Das Wort Mensch gilt für ihn nicht. Er war aber auch kein Tier, denn kein Tier wäre zu solchen Monstrositäten fähig. Ihn als psychisch krank er erklären, wäre zu einfach und bequem. Wenn er aber weder Mensch noch Tier war, was war er dann?
Heinrich Himmler war ein deutscher Politiker der NSDAP. Er machte in den 1920er-Jahren als Reichsredner und Parteifunktionär Karriere und wurde 1929 von Adolf Hitler an die Spitze der damals noch der Sturmabteilung unterstellten Schutzstaffel (SS) berufen. Als Reichsführer SS, Chef der deutschen Polizei sowie Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (ab 1939), später auch Reichsinnenminister (ab 1943) und Befehlshaber des Ersatzheeres (ab 1944) hatte Himmler vor allem während des Zweiten Weltkriegs eine Machtposition, die nur von der Hitlers übertroffen wurde. Mit Hilfe der SS, des Sicherheitsdienstes, der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und anderer von ihm direkt oder indirekt kontrollierter Organe hatte Himmler ein System der Überwachung, der Willkür und des Terrors etabliert, mit dem die Menschen im Einflussbereich des NS-Regimes eingeschüchtert und kontrolliert, vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner verfolgt, inhaftiert, entrechtet und ermordet wurden. Er ist einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust, die Ermordung von Millionen von Zivilisten und Kriegsgefangenen sowie für zahlreiche andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Himmler war es, der die Vernichtung der europäischen Juden, den Holocaust, ins Werk setzte. Diesem fielen zwischen 5,6 und 6,3 Millionen Menschen zum Opfer. Aber er war nicht allein: Zum einen handelte er im Auftrag Hitlers, zum anderen stand ihm die SS als williges Werkzeug zur Verfügung, und es drängten auch zahlreiche Gauleiter und andere hochrangige Nationalsozialisten.
Für Hitler war die Ausrottung des Judentums ein vorrangiges und erklärtes Ziel, so bereits 1924 in seiner Programmschrift Mein Kampf. In seiner Reichstagsrede vom 30. Januar 1939 verkündete er offen: „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und ausserhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa!“ Mehrfach kam er auf diesen Ausspruch zurück und bekräftigte ihn damit.
Himmler war zwar seit seiner Jugend auch Antisemit, aber Hitlers äusserste Destruktivität war ihm zunächst fremd. In den dreissiger Jahren redete er zwar von einer bevorstehenden Auseinandersetzung mit Bolschewismus und Judentum, aber erwartete diese offensichtlich in einer ferneren Zukunft. Die zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängten deutschen Juden hielt er anscheinend für ungefährlich. Allerdings sollten diese Deutschland seiner Ansicht nach verlassen. In seiner Rede vor den SS-Gruppenführern am 8. November 1938 beschrieb er seine Erwartungen: „Die Verschärfung der deutschen Judenpolitik würde dazu führen, dass die Juden die Deutschen angreifen und ohne Ausnahme ausrotten würden“. Aber zunächst blieb es bei der offiziellen Politik eines verstärkten Drucks zur Auswanderung. Himmler war demnach der Organisator der „Endlösung“, berief sich dabei aber wiederholt auf Befehle Hitlers. Jedoch wird nicht angenommen, dass es einen expliziten, schriftlichen oder mündlichen derartigen Befehl gegeben hätte. Allerdings ordnete Hitler einzelne Massnahmen an oder genehmigte diese, die sich aber oft als noch undurchführbar herausstellten und zunächst wieder abgebrochen werden mussten. Nachdem erste Erfahrungen mit Vergasungswagen von 1941 den Nationalsozialisten Ergebnisse zur arbeitsteiligen und industriemässigen Tötung lieferten, liess sich die Massenvernichtung effektiv durchführen.
In seinen geheimen Posener Reden vom 4. Oktober 1943 vor den SS-Gruppenleitern und am 6. Oktober vor den Gauleitern gab Himmler einen Rückblick auf die inzwischen weitgehend abgeschlossene Judenvernichtung, die er als erster Vertreter der NS-Führungsspitze in unverschleierter Sprache als „Ausrottung des jüdischen Volkes“ bezeichnete. Er lobte die SS für die Ausführung, was er als „niemals zu schreibendes Ruhmesblatt“ bezeichnete: Sie sei, auch im Angesicht hunderter ermordeter Personen, stets „anständig“ geblieben, eine für Himmlers Ideenwelt typische Pervertierung positiv besetzter soldatischer Werte. Er betrachtete diesen Auftrag als das „Allerhärteste und Allerschwerste, was es gibt“. Alle Zuhörer sollten „das Geheimnis mit ins Grab nehmen“ – und nach einer verbreiteten Historikeransicht als Komplizen in die Verantwortung genommen werden.
Hannah Arendt (1906-1975) äusserte sich über Himmler in ihrem zuerst 1951 auf Englisch erschienenen politischem Hauptwerk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: „Himmler, der nach 1936 potentiell mächtigste Mann Deutschlands, gehörte weder zu den ‚bewaffneten Bohemiens‘ (K. Heiden) noch eigentlich zum Pöbel. Der Organisator der Vernichtungsfabriken war „normaler“ als irgendeiner der ursprünglichen Führer der Nazibewegung, war ein Spiesser und weder ein verkommener Intellektueller wie Goebbels noch ein Scharlatan wie Rosenberg, noch ein Sexualverbrecher wie Streicher, noch ein hysterischer Fanatiker wie Hitler, noch ein Abenteurer wie Göring“. Die Parallelen zu Adolf Eichmann sind unübersehbar: wie Himmler war er ein Spiessser und eine völlig durchschnittliche Person. Ohne Nationalsozialismus wäre er wohl irgend ein kleiner Beamter geworden. Mit dem Wachsen seiner Macht wuchs sein Machthunger. So wollte er unbedingt Feldherr werden und scheiterte bei dieser Aufgabe kläglich. Bevor das Deutsche Reich zusammenbrach, streckte Himmler seine Fühler nach dem Nackriegsdeutschland aus, in dem er – in völliger Überschätzung seiner Person – Reichskanzler werden wollte. Seine Versuche, mit den Kriegsgewinnern und anderen Staaten anzubandeln, bedeutete für den noch lebenden Hitler Hochverrat. Er schloss Himmler aus der NSDAP sowie von allen Partei- und Staatsämtern aus.
War Heinrich Himmler nicht einfach nur ein Opportunist? Ein kleiner Mann (1m 75cm) mir sehr grossen Ambitionen? Obwohl Antisemit, war es ihm wohl gleichgültig, wen er in die Gaskammern schickte. Ihm ging es um die Ausführung von vagen Befehlen, er war durch und durch soldatischem Denken verhaftet. Kadavergehorsam?
Darum: man hüte sich vor Biedermännern- und -frauen, vor Spiessern (Frauen fortan eingeschlossen), jenen mit erhobenem Finger, Besserwissern, Dummrednern, Autoritätsgläubigen, Rassisten, Antisemiten, Freikirchlern, und Sie wissen schon vor wem. Männer wie Heinrich Himmler gab es im Altertum und wird es auch im 22. Jahrhundert geben. Die Vollendung des Menschen ist irgend wie schief gelaufen … .