Quand le meilleur s’est retiré Wenn das Beste gegangen ist
Et qu’il ne reste que le pire Und nur das Schlimmste bleibt
Dans une vie bête à pleurer. In einem zum Weinen dummen Leben.
Kurz bevor sie im Garten starb, kam sie zu mir und ich bemerkte nicht, dass sie sich für immer verabschiedete. Ich wusste, dass sie sehr krank war und es keine Heilung in ihrem Alter mehr gab, da sie jedoch ihre Schmerzen verbarg, wiegte ich mich in falschen Hoffnungen und verdrängte das Unvermeidliche. Diesen Schmerz kennen alle Hundebesitzer. Je nach Charakter und Befindlichkeit beschaffen sie sich unverzüglich eine neue Begleitung oder empfinden einen solchen Austausch als Verrat. Jene dazwischen warten einige Monate, bevor sie sich für einen neuen besten Freund des Menschen entscheiden. Wenn man aber mit dem schönsten, liebsten, intelligentesten, empathischsten, verständigsten Traumhund zusammen gelebt hat, was dann? Sie malt eine Acht auf die Karosserie des Autos, das sie danach jeden Tag zu Hundespeziergängen fährt, jene Hundespeziergänge, die sie sehr oft mit ihrer Hündin unternommen hatte. Sie spricht zu ihr: Siehst du, immer wieder dasselbe. Betty – die Hündin der Freundin, die sie nun begleitet – kommt einfach nicht. Du bist immer gekommen, immer, auch als du krank warst. Und weint „warum hast du mich verlassen?“
Letzthin wurde sie von einer Frau, die sie nicht kannte, angesprochen: „Ihr Hund hat doch ihr Leben gerettet. Wo ist er?“ Sie schüttelte verneinend den Kopf. Das war vor 9 Jahren. Die Hundenheldentat bleibt unvergessen. Wieder dieser stechende Schmerz „ich habe ihr Leben nicht retten können und nicht realisiert, dass sie sich von mir verabschiedete“. Sie starb allein im Garten.
Die hässlichsten und schlimmsten Phasen meines Lebens haben mich nicht derart gebeutelt. Meinen Traumhund tot auf dem Rasen zu finden, kurze Zeit nachdem er sich von mir verabschiedet hatte: Ich weinte nicht, ich bestand nur noch aus Zittern und Schlottern. Die nötigen Gänge der nächsten Tage überstand ich fast teilnahmslos; wie wohl die meisten Menschen in dieser Situation war ich erstarrt, versteinert, verholzt. Und verkrüppelt. Amputiert. Entleert. Eine Hülle.
Acht Monate sind seither vergangen, Trauer und Schmerz haben nichts von ihrer Intensität verloren, das Gegenteil geschieht. Beim Anblick jedes Border Collies überkommt mich eine grosse Wehmut. Ich bin nicht bereit für einen anderen Hund, ich empfinde es als Verrat, obwohl mich Hundekenner umstimmen möchten mit der Logik, dass ich einen anderen Hund auch lieben würde, ohne meine Traumhündin weniger zu lieben. Der Verlust eines Menschen ist leichter zu verschmerzen. Diese Empfindung mag misanthropisch klingen … . Wie kann man einen Hund über den Menschen stellen?
Wie oftmals Witwen und Witwer spreche ich zu ihr, wiederhole unsere gemeinsamen Worte und Sätze, rufe sie, scherze mit ihr, was sie mochte, frage, „warum hast du mich verlassen, du hättest doch noch einige Jahre leben können?“ Sie war ihr Leben lang gesund, von einem Beinbruch erholte sie sich schnell, selbst als sie totkrank war, zeigte sie keine Anzeichen davon. Und dann, und dann
ruft einen die Gegenwart: Nach einem vergnüglichen und trotzdem intellektuell anspruchsvollen Silvesterabend und Sternenhimmel höre ich einige Stunden nach Mitternacht das Requiem von Mozart. Immer wieder …