Ist häusliche Gewalt „nur“ körperliche Gewalt? Ist es keine körperliche Gewalt, wenn der Umgangston auf minus 20 gesunken ist und meist unfreundliche, barsche, höhnische und kritische Sätze, Adverbe und Adjektive fallen?
Bei manchen langjährigen Paaren – ob verheiatet oder nicht – hat sich i.m Laufe der Zeit ein harscher Umgangston entwickelt, Aus Leidenschaft wurde Hass oder zumindest Verachtung. Die beiden lassen sich nichts durchgehen. Der andere wird korrigiert, dass die Fetzen fliegen. um was es sich auch handelt, er oder sie wird gnadelos niedergeschrieen.
Die Stimmung ist bar jeden Humors, grimmiger Bierernst hat zwischen den beiden Einzug gehalten. Man lebt zusammen, doch könnte man nicht weiter entfernt sein. Man möchte vor dem anderen fliehen, abhauen, irgnend wohin. Doch man unterlässt es. Treue oder Angst, allein zu sein? Man ist ja schon über Dreiviertel des Lebens hinaus und wer weiss, was einem alles noch bevorsteht. Solches ganz allein ertragen? Lieber nicht.
So gehen Jahre und Jahre vorüber, die Missstimmung wächst, man fühlt sich erinnert an den Fi.lm „Le Chat“, meisterhaft gespielt von Jean Gabin und Simone Signoret. Man geht nicht mehr miteinander, sondern hintereinander, das Bett ist zweigeteilt durch eine Trennwand und im Kühlschrank herrscht Rassentrennung. Die Grösse, sich definitiv zut trennen, ist vertan, man hat nur noch das Z;iel, den anderen auszuspielen ihm zu schaden, ihn fertig zu machen. Verlieren werden beide. Häusliche Gewalt mit der man versucht, den anderen psychisch zu zerstören.
Jede Beziehung hat ihre eigenen wunden Punkte, aber die meisten verbindet doch eins: Kränkungen und Abwertungen schaden der Gemeinschaft am meisten. Um eine Beziehung in ihren Grundpfeilern zu erschüttern, braucht es vor allem zwei Dinge: Missachtung und Demütigung des Partners.
P.S. Eine wahre Geschichte. Lange Ehe. Der Mann war Universitätsprofessor. Ein intelletuelles Paar, mit Büchern ohne Ende und echter Kunst an den Wänden. Während 20¨Jahren lagen sie sich in den Haaren. Sie kontrollierte ihn. Er äusserte sich abfällig über sie. Sie hänselten sich. Beleidigten sich. Zeigten Verachtung dem anderen gegenüber. Eines Morgens starb er. Sie löste den Haushalt auf und zog in den Kanton, in dem ihre Töchter lebten. Nach knapp einem Jahr starb auch sie, an nichts und an allem.
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