Gehirn gnädig und schüttet Stoffe aus, die einen in eine Art Narkose versetzen?

Der grosse Fehler dieser Dokumentation ist, israelische Jugendliche ausgesucht zu haben. Man hätte deutsche, polnische, italienische, amerikanische usw. Schulklassen filmisch begleiten müssen. Viele heutige Jugendliche kennen weder das Wort Holocaust noch den Namen Hitler. Vielleicht gäbe es dann weniger Neo-Nazis … .

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