2. Dezember 2022 Doris Schöni 0Comment

Sie befinden sich im Würgegriff von gefährlichen Substanzen: Sie schnorren, um zu konsumieren, konsumieren und schnorren Tag für Tag, um zu konsumieren. Sie riskieren ihr Leben und wissen es. Sie zerstören ihre Gesundheit und können nicht anders. Wer? Die Abhängigen von harten Drogen in Deutschland.

Sie sind zwischen 18 und 40 Jahre alt. Die meisten waren in Heimen untergebracht, stammen aus zerrütteten Familienverhältnissen oder sind ohne Vater aufgewachsen. Sie heissen Heiko oder Sabine und sind obdachlos. Sie schlafen auf der Strasse, in Hauseingängen, in Abrissbauten, im Wald, in leerstehenden Häusern und im Obdachlosenheim. Sie benötigen oft mehrmals amTag Crack, Methamphetamin, Morphin, Heroin, Kokain und Alkohol. Sind sie auf Entzug, krümmen sie sich vor Schmerzen. Sie leiden unter Abzessen, offenen Beinen, ihre Körper sind übersät von nicht heilenden Wunden und Narben, ausser der Halsader haben sie keine freie Stelle mehr, um sich Spritzen zu setzen. Ihre Kumpels übernehmen die Verantwortung fürs Spritzen, das todbringend sein kann. Die Todesfälle in jungem Alter nehmen von Jahr zu Jahr zu. 2021 starben deutschlandweit 1.826 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. 686 dieser Menschen starben aufgrund von Heroin und Morphin.

Alle sehnen sich zurück auf die drogenfreie Zeit und die meisten entscheiden sich hin und wieder für eine „Entgiftung“, die sie jedoch abbrechen oder nach erfolgter Beendigung in den Wind schlagen. Kaum eine oder einer hat Beziehungen zur Familie und wenn, dann nur zu den Müttern. Die Eltern haben sie sozusagen verstossen und wollen nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie bilden eine Art Familie unter sich, und selbst, wenn sie sich gegenseitig beklauen, so helfen sie sich untereinander.

Crack ist eine Droge, die aus Kokainsalz und Natron hergestellt wird. Sie wird in kleinen Pfeifen geraucht und wirkt extrem schnell in ca. 8 bis 10 Sekunden. Crack gilt neben Methamphetamin und Heroin als die Droge mit dem höchsten psychischen Abhängigkeitspotezial. Die Tücke der harten Drogen besteht darin, dass der Abhängige eine immer stärkere Dosis innert immer kürzerer Zeit braucht. Das führt zu einem stetig grösseren Stress zwischen dem Betteln und Konsumieren. Viele unter ihnen büssten Gefängnisstrafen ein wegen unbezahlter Rechnungen, Schwarzfahren oder Diebstählen. Trotz ihrer Kumpanei leiden sie unter Einsamkeit und Beziehungslosigkeit. Die meisten haben keinen Schulabschluss und keine Ausbildung. Jüngere Frauen prostituieren sich. Kinder haben fast alle, jedoch ohne Kontakt zu ihnen. Hunde sind vielfach ihre einzige Bezugs“person“, es sind grossartige Hunde mit einer Riesenportion Empathie trotz beschwerlichem Leben. Sterben diese Hunde, so trauern die Abhängigen bitterlich und sollten sie der Hunde wegen ihren Konsum verringert haben, fallen sie in ekzessiven Bedarf zurück.

Die deutschen Drogenabhängigen drücken sich – ausser im Vollrausch – recht gepflegt aus und sind gefühlvoll. Deutschland hilft ihnen, ausser mit Substitutionsprogrammen und „Entgiftungs“einrichtungen nicht. Der Polizei sind sie egal, sie versucht vor allem, internationale Schmuggler und Dealer zu erwischen. Freiwillige, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bieten ihre Hilfe mit warmem und kaltem Essen, Kleidern und unentgeltlichem Haarschnitt an. Die Heilsarmee schickt Frauen zu den Drogenhotspots für tröstende und aufmunternde Worte, Sekten versuchen, die Abhängigen durch Religion vom Drogenkonsum zu „heilen“. Der Staat lässt sie allein. Er entkriminalisiert die Suchtmittel nicht, was das Schmuggler- und Dealerproblem lösen würde. Er lässt die Abhängigen in aller Öffentlichkeit spritzen und rauchen, auf der Strasse „schnorren“ und schlafen. Er unternimmt nichts gegen Frauen schlagende Männer und sorgt sich nicht um Jugendliche, die von zu Hause ausreissen. Es ist auch typisch für die heutige Gesellschaft, dass die Drogenabhängigen aus bildungsfernen Familien stammen und ohne berufliche Zukunft in die Welt entlassen werden. Für solche Menschen steht der Sturz in die Drogen und damit in die Kriminalität auf des Messers Schneide. Dass sich gut verdienende Banker und Manager etc. an den Wochenenden sauberes Kokain und andere Drogen problemlos beschaffen und geniessen können, ist ungerecht und amoralisch. Auch der Drogenkonsum ist eine Frage des Geldes.

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