26. November 2018 Doris Schöni 0Comment

Jedermann kennt diese Situation: Man parkiert irgendwo und schon ist ein eifriger Beobachter zur Stelle und rügt:  „Hier darf man nicht parkieren“. Oder man rennt neben einem Zebrastreifen über die Strasse und eine gellende Stimme hallt: „Man darf nicht neben einem Zebrastreifen die Strasse überqueren“.

Und nun werden viele willige Bürger danach trachten,  IV-Bezügern, vorallem jenen, die aus psychischen Gründen Hilfe bekommen,  die Invalidenrente zu vermiesen. Den psychischen IV-Bezügern sieht man ja die Versehrtheit nicht an, also sind sie in der Lage, Holz zu spalten. Neid, Missgunst, Frustrationen über die eigene Lebenslage führen dazu, dass es dem Nachbar nicht besser ergehen darf als einem selbst. Es handelt sich daher nicht in erster Linie um die verlorenen 170 Millionen Franken, welche die Versicherungen ohnehin schon einkalkuliert haben, sondern um die Genugtuung, „es“ den angeblichen Betrügern zu zeigen. Der kleine Mann von der Strasse fühlt sich dabei mächtig, im Leben einmal eine Rolle zu spielen. Mit-zu-reden, Mit-zu-urteilen, zum Rechten zu sorgen.

Natürlich gibt es Sozialbetrüger, die sich möglicherweise krummlachen über die braven Arbeiter und Angestellten, die sich jeden Morgen in aller Frühe an die Arbeit begeben. Und? Warum will man ihnen verwehren, Musse zu geniessen? Weil sie rechtsbrüchig sind? Wenn ihnen aber die Rente aberkannt wird, werden sie weiter versuchen, sich eine zu ergattern. Vor dem Betrügen schützt lediglich die Erziehung. Und diese wird heutzutage in Richtung „Profit“ vermittelt (man denke an den Aldi-Spruch: „Eifach profitiere“), den Sprösslingen wird früh beigebracht, sogenannte Schnäppchen zu erbeuten, koste es so wenig wie möglich. Und wie verhält sich ein Grossteil von Vernissage-Besuchern beim  (Gratis-) Buffet? Oftmals ist es, als ob eine nahe vom Hungertod bedrohte Heuschreckenkolonie die Häppchen vertilgen würde. Innerhalb kürzester Zeit sind die Platten leer geräumt, so dass den enttäuschten Nachzüglern nichts anderes übrig bleibt, als die Krumen zusammen zu kratzen. Von einer „guten Kinderstube“ kann bei einer solchen Raffgier nicht gesprochen werden. Aber sie ist weder kriminell noch ahndungswürdig.

Nahezu zwei Drittel der Stimmenden hat ein Ja in die Urne gelegt, um Detektive (werden sie wohl aus dem Polizeikorps entliehen?) auf die Pirsch nach allfälligen IV-Betrügern zu schicken. Dass diese auf die Hilfe von schlechtmeinenden Bürgern angewiesen sind, liegt auf der Hand. Die Synonyme für eine solche Tätigkeit haben alle einen negativen Beigeschmack:  abhören, aushorchen, auskundschaften,  ausspionieren, belauschen, beschatten, beschnüffeln, hinterherspionieren, kontrollieren. Sie schüren ein Klima des Misstrauens, des Argwohns, der Mutmassungen, der Unterstellung und des Verdachts.

Haben die Ja-Stimmenden an das gedacht?

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