3. Mai 2022 Doris Schöni 0Comment

Meine Bekannte und ich sassen auf einer Bank und schwiegen. Ein alter Mann auf einem E-Bike radelte daher und fragte, ob er sich zu uns setzen dürfe. Meine Bekannte bejahte freundlich. Ich schwieg. Nach einer Weile begann der Mann, zu erzählen,

er sei im Wallis aufgewachsen und habe dort als einziger Protestant die katholische Schule besucht.

Er sagte: „Die hüttige Junge wüsse nüm, wie mir gläbt hei“. Und schilderte die Entwicklung vom Velo zum Auto. Aber der heutige Verkehr, eine Katastophe. Er habe seinen Ausweis zurückgegeben und fahre jetzt eben E-Bike. Ganz leicht. „gäbig, wes nid rägnet“. Und: „U parkiere chame soviso nümme“.

Seine Frau sei vor vier Jahren gestorben. Sie habe an der Parkinson-Krankheit gelitten und sei schwer dement gewesen. Er habe sie Zuhause gepflegt bis sein „Dockter“ ihm gesagt habe, wenn es so weitergehe, werde er vor seiner Frau sterben.

„Jize chunnt nüt me“, meinte er und meinte seine Zukunft.

Er habe Enkel in Florida, die er nicht kenne. Warum er sie nicht kenne, präzisierte er nicht.

Meine Bekannte quittierte seine Berichte mit ermunternden Worten. Ich schwieg.

Der alte Mann stand auf und erklärte: „I ga jize es Pierli ga ha“. Meine Bekannte sagte: „Prost“.

Er begrüsste die Hündin und radelte davon. Meine Bekannte zählte die Wagen eines Güterzuges.

Danach meinte sie: „Es ist schon erstaunlich, was die Menschen alles erleben“. Ich antwortete: „Ein ganz gewöhnliches Leben“.

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