17. Oktober 2022 Doris Schöni 1Comment

Es ist aufschlussreich zu beobachten, wie Gruppendynamik autonom abläuft. Es ist, als gabe man ein jungfräuliches Blatt in einen Apparat hinein und ein beschriebenes kommt heraus.

Bei der Sprache kommt diese Dynamik am Besten zur Geltung. Bei der Gruppenbildung ergeben sich sehr oft dieselben Worte und Ausdrücke, an denen sich die Gruppe sofort erkennt und identifiziert. Jedes Gruppenmitglied passt seine Sprache an die am meisten gebräuchliche an. Gelegentlich werden auch Schlüsselworte kreiert, die dann lediglich von der Gruppe verstanden und gebraucht werden.

Die sprachliche Gruppendynamik entsteht durch das Bedürfnis, einer Gruppe anzugehören. Es liegt offensichtlich in der Natur des Menschen, Teil einer Gemeinschaft zu sein, um nicht allein – und schutzlos – durchs Leben zu marschieren. Die Gruppe verleiht Macht, garantiert Verteidigung und Wehrhaftigkeit. Sie errichtet einen unsichtbaren Zaun, der ein- und ausschliesst. Die Gruppe erstellt ihre eigenen Regeln und Gesetze, an die man sich halten pflegt.

In der Gruppe selber behält jedes Mitglied seine Identität – soweit sie nicht im Widerspruch zur Gruppenidentität steht. Die gemeinsame Sprache hilft, etwelche Abweichungen zu nivellieren. Wie nennt man das? Corporate Identity. Corporate Identity oder kurz CI ist die Gesamtheit der Merkmale, die ein Unternehmen kennzeichnet und es von anderen Unternehmen unterscheidet. Die Corporate Identity ist damit das Selbstbild des Unternehmens.

Wer jedoch ist verantwortlich für dieses spezielle Bild? Der Firmengründer, die Mitarbeitenden, eine Gewerkschaft, ein ausländischer Besitzer oder gar ein Start up? Das wäre nachzuforschen. Was geschieht, sollte einem Mitarbeitenden das Bild missfallen? Müsste er gehen oder die Zähne fletschen?

Es gibt im Übrigen noch viele andere Gruppendynamiken. Zum Beispiel Mimik, Gesten, Geräusche. Auf hundert Meter ist ein Italiener, der ein „ts“ äussert, zu erkennen. Ebenso ein Moslem, erkennbar am Hin- und Herschiebens seiner Misbaha (wird eine im Islam gebräuchliche Gebetskette bezeichnet. Die Gebetskette unterstützt das Sprechen bzw. das Zählen von Gebetsformeln [Lobpreisung]. Ferner wird sie als Talisman benutzt, als religiöses Symbol aufgehängt oder als Halsschmuck getragen).

Nun käme noch die gemeinsame Kultur zur Sprache. Auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

One thought on “Gruppendynamik – sprachlich gesehen

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