11. Mai 2023 Doris Schöni 0Comment

…warum. Immer dasselbe Thema, wird wohl gerufen. Stimmt nicht. Danach sah ich stundenlange Sendungen über Gastarbeiter in Deutschland seit den 60er Jahren, Türken in Deutschland, Türkenfeindlichkeit in Deutschland, wie sich Deutschtürken oder Türkendeutsche in Deutschland fühlen, Ansichten der Türken in Deutschland und in der Türkei über die kommenden Wahlen. Ein Kaleidoskop von Wissen.

Aber vorher weinte ich. Es ging um eine israelische Gymnasialklasse, die Ausschwitz besuchte. Die Reise bezweckte herauszufinden, ob sich die jungen Leute in die Folter und den Mord an Juden in Konzentrationslagern einfühlen konnten. Die Dokumentation datiert aus dem Jahr 1988, also vor bald 50 Jahren. Obwohl mir der Film nationalistisch, religiös und sehr emotional vorkam, was mir normalerweise überhaupt nicht gefällt, musste ich weinen, und ich weiss nicht warum. 

Die damaligen jungen Leute, heute wohl bereits Grosseltern, konnten sich trotz Nationalismus, Religion und Emotionen nicht mit den geschundenen Konzentrationslagerinsassen identifizieren, geschweige denn einfühlen. Was ihren Grosseltern, Grosstanten und -onkel, also der älteren Generationen widerfuhr, bedauern sie zutiefst, aber die Verbindung zu ihnen ist abgebrochen. Sie leben im Heute, sind stolz auf ihren Staat, ihre Regierung (1988!), ob gläubig oder nicht. Einige tragen die israelische Fahne auf ihren Schultern, andere die Kippa auf ihrem Kopf. Eine Schulklasse von 18-Jährigen, sie könnte ebenso gut aus Italien, Frankreich oder Norwegen stammen.

Warum aber habe ich geweint? Nicht aber über Gastarbeiter, über Türken in Deutschland, Türkenfeindlichkeit in Deutschland, wie sich Deutschtürken oder Türkendeutsche in Deutschland fühlen, denen ebenfalls viel Unrecht angetan wurde? Va savoir … .

 

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